Krankenhaus: Was Patienten bei privaten Zusatzpolicen beachten müssen

Von Karen Schmidt

Als Kassenpatient im Krankenhaus behandelt werden wie ein Privatversicherter? Das ist nur mit einer Zusatzpolice möglich. Allerdings sollten alle Angebote genau verglichen werden - denn die Tarife bieten keine All-inclusive-Pakete für die Klinik.

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Patientengespräch: Luxus ist für gesetzlich Krankenversicherte nicht vorgesehen

Hamburg - Nur sieben Millimeter ist sie groß. Rüdiger Lange schiebt die zusammengefaltete Herzklappe Stückchen für Stückchen die Leistenarterie der Patientin hoch. Jeder Fehler kann schlimme Folgen haben. Aber der Mann ist Profi.

Rüdiger Lange ist Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herzzentrum in München. 450 Operationen macht er pro Jahr. Für heute hat er sein Ziel erreicht - das schlagende Herz der Patientin. Dort dehnt er die Klappe aus, sie verankert sich von selbst. Druckmessungen und Röntgenaufnahmen im Operationssaal zeigen: Die Klappe sitzt fest und ist dicht. Drei Tage später ist die Patientin wieder auf den Beinen.

Herzklappen-OPs, Tumorentfernung, das Legen von Bypässen - gerade bei komplizierten und oft lebensbedrohlichen Operationen kommt es auf die Routine und das Können des Arztes an. Sich in dieser Situation die erfahrensten Hände und das fitteste Gehirn aussuchen zu können, ist Luxus. Und der ist in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht vorgesehen.

Kein Rundum-sorglos-Paket

Ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich soll die Patientenversorgung im Krankenhaus laut Gesetzgeber für Kassenpatienten sein. Deshalb kommen sie ins nächstgelegene Krankenhaus, das für ihre Behandlung ausgerüstet ist. Sie liegen in einem Mehrbettzimmer und werden von dem Arzt behandelt, der gerade Dienst hat. Wem das nicht passt, der muss sich über eine private Zusatzversicherung zum Privatpatienten machen. Dann gibt es mehr Mitspracherecht, was Arzt und Klinikwahl angeht. Zumindest in der Theorie.

Wie bei allen Versicherungsprodukten gilt auch bei diesem: unbedingt das Kleingedruckte lesen. Wer nicht nur nach dem Preis geht, sondern die Versicherungsbedingungen prüft und mit dem eigenen Bedarf abklärt, ist auf der sicheren Seite und erlebt keine bösen Überraschungen.

Denn ein Rundum-sorglos-Paket ist eine private Zusatzversicherung für den Klinikaufenthalt nicht. Ein Punkt, der die Arztwahl durchaus beschränken kann, ist das Maß, in dem die Versicherung Leistungen auf die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) begrenzt. Die GOÄ ordnet jeder Behandlung einen Wert zu.

Die Entfernung eines Kleinhirntumors kostet laut Einfachsatz rund 291 Euro. Ist die Operation knifflig, kann der Arzt diese Gebühr auf den Höchstsatz, also das 3,5fache, erhöhen. Macht 1012 Euro. Der Arzt kann sogar zusätzlich aufstocken, muss dann aber einen Extravertrag mit dem Patienten abschließen.

Einverständnis der Versicherung einholen

Manche Krankenversicherer begrenzen aber die Kosten auf den Höchstsatz der GOÄ und schränken damit den Spielraum für Behandlungen wieder ein. Andere Anbieter zeigen sich spendabler. Auf Nummer sicher gehen Patienten, die vor der Behandlung bei ihrer Versicherung nachfragen und sich eine schriftliche Bestätigung der Kostenübernahme schicken lassen.

Das ist auch ein guter Plan, wenn es um die Wahl des Krankenhauses geht. Behandlungen in bestimmten Kliniken übernehmen einige Versicherer gar nicht. Andere wollen vorher ihr schriftliches Einverständnis geben. Das ist bei sogenannten gemischten Anstalten der Fall. Bei ihnen geht es nicht nur um den Krankenhausbetrieb, hier können Patienten auch zur Kur bleiben. Im Notfall ist eine Versorgung hier kein Problem, bei planbaren Behandlungen sollten Versicherte vorher fragen. Denn auch die Versicherungsbedingungen machen hier oft keine klaren Aussagen.

Vorsicht ist auch bei Privatkliniken geboten. Haben sie keinen Versorgungsvertrag mit der Krankenkasse, können Patienten auf erheblichen Kosten sitzenbleiben. Der Grund: Die private Zusatzversicherung stockt Leistungen der gesetzlichen Kasse auf. Die Krankenkasse zahlt also die allgemeine Behandlung, die Zusatzversicherung die Extras wie den Chefarzt. Geht der Patient in eine Privatklinik, die keinen Versorgungsvertrag mit der gesetzlichen Krankenversicherung hat, zahlt die Zusatzversicherung zwar die Extras. Für die allgemeinen Kosten muss der Versicherte aber selbst aufkommen. Es sei denn, die Kasse erklärt sich bereit, die Behandlung zu bezuschussen.

Ist der Fall nicht ganz so ernst, führen immer mehr Ärzte Operationen ambulant durch. Eine längere Unterbringung im Krankenhaus ist dann nicht nötig. Gute Policen leisten deshalb auch bei ambulanten Eingriffen, damit ein Kassenpatient auch bei der Kreuzband-OP nicht auf den Meister seines Fachs verzichten muss.

Wahl oder Qual: Zusatztarife für den Krankenhausaufenthalt im Überblick
Die Tabelle zeigt eine Auswahl stationärer Zusatztarife bekannter Anbieter für die Unterbringung im Zweitbettzimmer. Geprüft wurden Kriterien, die die Behandlung durch einen Spezialisten oder im Wunschkrankenhaus gegebenenfalls einschränken könnten.
Anbieter Tarif Leistung über Höchstsätze GOÄ hinaus? Leistung bei gemischten Anstalten? Leistung für ambulante OPs? Kosten1)
CSS Clinic2 Ja Ja Ja 23,00 Euro2)
Debeka WK 100 Ja schriftliche Genehmigung erforderlich Nein 31,28 Euro
Arag 262 Ja schriftliche Genehmigung erforderlich Ja 31,73 Euro
DKV GZ 2 Ja schriftliche Genehmigung erforderlich Nein 35,95 Euro
Allianz 729E Ja schriftliche Genehmigung erforderlich Nein 38,49 Euro
Hallesche CSA/CSW2 Ja schriftliche Genehmigung erforderlich Nein 38,56 Euro
Württem- bergische SG Ja, nach vorheriger Zusage der Versicherung schriftliche Genehmigung erforderlich Ja, bei Vorleistung der GKV, ohne: 50 Prozent Erstattung 38,58 Euro
Continentale SGII Ja schriftliche Genehmigung erforderlich Ja 40,25 Euro
Barmenia VS 200 Ja schriftliche Genehmigung erforderlich Nein 46,27 Euro
R+V Klinik Premium K1 Ja schriftliche Genehmigung erforderlich Ja, bei Vorleistung der GKV, ohne: 90 Prozent Erstattung 49,95 Euro
Central SG2 Nein schriftliche Genehmigung erforderlich Nein 50,52 Euro
1) für einen 40-jährigen Mann pro Monat
2) Tarif ohne Altersrückstellungen berechnet. Beitrag steigt mit Lebensalter an.
GOÄ = Gebührenordnung für Ärzte,
GKV = gesetzliche Krankenversicherung
Sortierkriterium: Kosten Stand: 27. Mai 2011
Quelle: Das Investment/Gesellschaften

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1. :-)))
Juro vom Koselbruch 25.06.2011
Zitat von sysopAls Kassenpatient im Krankenhaus behandelt werden wie ein Privatversicherter? Das ist nur mit einer Zusatzpolice möglich. Allerdings sollten*alle Angebote genau verglichen werden - denn die Tarife bieten keine All-inclusive-Pakete für die Klinik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769936,00.html
Dazu passt dann natürlich der Text, so wie er im Artikel steht. :-))) Der ehemalige Verteidigungsminister Volker Rühe hat seinen Nachfolger Thomas de Maizière (beide CDU) wegen dessen Aussagen zum Libyen-Einsatz der Nato kritisiert. "Mich ärgert aber, wenn der Verteidigungsminister die Verbündeten wegen Mangels an Munition kritisiert", sagte er dem SPIEGEL. "Das wirkt antieuropäisch, denn unsere europäischen Partner agieren dort erstmals weitgehend allein, ohne die USA. Wenn es dann zu Engpässen kommt, ist es unsere Pflicht, den Partnern zu helfen." De Maizière hatte zuvor den Nato-Partnern wegen deren Problemen beim Libyen-Einsatz Kurzsichtigkeit attestiert. Rühe warf auch der Bundeskanzlerin Fehlverhalten in der Libyen-Frage vor. Die Enthaltung im Uno-Sicherheitsrat sei "historisch falsch" gewesen, so Rühe: "Ein Kanzler Kohl hätte seinem Außenminister bei der Abstimmung im Uno-Sicherheitsrat klar gesagt: Deutschland stimmt gemeinsam mit seinen Verbündeten."
2. ...da passt doch...
unifersahlscheni 25.06.2011
...was nicht. ;---)
3. ...
Eva B 25.06.2011
Zitat von sysopAls Kassenpatient im Krankenhaus behandelt werden wie ein Privatversicherter? Das ist nur mit einer Zusatzpolice möglich. Allerdings sollten*alle Angebote genau verglichen werden - denn die Tarife bieten keine All-inclusive-Pakete für die Klinik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769936,00.html
Was genau haben Rühe und de Maizière mit den Kassenpatienten und deren Zusatzpolicen zu tun? Die Spitzmarke ist auch schön: Krankenhaus. Aha. Und wer von den beiden auf dem Bild ist nochmal Rühe? Den hatte ich anders in Erinnerung. Klar, Fehler passieren. Hier aber inzwischen gehäuft.
4. ...
Eva B 25.06.2011
Zitat von Juro vom KoselbruchDazu passt dann natürlich der Text, so wie er im Artikel steht. :-))) Der ehemalige Verteidigungsminister Volker Rühe hat seinen Nachfolger Thomas de Maizière (beide CDU) wegen dessen Aussagen zum Libyen-Einsatz der Nato kritisiert. "Mich ärgert aber, wenn der Verteidigungsminister die Verbündeten wegen Mangels an Munition kritisiert", sagte er dem SPIEGEL. "Das wirkt antieuropäisch, denn unsere europäischen Partner agieren dort erstmals weitgehend allein, ohne die USA. Wenn es dann zu Engpässen kommt, ist es unsere Pflicht, den Partnern zu helfen." De Maizière hatte zuvor den Nato-Partnern wegen deren Problemen beim Libyen-Einsatz Kurzsichtigkeit attestiert. Rühe warf auch der Bundeskanzlerin Fehlverhalten in der Libyen-Frage vor. Die Enthaltung im Uno-Sicherheitsrat sei "historisch falsch" gewesen, so Rühe: "Ein Kanzler Kohl hätte seinem Außenminister bei der Abstimmung im Uno-Sicherheitsrat klar gesagt: Deutschland stimmt gemeinsam mit seinen Verbündeten."
Ah, jetzt hab ich's verstanden: das Bild ist ein Symbolbild - quasi statt Rühe und der Bundeskanzlerin.
5. Etwas...
bobby78 25.06.2011
...verwirrend :-) De Maziere im Arztkittel wäre aber sicher eine Alternative zum Bundeswehrgrün
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Das Investment
Heft 7/2011

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Die bisherigen Gesundheitsreformen
1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.