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Studie: Jedes zweite Krankenhaus macht Miese

MRT-Untersuchung in Münchner Klinik: Trotz höherer Einnahmen rote Zahlen Zur Großansicht
DPA

MRT-Untersuchung in Münchner Klinik: Trotz höherer Einnahmen rote Zahlen

Die finanzielle Lage vieler deutscher Krankenhäuser verschlechtert sich drastisch. Jede zweite Klinik hat einer Studie zufolge im vergangenen Jahr Verluste gemacht. Branchenvertreter fordern dringend mehr Geld - obwohl die Ausgaben der Krankenkassen bereits deutlich gestiegen sind.

Berlin - Im Jahr 2012 ist die Mehrheit der Krankenhäuser in Deutschland in die roten Zahlen gerutscht. 51 Prozent der Kliniken haben einer neuen Studie zufolge im vergangenen Jahr Verluste geschrieben. In fast 60 Prozent der Fälle sei das Geschäftsergebnis der Kliniken schlechter gewesen als im Vorjahr, heißt es im Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts. Nur noch 13 Prozent der Einrichtungen schätzten ihre Lage demnach als gut ein.

"Es ist schon dramatisch, wie das gegenwärtige System der Krankenhausfinanzierung mehr als die Hälfte der Kliniken in die roten Zahlen drückt", sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Alfred Dänzer.

Der Branchenvertreter forderte von SPD und Union, nach Ende der Koalitionsverhandlungen Detailfragen im Gesundheitsbereich dringend nachzubessern: "Die Kliniken müssen einen finanziellen Rahmen erwarten dürfen, der die stationäre Patientenversorgung zukunftsfest macht."

Besonders betroffen von Verlusten sind der Studie zufolge kleine Einrichtungen mit weniger als 300 Betten. 57 Prozent von ihnen gaben mehr Geld aus als sie einnahmen, nur 37 Prozent konnten einen Überschuss erwirtschaften. Doch auch große Kliniken - also jene mit mehr als 600 Betten - schrieben mehrheitlich rote Zahlen, konkret waren es hier 51 Prozent.

Nur bei den Krankenhäusern mittlerer Größe erzielten mit 55 Prozent mehr Einrichtungen Gewinne als Verluste (38 Prozent). Allerdings war das Jahresergebnis 2012 auch in dieser Gruppe überwiegend schlechter als im Jahr zuvor.

Jeder vierten Klinik droht Pleite

Einer der Faktoren für die schlechtere wirtschaftliche Lage der Kliniken in Deutschland sind der Studie zufolge erheblich teurere Haftpflichtversicherungen. Demnach lag der Mittelwert für die Steigerung der Prämien seit dem Jahr 2010 bei 33 Prozent - das heißt, dass sie für die eine Hälfte der Kliniken um weniger, für die andere um mehr als ein Drittel gestiegen sind.

Das aktuelle Krankenhaus-Barometer bestätigt die Ergebnisse anderer Studien. So waren laut dem im Juni erschienenen Krankenhaus Rating Report, der unter anderem vom Forschungsinstitut RWI erstellt wird, zuletzt 13 Prozent der Kliniken in erhöhter Insolvenzgefahr, 14 Prozent waren leicht gefährdet.

Dabei belasten die Kosten für Kliniken das Gesundheitssystem ohnehin immer stärker. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Klinikbehandlungen sind im ersten Halbjahr 2013 gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 31,4 auf 32,5 Milliarden Euro gestiegen, wie der Kassen-Spitzenverband mitteilte.

Hoffnung auf noch einmal erheblich höhere Einnahmen können sich die Klinik-Manager eher nicht machen. In den aktuellen Koalitionsverhandlungen wollen die Unterhändler von Union und SPD die Kosten der Kliniken zwar durch eine "Fortentwicklung der Krankenhauspreise" besser berücksichtigen. Auf der anderen Seite wollen sie die Häuser aber auch zu Effizienz anhalten, wie aus dem vorläufigen Ergebnispapier zum Thema Gesundheit hervorgeht.

Für das aktuelle Krankenhaus-Barometer wurden von April bis Juni dieses Jahres 290 Krankenhäuser mit mindestens 50 Betten im Rahmen einer repräsentativen Klinik-Stichprobe befragt. Die vollständigen Ergebnisse sollen auf dem Krankenhaustag veröffentlicht werden, der an diesem Mittwoch in Düsseldorf beginnt.

fdi/dpa

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insgesamt 245 Beiträge
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1. Vorschlag:
jetzt:hördochauf 20.11.2013
Wie wäre es endlich mal zu schauen, wer sich bei dem Geschäft mit der Krankheit ständig die Taschen vollstopft. Und dann mit dem groben Keil dazwischen. Kann doch echt nicht so schwer sein. Auch wenn das ein paar versorgungsposten und Parteispenden kostet - ein Platz in der "Gechichte" ist euch sicher.
2. ja dann ...
Hilfskraft 20.11.2013
Zitat von sysopDPADie finanzielle Lage vieler deutscher Krankenhäuser verschlechtert sich drastisch. Jede zweite Klinik hat einer Studie zufolge im vergangenen Jahr Verluste gemacht. Branchenvertreter fordern dringend mehr Geld - obwohl die Ausgaben der Krankenkassen deutlich gestiegen sind. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/krankenhaus-barometer-jede-zweite-klinik-machte-2012-verlust-a-934568.html
... muß da irgendwo ein Loch sein, an das man sich nicht rantraut und wo das Geld versickert. Oder, sind es vielleicht zu viele Krankenhäuser? Vielleicht sollte man die schließen, über die die kath. Kirche ihre offene Hand hält?
3. Na und?
esopherah 20.11.2013
Macht nichts, jedes zweite Krankenhaus putzt auch nicht mehr, sondern macht "Sichtreinigung". Deshalb ist jedes zweite Krankenhaus auch verseucht. Können wir also bitte jedes zweite Krankenhaus zumachen und die Gesundheitsminister der letzten 20 Jahre für immer wegsperren?
4. Krankenhäuser für das Volk.
serisis 20.11.2013
Krankenhäuser sollten nicht, wie Wirtschaftsunternehmen nach den Kriterien der Wirtschaftlichkeit geführt werden. Es sollte hier um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung gehen und nicht Gewinne. Ich denke es sind genug, vergeudete, Steuermilionen übrig um ein Krankenhaus vom Druck der Wirtschaftlichkeit zu entziehen.
5.
marthaimschnee 20.11.2013
Unnötig zu erwähnen, daß es nicht die Krankenhäuser betrifft, in denen die Bonzen ihre Wehwehchen umsorgen lassen.
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