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Krankenkassen: Versicherten drohen neue Zusatzbeiträge

Von Katrin Elger

Die gesetzliche Krankenversicherung schwimmt im Geld, aber nicht mehr lange. Die Unternehmensberatung McKinsey hat berechnet: Spätestens 2014 drohen den Kassen wieder Milliardendefizite - und den Versicherten hohe Zusatzbeiträge.

Teure Karte: Für die gesetzlich Versicherten dürften spätestens 2014 die Kosten steigen Zur Großansicht
DPA

Teure Karte: Für die gesetzlich Versicherten dürften spätestens 2014 die Kosten steigen

Hamburg - Satte 8,6 Milliarden Euro: So dick wie derzeit war die Finanzreserve der gesetzlichen Krankenversicherung seit Jahren nicht. Doch der üppige Überschuss im sogenannten Gesundheitsfonds dürfte bereits im kommenden Jahr um die Hälfte schrumpfen - und sich 2014 in ein Defizit von mehr als neun Milliarden Euro verkehren, sofern die gesetzlich vorgeschriebene Liquiditätsreserve nicht angetastet wird. Das ergeben Berechnungen der Unternehmensberatung McKinsey, die SPIEGEL ONLINE exklusiv vorliegen.

Für die Versicherten würde das durchschnittliche Zusatzbeiträge in Höhe von 15,50 Euro im Monat bedeuten. "Und das bei konservativen Annahmen", sagt Jürgen Wettke, Direktor im Düsseldorfer McKinsey-Büro.

Der Hauptgrund für das drohende Finanzdesaster ist denkbar schlicht: Die Ausgaben bei den Kassen steigen viel stärker als die Einnahmen. Nach den McKinsey-Berechnungen werden die Ausgaben der Krankenkassen für Arzthonorare, Medikamente oder Krankenhausrechnungen jährlich im Schnitt um 3,9 Prozent zulegen, die Beitragseinnahmen hingegen nur um 1,4 Prozent. Ihren Berechnungen haben die Berater die Eckdaten des Schätzerkreises der gesetzlichen Krankenversicherung zugrunde gelegt. "Dass dabei langfristig keine Überschüsse erzielt werden können, müsste eigentlich jedem einleuchten", sagt Wettke. Zudem seien bei den Berechnungen "außergewöhnliche Ausgabensteigerungen", die etwa durch das neue Ärztegesetz von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hinzukommen, noch nicht einmal einkalkuliert worden.

Der Ausblick der McKinsey-Berater widerspricht anderen Prognosen, wonach die gesetzliche Krankenversicherung auch 2012 und 2013 hohe Überschüsse erzielen sollen. So rechnet etwa das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel mit einem Plus von 5,7 Milliarden Euro in 2012. Im darauffolgenden Jahr werden laut IfW noch weitere 1,8 Milliarden Euro hinzukommen. McKinsey hingegen geht davon aus, dass der Gesundheitsfonds 2012 nur noch ein Einnahmeplus von 0,2 Milliarden Euro verbuchen wird. 2013 steht dann ein Minus von 4,5 Milliarden Euro unter dem Strich, wodurch sich die derzeitige Reserve von acht Milliarden etwa halbieren würde. 2014 folgt dann ein Verlust von von 9,6 Milliarden Euro. Damit wäre das derzeitige Finanzpolster nicht nur aufgezehrt, sondern hätte sich innerhalb von zwei Jahren in ein Milliardendefizit verwandelt.

Der wichtigste Unterschied zwischen der IfW-Variante und der McKinsey-Berechnung: Die Unternehmensberater legten pessimistischere Annahmen über die Konjunkturentwicklung zugrunde als die Wissenschaftler.

Während den Kassen also bereits ein neues Milliardendefizit droht, ist in der Politik eine hitzige Debatte darüber entbrannt, was mit dem derzeitigen Finanzpolster der Krankenkassen passieren soll. Während Wirtschaftsvertreter eine Senkung der Beitragssätze fordern, lehnt Gesundheitsminister Bahr das strikt ab. Auch auf die Forderung der Union, den Steuerzuschuss für den Gesundheitsfonds zu senken, will Bahr nicht eingehen.

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insgesamt 78 Beiträge
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1. Spökenkiekerei ist doch das!
paretooptimal 21.02.2012
Wer hat die Unternehmensberatung McKinsey für diese Berechnung bezahlt?
2. Wieso kann man ...
ramuz 21.02.2012
Zitat von sysopDPADie gesetzliche Krankenversicherung schwimmt im Geld, aber nicht mehr lange. Die Unternehmensberatung McKinsey hat berechnet: Spätestens 2014 drohen den Kassen wieder Milliardendefizite - und den Versicherten hohe Zusatzbeiträge. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816144,00.html
.. "Unternehmensberatung", "McKinsey" und "berechnen" in einen Satz packen? Ach.. weil Fasching ist? Ja dann... des Würfels Fall + des Kaffees Satz als Rechenmethode...
3. Das stimmt so nicht.
Patanjali 21.02.2012
Zitat von sysopDPADie gesetzliche Krankenversicherung schwimmt im Geld, aber nicht mehr lange. Die Unternehmensberatung McKinsey hat berechnet: Spätestens 2014 drohen den Kassen wieder Milliardendefizite - und den Versicherten hohe Zusatzbeiträge. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816144,00.html
Z.B. die TK garantiert 2013 und 2014 keine Zusatzbeiträge zu erheben.
4. Haben wir es nicht alle geahnt?
sappelkopp 21.02.2012
Zitat von sysopDPADie gesetzliche Krankenversicherung schwimmt im Geld, aber nicht mehr lange. Die Unternehmensberatung McKinsey hat berechnet: Spätestens 2014 drohen den Kassen wieder Milliardendefizite - und den Versicherten hohe Zusatzbeiträge. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816144,00.html
In der vergangenen Woche noch wurde von 20 Milliarden zuviel bei den GKV gesprochen. Nun sollen die plötzlich wieder fehlen. Wer hat denn das neue Gutachten in Auftrag gegeben? Vielleicht jene, die die 20 Milliarden gern behalten würden? Es stinkt zum Himmel, wie Bürger immer wieder verar...t werden und jeder sein eigenen Süppchen kocht. Am Ende werden doch wieder die Kleinen gemolken, wie immer! Wenn es die Politik endlich hinbekommen würde, dass alle Gehaltsempfänger - auch jene über der Beitragsbemessungsgrenze - in der GKV sein müssen, und sich nicht gerade die Leistungsfähigen aus der Solidargemeinschaft ausklinken dürften, dann hätten wir auch genug Geld. Was nutzt mir eine Solidargemeinschaft, in der sich bezieher hoher Einkommen günstig privat versichern dürfen? Bei der Gelegenheit kann sie auch gleich dafür sorgen, das Vorsorgeleistungen von der Kasse bezahlt werden, wer die nicht in Anspruch nimmt, darf dann gern im Falle einer Krankheit mehr selbst zahlen. Jetzt ist anders: Vorsorgeleistungen zahle ich selbst und spare meiner Kasse damit Geld ein - weil Krankheiten bei mir früher entdeckt werden und günstiger zu behandeln sind. Ich könnte mich da richtig in Rage schreiben: Medikamente ist der nächste Punkt. Milliardengewinne der Pharmariesen und wir können unser Gesundheitssystem nicht mehr bezahlen. Aber ich mache mir da keine Hoffnung, das sind goldene Kühe, die von der Lobby mit Sicherheit mit Zähnen und Klauen - und auch mit der einen oder andern "Spende" verteidigt werden, wie 150.000 Euro der FERRING Arzneimittel GmbH aus Kiel ( Deutscher Bundestag: Parteienfinanzierung (http://www.bundestag.de/bundestag/parteienfinanzierung) ) im Jahre 2009.
5. -
Moshpit 21.02.2012
Zitat von ramuz.. "Unternehmensberatung", "McKinsey" und "berechnen" in einen Satz packen? Ach.. weil Fasching ist? Ja dann... des Würfels Fall + des Kaffees Satz als Rechenmethode...
Stimmt. Man könnte genauso gut einen Astrologen damit beauftragen. Wieso bloß kommt auch mir als erstes die Frage in den Sinn, welche Lobby-Organisation für dieses Gutachten bezahlt hat?
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Gesundheitssystem: Wofür die Kassen Geld ausgeben

Der Gesundheitsfonds
In den Gesundheitsfonds fließen alle Beiträge der 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten. Für die rund 150 gesetzlichen Kassen setzt die Bundesregierung seit 2009 einen einheitlichen Beitragssatz fest. Zum 1. Januar 2011 wurde er von 14,9 Prozent auf 15,5 Prozent des Bruttolohns erhöht. Die Arbeitnehmer zahlen davon 8,2 Prozent. Der Anteil der Arbeitgeber wurde unabhängig von künftigen Beitragserhöhungen auf 7,3 Prozent eingefroren.

Aus den Einnahmen des Fonds wird den Kassen das Geld dann zugewiesen. Das Volumen ist für ein Jahr im Voraus fixiert. 2011 bekommen sie 178,9 Milliarden Euro. Für jeden Versicherten erhalten die Kassen je nach Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand Zu- und Abschläge. Krankenkassen mit älteren und kranken Versicherten erhalten mehr Geld als Kassen mit einer Vielzahl an jungen und gesunden Versicherten.

Erzielen die Kassen einen Überschuss, können sie eine Prämie an ihre Versicherten ausschütten. Die Entscheidung über deren Höhe und den Zeitpunkt der Ausschüttung, monatlich oder jährlich, bleibt der Kasse überlassen.

Kassen, die mit den zugeteilten Mitteln nicht auskommen, dürfen einen Zusatzbeitrag verlangen. Er wird vom Versicherten als feste Summe gezahlt. Theoretisch können die Kassen die Zusatzbeiträge in beliebiger Höhe festsetzen. Mitglieder haben aber ein Sonderkündigungsrecht, wenn Zusatzbeiträge erhoben oder erhöht werden, und können zu einer günstigeren Kasse wechseln.

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