Bis zu 11,50 Euro teuer Krabbenbrötchen werden zum Luxus-Snack

Immer weniger werden angeboten, die Preise steigen: Nordseekrabben werden derzeit zu Höchstpreisen gehandelt. Schuld ist laut der Fischer eine Dorschart.

Krabbenbrötchen
DPA

Krabbenbrötchen


Krabben sind derzeit sehr teuer. Im niedersächsischen Nordseebad Fedderwardersiel werden für ein mit 100 Gramm Krabben belegtes Brötchen in einem Laden 7,50 Euro fällig. "So einen hohen Preis hatten wir noch nie", sagte eine Mitarbeiterin der Butjadinger Fischereigenossenschaft. Für ein Brötchen mit Nordseegarnelen müssen Kunden in Hamburg teils gar 11,50 Euro bezahlen.

Schuld an den hohen Preisen sollen die geringen Fangmengen sein. Bereits 2016 Jahr hatten die Krabbenfischer an der Nordsee einen Negativrekord gemeldet. Im Vergleich zu den 11.000 Tonnen 2015 habe sich der Fang fast halbiert.

"Gerade letzte Woche ist der Einkaufspreis wieder gestiegen", sagte Frederick Fiedler, Chef eines Bremerhavener Fischunternehmens. "So ein Preisniveau habe ich noch nicht erlebt", berichtet Philipp Oberdörfer, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer in Cuxhaven.

Für ihre geringen Fänge machen die Fischer die Wittlinge verantwortlich: Die dorschartigen Fische, die sich massenhaft vermehrt hätten, würden die kleinen Nordseegarnelen wegfressen, bevor sie groß genug für die Netze der Kutter sind.

Als es 2011 Krabben im Überfluss gab, war der Erzeugerpreis auf bis zu 1,30 Euro für ein Kilogramm ungeschälte Tiere gefallen. Für den Zeitraum 2000 bis 2009 wurden später aber auch mehrere Unternehmen wegen künstlich in die Höhe getriebener Preise zu Kartellstrafen in Millionenhöhe verurteilt - darunter auch ein schleswig-holsteinischer Händler.

2015 kostete ein Kilo ungeschälte Ware beim Erzeuger im Schnitt wieder mehr als 3,60 Euro, 2016 mehr als acht Euro. In der vergangenen Woche kletterte der Erzeugerpreis schließlich auf 13 Euro.

"Die Fischer schaffen es mit den derzeitigen Preisen gut, trotz der geringen Fänge über die Runden zu kommen", sagt Oberdörfer. Doch die Situation sei unbefriedigend, wenn sie etwas überspitzt auf dem Kutter "jede Krabbe einzeln nach unten in den Kühlraum bringen können".

Fischer und Händler hoffen auf eine Erholung des Bestands ab Spätsommer. "Zweidrittel der Jahresmenge wird im zweiten Halbjahr gefangen", sagt Oberdörfer. Zudem unterliege der Bestand natürlichen Schwankungen: "Das ist auch für uns eine Blackbox."

apr/Janet Binder, dpa



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