Üppige Reserve Krankenkassen machen Überschuss in Millionenhöhe

Die Krankenkassen häufen aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage immer höhere Finanzreserven an. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Kassen zum Abbau dieser Geldpolster verpflichten.

Ein Mediziner bei einer Ultraschall-Untersuchung
DPA

Ein Mediziner bei einer Ultraschall-Untersuchung


Die gesetzlichen Krankenkassen haben in den ersten drei Monaten 2018 einen Überschuss von rund 416 Millionen Euro erzielt, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Die nun ebenfalls vorliegenden endgültigen Jahresergebnisse für 2017 ergaben einen Überschuss von 3,5 Milliarden Euro. Damit sind die Finanzreserven der Krankenkassen deutlich gestiegen. Im Durchschnitt haben die Krankenkassen dadurch eine Reserve, die höher als eine gesamte Monatsausgabe ist. Damit entspricht sie dem Vierfachen der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verteidigte vor dem Hintergrund der Zahlen seine Gesetzespläne, vermögende Kassen zu zwingen, ihre Finanzreserven ab 2020 abzubauen, so dass diese eine Monatsausgabe nicht mehr überschreiten. "Die Krankenkassen häufen aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage immer weiter Finanzreserven an", sagte der CDU-Politiker. "Deshalb ist es richtig, dass Krankenkassen sobald wie möglich ihre übermäßig hohen Rücklagen abbauen müssen, um Arbeitnehmer und Rentner zu entlasten."

hej/Reuters



insgesamt 17 Beiträge
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Horch und Guck 21.06.2018
1. Kein Wunder!
Darf man doch als Versicherter heutzutage alles aus eigener Tasche zahlen. Für das wunderbare Gesundheitssystem hier bei uns. Mich bekommt nur noch ein Unfall, bei dem ich bewusstlos bin und mich nicht wehren kann, nochmal in ein deutsches Krankenhaus. Nachdem ich durch einen im Krankenhaus "eingebauten" Infekt praktisch 4 Jahre meines Lebens verloren habe, die Möglichkeit normal zu gehen, geschweige denn jemals wieder auch nur im Schrittempo laufen zu können. Und gefühlt hat jeder Dritte mittlerweile mit Infekten nach harmlosen Eingriffen zu kämpfe, in deutschen Krankenhäusern. Ich durfte das 5 Monate und 15 OP´s lang beobachten, aus nächster Nähe. Wie unterbezahlte Putzkräfte einen Lappen und 2 Minuten pro Zimmer haben, um dort sauberzumachen. Aber dafür hängen dann überall Desinfektiionsgeräte. Da wundert man sich dann auch nicht mehr wo all die Infekte herkommen, im OP wird es dann auch nicht viel besser aussehen! Das kommt davon wenn Krankenhäuser nicht mehr in erster Linie Kranken helfen sollen, sondern dabei ein paar gierige, reiche Leute noch ein wenig reicher zu machen. Und die Krankenkassen muss man heute förmlich anbetteln, für alles. Die genehmigen lieber weniger hilfreiche Therapien oder Medikamente(im Krebsbereich, z.B.) die kaum oder gar nicht helfen, aber irgendwie viel Geld in die Kassen von irgendwem, wohl Aktionären spülen. Aber irgendwann, hoffentlich in naher Zeit, wird den Gierhälsen ihr Verhalten schwer auf die grossen Füße fallen, auf denen sie oft zu Unrecht leben!
unzensierbar 21.06.2018
2. Wenn wundert es?
Wenn man immer mehr Einahmen kassiert, aber immer weniger zahlen will, passiert das halt.
cbraum 21.06.2018
3.
Wenn die Rücklagen hälftig an Arbeitgeber und Arbeitnehmer gehen sollen, ist das schon dreist. Da hätten die Arbeitnehmer den Zusatzbeitrag gleich an die Arbeitgeber überweisen können - ohne den Umweg über die Krankenversicherung.
Leser161 21.06.2018
4. Marktversagen
Ein Symptom das wir eben keine richtige Marktwirtschaft haben. In einer Marktwirtschaft kann man keine bequemen Überschüsse aufbauen sondern muss sie direkt für Preissenkungen oder bessere Leistungen einsetzen. Für mich ein Zeichen von Marktversagen, wie zum Beispiel im Zusammenhang von Monopolen. Es ist bekannt das derart bürokratisch organisierte Wirtschaftssysteme über kurz oder lang versagen. Siehe Sowjetunion, es gab keine Konkurrenz sondern Zuteilung durch Bürokratie, es setzte sich nicht der Beste durch sondern der mit den besten Connections zu den Regelmachern. Konkretes Symptom bei uns: Regeln die die Krankenkassen davor schützen teure aber extrem nützliche Hilfsmittel (Brillen) finanzieren zu müssen. Wenn wir es ernst meinen mit der vielbeschworenen Marktwirtschaft sollten wir schnell handeln.
vitalik 21.06.2018
5.
Verstehe ich nicht. Wie soll das funktionieren? Demnächst wird doch der Zusatzbeitrag abgeschafft. Damit sind die Beiträge der Krankenkassen identisch. Auf welcher Grundlage erfolgen dann die Entlastungen der Arbeitnehmer und in welcher Höhe. Kriegt dann jeder Mitglied einen gleichen (am Einkommen gewichteten) Betrag zurück? Wird die Dauer der Mitgliedschaft berücksichtigt? Alles interessante Fragen, aber leider keine Antworten.
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