Bundesweite Auswertung 73 Krankenhäuser liefern "unzureichende Qualität"

Die Große Koalition hat eine bundesweite Erhebung zur Qualität in Krankenhäusern auf den Weg gebracht, mehr als 70 haben in einem Bereich schlecht abgeschnitten. Hier erfahren Sie, ob auch eine Klinik in Ihrer Nähe betroffen ist.

OP-Raum (Archiv)
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Von und (Grafiken)


Wie gut schneiden einzelne Krankenhausabteilungen in Deutschland bei der Qualität der Behandlung von Patienten ab? Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) - das federführende Gremium der Selbstverwaltung des deutschen Gesundheitswesens - hat erstmals die Ergebnisse einer umfassenden Auswertung von Krankenhausdaten von insgesamt 1085 erfassten Kliniken veröffentlicht.

Die Auswertung umfasst insgesamt elf sogenannte Qualitätsindikatoren in drei Bereichen: Geburtshilfe, Operationen bei Brustkrebs sowie gynäkologischen Eingriffen. Bei 73 Krankenhäusern hat der G-BA bei jeweils einem der elf Indikatoren schwerwiegende Mängel festgestellt - und "unzureichende Qualität" vermerkt.

Eine Übersicht über die betroffenen Krankenhäuser finden Sie in unserer interaktiven Karte. Die vollständigen Untersuchungsergebnisse hat der G-BA hier veröffentlicht.

Quelle: G-BA/IQTIG; Darstellung: SPIEGEL ONLINE

Hinweis zur Karte: Die eingezeichneten Punkte markieren Standorte von Krankenhäusern, bei denen G-BA und IQTIG "unzureichende Qualität" bei mindestens einem von elf Qualitätsindikatoren festgestellt haben. Jeweils drei dieser Indikatoren stammen aus den Bereichen Mammachirurgie und gynäkologischen Eingriffen, im Bereich Geburtshilfe sind es fünf. Zur Erklärung: Wird einem Krankenhaus bei einem der fünf Geburtshilfe-Indikatoren "unzureichende Qualität" vom G-BA attestiert, taucht sie als Punkt in der entsprechenden Karte auf. Sie können in die Karte hineinzoomen, um genauer zu erkennen, welches Haus in Ihrer Nähe betroffen ist. In Mannheim sind es beispielsweise gleich drei Krankenhäuser in Zentrumsnähe.


Die Auswertung basiert auf den Abrechnungsdaten der Krankenhäuser. Insgesamt 2,5 Millionen Datensätze wurden im Auftrag des G-BA durch das Berliner Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen - kurz IQTIG - durchleuchtet. Bei statistisch auffälligen Werten wurden in einem mehrmonatigen Prozess die zugrunde liegenden Daten auf mögliche Fehler geprüft, unter anderem durch stichprobenartige Einsicht von Patientenakten. In einem "strukturierter Dialog" genannten Prozess wurden die Stellungnahmen der betroffenen Krankenhäuser berücksichtigt.

Die Regierungskoalition aus Union und SPD hat 2014 per Gesetz die Grundlage für das IQTIG und die Qualitätsuntersuchungen gelegt. Die Idee ist, die Krankenhausplanung und -finanzierung in Zukunft stärker als bisher an der tatsächlichen Behandlungsqualität auszurichten. Das kann bedeuten, dass die Planungsbehörden der Bundesländer Klinikabteilungen mit festgestellter "unzureichender Qualität" schließen lassen - sofern die Mängel wiederholt auftreten. Möglich ist aber auch, dass die Behörden sich entscheiden, die Finanzierung im Gegenteil anzuheben - um einen bestimmten Bereich zu verbessern.

Um welche Qualitätsindikatoren handelt es sich?

Vereinfacht lässt sich sagen: Das IQTIG hat Mindeststandards und Behandlungsroutinen identifiziert, bei denen in der Wissenschaft unstrittig ist, dass sie gut sind für das Patientenwohl. Ein Beispiel: Im Bereich Geburtshilfe wurde untersucht, wie viel Zeit bei Geburtskomplikationen zwischen der Entscheidung für einen Notkaiserschnitt und der tatsächlichen Entbindung des Kindes vergeht. Eine "E-E-Zeit" von mehr als 20 Minuten kann mit schwerwiegenden Schädigungen des Kindes einhergehen und stellt daher ein hohes Risiko dar.

Neben den elf Qualitätsindikatoren, deren Ergebnisse nun öffentlich sind, hat das IQTIG 260 weitere Kennzahlen erhoben und untersucht. Bei 45 Indikatoren haben sich die Ergebnisse demnach signifikant verbessert im Vergleich zum Vorjahr, das entspricht einem Anteil von 17 Prozent. 13 Indikatoren haben sich hingegen verschlechtert (fünf Prozent).


Anmerkung der Redaktion: Im Falle des Dreifaltigkeits-Krankenhaus Wesseling ist die Einstufung mit "unzureichender Qualität" durch den G-BA strittig. Nach Ansicht der Klinik sei ein "Missverständnis" die Ursache. Auch ein Fehler bei der elektronischen Datenübertragung an das IQTIG sei möglich. Die Geschäftsstelle Qualitätssicherung in Nordrhein-Westfalen (QS-NRW) teilt die Einschätzung der Klinik. Das IQTIG-Institut hält hingegen an seiner Darstellung fest, insbesondere handele es sich nicht um einen Fehler bei der Bewertung. Der Sachverhalt liegt zur Klärung beim G-BA.

Ein Porträt des neuen Krankenhaus-TÜVs IQTIG finden Sie hier:

Dieses Institut indentifiziert Behandlungsmängel
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insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
naomileinili 12.11.2018
1. Tut mir leid...
aber als Mann kann ich damit jetzt so rein gar nichts anfangen. Gab es nur die 3 Bereiche, die 50% der Bevölkerung betreffen? Und außerdem: Wenn die eine Abteilung im Krankenhaus schlecht ist, muß es noch lange nicht die andere sein.
christoph_schlobies 12.11.2018
2.
Jeder insider kennt seit Jahrzehnten die verheerenden Zustände bpsw in der Hygiene - aber dafür war kein Geld-da muss man schon Verständnis haben. Jahr für Jahr krepieren tausende - Familien werden zerrissen-Kinder für ihr Leben verstümmelt - das ist nun mal der Preis dafür,dass wir so lange profitiert haben
glissando 12.11.2018
3. Ross und Reiter nennen
Nanu, eine schicke Karte mit Pünktchen, aber leider ohne Namen. Links zu Pressemitteilungen und einem Schwall an Dokumenten. Nur eines fehlt: Ein schneller Zugriff auf die Liste der durchgefallenen Kliniken. Da hätte ich mir vom Spiegel aber schon erhofft, dass er Ross und Reiter nennt. Wenn schon die Studie ihre Ergebnisse so wortgewaltig aber nicht eben vielsagend präsentiert.
erzengel1987 12.11.2018
4. es fehlen noch Punkte
Ein wichtiger Punkt wäre die Hygiene. Wie wird sichergestellt, dass sich keiner mit MRSA oder anderen ähnlichen Multiresistenten Keimen ansteckt. Wie isoliert man infizierte Patienten möglichst gut von anderen. Oftmals werden Hygieneschleusen sehr ... naja will nicht sagen schlecht gehandhabt... Ein anderer Punkt werden Patienten wirklich gut betreut? Wie sieht es mit Patienten aus die sich nicht mehr selbst äußern können wegen diverser Krankheiten/Behinderungen? Werden diese Patienten so betreut wie sie es brauchen. Umlagern, spezielle Pflege etc. Ebenfalls sollte der Durchschnitt ermittelt werden, in denen Behandlungsfehler auftreten, oder in denen Patienten Krank entlassen werden. Es sind leider keine Einzelfälle ehrenamtlich habe ich öfter mit fraglichen Fällen zu tun. Da fährt man sie heim sieht denen geht es schlecht. Redet mit den betroffenen die sagen es ist ok. Manchmal am selben Tag fährt man die wieder ins Krankenhaus zurück. In Gesprächen mit Altenpfelgern kam ebenfalls heraus das oftmals deren Bewohner abgewiesen werden, obwohl diese zum Teil berechtigterweise im Krankenhaus behandelt werden müssen. Da werden Brüche nicht erkannt oder schwere Infektionskrankheiten verharmlost... Oder Menschen kommen wegen einer einfachen OP ins Krankenhaus sind voll mobil und werden dann auf einmal Bettlägrig entlassen. Es sind wirklich keine Einzelfälle... aber das geht zumindest in die richtige Richtung. Im Saarland würde ich aber noch ein zwei Kliniken rot dazuschreiben^^.
Spiegelleserin57 12.11.2018
5. Vieles bleibt im Dunkeln....
die Schweigepflicht verbietet ja den Angestellten mal Stellung zu beziehen was wirklich in den Häusern geschieht. Man sollte auch mal die Gerichte fragen die Kliniken zu Schadensersatz oder Vergleiche verurteilt haben. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein. Leider gibt es bis heute kein QM für die Mediziner wo sie regelmäßig ihre Qualifikation nachweisen müssen wie bei Radiologieassistentinnen. Interessanterweise wird dies Berufszweig verlangt und auch regelmäßige Fortbildungen. Ich würde gerne mal wissen wie viele Ärzte sich regelmäßig fortbilden mit Anwesenheitsnachweis der von der Lehrgangsleitung gegengezeichnet wird. Da wäre ein Einsannen des persönlichen Codes vor Ort sicher eine große Hilfe.
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