Gesetzliche Versicherung Krankenkassenbeiträge sollen 2018 gesenkt werden - um 0,1 Prozentpunkte

Gesetzlich Versicherte können für das kommende Jahr mit Beitragssenkungen rechnen. Ein Grund dafür: die gute Beschäftigungslage.

Gesundheitskarten
DPA

Gesundheitskarten


Rekordbeschäftigung und eine gute Konjunktur bescheren den Beitragszahlern im kommenden Jahr voraussichtlich eine Entlastung bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Der zuständige Schätzerkreis beschloss, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag von derzeit 1,1 Prozent auf 1,0 Prozent reduziert werden soll.

Allerdings trafen die Vertreter von Gesundheitsministerium, Bundesversicherungsamt und Krankenkassen dieses Mal kein einvernehmliches Votum. Die Krankenkassen erwarten höhere Ausgaben und wollen deswegen den Beitrag stabil halten.

Letztlich legt das Ministerium bis Anfang November den Zusatzbeitrag fest. Wenn es ihn wie erwartet senkt, reduziert sich auch der Gesamtbeitrag für Kassenmitglieder von im Schnitt 15,7 Prozent auf 15,6 Prozent von Bruttolohn. Einzelne Kassen können darunter oder darüber liegen.

Einvernehmlich geht der Schätzerkreis von Einnahmen des Gesundheitsfonds im laufenden Jahr von 216 und im kommenden Jahr von 222,2 Milliarden Euro aus. Der Fonds ist die Geldsammel- und -verteilstelle für die Krankenkassen. Bei den Ausgaben erwarten Ministerium und Versicherungsamt für dieses Jahr 226,4 und für das kommende Jahr 236,2 Milliarden Euro, die Krankenkassen dagegen 227,2 und 237,3 Milliarden Euro.

Gute Beschäftigungslage sorgt für stabile Beiträge

Der stabile Beitrag ist vor allem auf die anhaltend gute Beschäftigungslage zurückzuführen. Zudem hatte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) den Krankenkassen im Wahljahr 2017 zusätzliche 1,5 Milliarden Euro aus der Reserve des Gesundheitsfonds zukommen lassen.

Mitte 2017 waren die Finanzreserven der gesetzlichen Krankenkassen auf rund 17,5 Milliarden Euro gestiegen. Somit wurde im ersten Halbjahr fast schon der Überschuss des Gesamtjahrs 2016 von 1,62 Milliarden Euro erreicht. Im Gesundheitsfonds, über den die Gelder an die einzelnen Kassen verteilt werden, befanden sich Ende 2016 rund 9,1 Milliarden Euro. Diese Reserve dürfte aber inzwischen kleiner geworden sein.

Seit 2015 zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte einen festen Beitragssatz von 14,6 Prozent. Den Zusatzbeitrag von derzeit 1,1 Prozent zahlen die Arbeitnehmer allein.

asa/dpa



insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
voiceecho 12.10.2017
1. Wow!
0,1% ? Wäre heute der erste April hätte jeder an einem schlechten Scherz gedacht! Es ist mal wieder symptomatisch wie man in der Politik mit den Menschen umgeht und sich gleichzeitig darüber wundert, dass die Politikverdrossenheit permanent zunimmt! 0,1 % bei einem Einkommen von 3000,00 € Brutto im Monat würden 3,00 Brutto „Entlastung“ bedeuten! Man hätte den Beitrag wie es ist, lassen können. Ich glaube der bürokratische Aufwand ist bei weitem höher als diese Entlastung!
kezia_BT 12.10.2017
2. Lieber Qualität als billig!
Gerade in der Gesundheitsfürsorge würde ich lieber ein bißchen mehr zahlen und dann im Ernstfall auch eine wirklich gute Behandlung bekommen als in einem auf Effizienz getrimmten Krankenhaus noch kränker zu werden als zuvor.
aktiverbeobachter 13.10.2017
3. Scherz
Diese „Entlastung“ von 0,1 Prozent ist sicherlich ein Scherz. Anderst kann ich mir das gar nicht erklären. Ansonsten wäre das ja gar keine Meldung wert. Das würde den Bürger ja nur unnötig verwirren. Die Entlastung ist sicherlich 10 Prozent. Also daran glaube ich ganz fest. Das ist dann wenigstens mal eine echte Reform und monetäre Entlastung, sie auch beim Einzelnen ankommt. Man hätte natürlich auch z.B. einfach den Soli streichen können. Auch das wäre eine echte, für jeden gleiche, Entlastung gewesen. Aber so ist das natürlich noch viel besser. Super. Ich freue mich.
andrew.1337.mobile 13.10.2017
4. durchschnittlicher zusatzbeitrag
Zitat von voiceecho0,1% ? Wäre heute der erste April hätte jeder an einem schlechten Scherz gedacht! Es ist mal wieder symptomatisch wie man in der Politik mit den Menschen umgeht und sich gleichzeitig darüber wundert, dass die Politikverdrossenheit permanent zunimmt! 0,1 % bei einem Einkommen von 3000,00 € Brutto im Monat würden 3,00 Brutto „Entlastung“ bedeuten! Man hätte den Beitrag wie es ist, lassen können. Ich glaube der bürokratische Aufwand ist bei weitem höher als diese Entlastung!
der artikel ist hier leider äußerst missverständlich. es geht hier um den durchschnittlichen zusatzbeitrag nach §242a SGB V und nicht um den kassenindividuellen nach §242 SGB V. der personenkreis, welcher den durchschnittlichen zusatzbeitrag bezahlt, ist überschaubar. hierzu zählen z.b. empfänger von alg2 oder verletztengeld und diese zahlen ihre beiträge ja nichtmal selber. der normale, versicherungspflichtige arbeitnehmer und auch die freiwillig versicherten zahlen den kassenindividuellen zusatzbeitrag der sich aus der satzung der jeweiligen krankenkasse ergibt und dieser wird von den krankenkassen selbst angehoben oder gesenkt und nicht vom bundesministerium für gesundheit.
ubbo 13.10.2017
5. kann mir das einer erklären?
"Einvernehmlich geht der Schätzerkreis von Einnahmen des Gesundheitsfonds im laufenden Jahr von 216 und im kommenden Jahr von 222,2 Milliarden Euro aus. Der Fonds ist die Geldsammel- und -verteilstelle für die Krankenkassen. Bei den Ausgaben erwarten Ministerium und Versicherungsamt für dieses Jahr 226,4 und für das kommende Jahr 236,2 Milliarden Euro, die Krankenkassen dagegen 227,2 und 237,3 Milliarden Euro." Also allein dieses Jahr ca ein Minus von 10Mrd. Und deswegen will man die Beiträge um 0,1% senken? Wieviel ist das in der Lohntüte eines Arbeiters - 1€? Warum um alles in der Welt macht man sowas?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.