Zum Jahreswechsel Zwei von drei Krankenkassen haben Beiträge erhöht

Die Spanne reicht nun von 14,6 bis 16,3 Prozent des Bruttoeinkommens: Zwei Drittel der Krankenkassen sind zum neuen Jahr teurer geworden - nur noch eine Kasse erhebt gar keinen Zusatzbeitrag.

Untersuchung beim Hausarzt: Zwei von drei Krankenkassen werden teurer
DPA

Untersuchung beim Hausarzt: Zwei von drei Krankenkassen werden teurer


Diese Quote zeichnete sich ab: Zwei Drittel der allgemein zugänglichen gesetzlichen Krankenkassen haben zum Jahreswechsel ihren Beitrag angehoben. Das ergibt eine Auswertung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" auf Grundlage der vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen veröffentlichten Beitragsliste. Demnach werden 59 von 88 bundes- oder landesweit geöffneten Kassen teurer.

Die niedrigsten Beiträge unter diesen Kassen fordert die Metzinger BKK mit 14,6 Prozent. Es ist auch die einzige frei zugängliche Kasse, die von ihren Mitgliedern keinen Zusatzbeitrag erhebt. Am anderen Ende der Spanne liegt die BKK Viactiv mit 16,3 Prozent.

Die Beiträge werden von Arbeitnehmern und Arbeitgebern bezahlt. Der Beitragssatz der Arbeitgeber zur Krankenversicherung ist auf 7,3 Prozent gedeckelt, der Beitragssatz für Arbeitnehmer liegt bei mindestens 7,3 Prozent, zusätzlich können Krankenkassen von ihnen einen Zusatzbeitrag erheben. Jede Krankenkasse kann den Zusatzbeitrag regelmäßig neu bestimmen.

Im Schnitt sind die Zusatzbeiträge zur Krankenkasse zum Jahreswechsel um 0,2 Prozentpunkte gestiegen. Damit ergibt sich ein durchschnittlicher Kassenbeitrag von 15,7 Prozent. Ein Durchschnittsverdiener mit 3000 Euro Bruttogehalt zahlt nun monatlich sechs Euro mehr.

20 Kassen liegen noch über der Durchschnittsmarke von 15,7 Prozent. Unter den großen steigt der Beitrag am stärksten bei der DAK-Gesundheit: auf 16,1 Prozent. Durch einen Wechsel zu einer günstigeren Kasse können Mitglieder spürbar Geld sparen. Die Vorsitzende des Kassenverbands, Doris Pfeiffer, verweist allerdings darauf, dass auch die Qualität der Beratung sowie Art und Umfang der Zusatzleistungen Faktoren für die Kassenwahl sind und warnt davor, allein wegen der Höhe des Beitrags zu wechseln.

Als Grund für die steigenden Beiträge gelten höhere Ausgaben für Arzneimittel, Ärzte und Kliniken sowie hohe Kosten durch Reformen im Gesundheitswesen.

Die Tabelle zeigt, wie sich bei den 15 größten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland die Zusatzbeiträge im kommenden Jahr verändern.

Krankenkasse Anstieg Zusatzbeitrag 2016 in Prozentpunkten Gesamtbeitragssatz 2016 in Prozent geöffnet in
Techniker Krankenkasse 0,2 15,6 bundesweit
Barmer GEK 0,2 15,7 bundesweit
DAK Gesundheit 0,6 16,1 bundesweit
AOK Bayern 0,2 15,7 Bayern
AOK Baden-Württemberg 0,1 15,6 Baden-Württemberg
IKK Classic 0,6 16,0 bundesweit
AOK Rheinland/Hamburg 0,5 16 Hamburg, Landesteil Rheinland in Nordrhein-Westfalen
AOK Plus keine Erhöhung 14,9 Sachsen, Thüringen
AOK Nordwest 0,2 15,7 Landesteile Westfalen und Lippe in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein
AOK Niedersachsen keine Erhöhung 15,4 Niedersachsen
Kaufmännische Krankenkasse KKH 0,3 15,8 bundesweit
AOK Nordost keine Erhöhung 15,5 Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern
Knappschaft 0,5 15,9 bundesweit
AOK Hessen 0,2 15,7 Hessen
AOK Rheinland-Pfalz/Saarland 0,2 15,7 Rheinland-Pfalz, Saarland
Versicherte müssen die Steigerungen nicht einfach hinnehmen

Betroffene Kunden können ihr Sonderkündigungsrecht nutzen. Je nachdem, wie schnell die Kündigung bei der Versicherung eingeht, können Kunden dann frühestens zwei Monate später zu einer anderen Kasse wechseln.

Auf welche Aspekte Versicherte außer der Beitragshöhe achten sollten und wie ein Wechsel genau funktioniert, ist hier ausführlich nachzulesen. Zudem hat das gemeinnützige Online-Verbrauchermagazin "Finanztip" einen Leitfaden erarbeitet, wie Verbraucher bei der Suche nach einer gesetzlichen Krankenkasse vorgehen können.

Auch die nach eigenen Angaben unabhängige Service-Website krankenkassen.de bietet Informationen zum Wechsel an und listet alle Krankenkassen nach der Höhe ihres Zusatzbeitrags auf.

fdi/mmq/dpa

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insgesamt 170 Beiträge
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janne2109 02.01.2016
1. und nu?
Deutschland hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt und das kostet eben Geld. Es liegt sicher nicht nur daran, dass Ärzte mehr Geld verdienen möchten sondern daran wie wir uns als Patienten verhalten. Ich als Raucher darf gar nicht mosern, tue ich auch nicht. Wer Geld für neue Handy hat sollte erst recht Geld haben für seine Gesundheit ( und gute Lebensmittel!)
spitzaufknoof 02.01.2016
2. Meine
Private hat mal eben um 16 (!) Prozent erhöht. Da scheint es gerade zu aberwitzig permanent über die Minibeitragserhöhungen der GKV zu lamentieren. Ich als zwangsprivat Versicherter zahle mal eben 25 Euro mehr im Monat. Mein Nachbar als ganz gut verdienender Bank kommt auf knapp 6 Euro in der gesetzlichen . Also worüber redet die Republik hier ? Über meistens 2 oder 3 Euro für die gesamte Familie Mehrkosten. Hätte ich auch gern.
snoook 02.01.2016
3. Es ist zwar immer noch kein Ende abzusehen...
...bei der Beitragssteigerung. Und man bekommt von seiner Krankenkasse seltsame Schreiben, die nicht mal das Wort "Erhöhung" enthalten (so hinterlistig kann die deutsche Sprache sein) - aber immer noch besser als ein flächendeckendes PKV-System mit all dem Wildwuchs, der da herrschen würde. Zzgl. Menschen, die daran pleite gehen und Pharmafirmen/Ärzten, die sich eine goldene Nase verdienen!
großwolke 02.01.2016
4.
Die Vergreisung der Gesellschaft mit all ihren Konsequenzen und das kreative Profitstreben der Pharmabranche sind selbst Laien inzwischen hinlänglich bekannt. Nur kann eine immer weitere Erhöhung der Kosten für die Gesellschaft nicht die endgültige Lösung dafür sein. Wir müssen bei den Krankenkassen dringend an die Leistungen ran. Und damit meine ich nicht sowas wie den idiotischerweise nicht mehr erstatteten Zahnersatz, der eine völlig kalkulierbare und damit gut versicherbare Leistung darstellt. Wichtiger wäre es, bei Medikamenten für terminale Krankheiten nicht mehr jede Melkrunde der Pharmakonzerne mitzumachen. Zusätzlich müsste das Verhältnis zum Sterben alter und terminal kranker Menschen wieder normalisiert werden. Leider ging da der Gesetzgeber erst kürzlich wieder genau entgegengesetzt der Richtung, die in Meinungsumfragen deutlich herauskam. Abseits davon gäbe es noch den in anderen Ländern erfolgreich praktizierten Ansatz, über finanzielle Reize die Umsonst-Mentalität bei den Arztbesuchen in den Griff zu kriegen. Leider wurde die diesbezüglich hilfreiche Praxisgebühr, statt sie sinnvoll auszubauen (10 € für JEDEN Arztbesuch zum Beispiel) wieder abgeschafft, nachdem der Gewöhnungseffekt eingetreten war. Und für alle die, die hier jetzt wieder getroffen losquietschen wollen: Unser gesellschaftlicher Wohlstand ist messbar seit Jahren rückgängig, gleichzeitig wachsen die Bedarfe in unserem Gesundheitssystem durch das steigende Durchschnittsalter weiter an. Es ist daher nur logisch, dass wir jetzt und in Zukunft nicht mehr so weitermachen können wie bisher, also fast alles was geht zum Nulltarif für jeden. Wir müssen uns, und zwar möglichst schnell, darauf einstellen, dass eben nur noch eine vernünftige Versorgung für möglichst Viele geleistet werden kann. Das ist ein Rückschritt, ja. Aber einer, um den wir nicht drumrumkommen werden, wenn uns unser Gesundheitssystem nicht demnächst mit lautem Krach um die Ohren fliegen soll.
leo19 02.01.2016
5. Wir haben gar kein Gesundheitssystem:
Ausser den Versicherern verdienen alle nur dann, wenn wir krank sind! Deshalb werden die Grenzen zur Krankheit immer weiter verschoben. Beispiel Bluthochdruck! Früher begann er oberhalb 160 mm Hg. Dann 140! Und neuerdings schon oberhalb 120!! Kein Wuder, dass kaum noch jemand als gesund durchgeht. Beratung zum Gesundleben wird extra schlecht honoriert. Bringt ja auch kein Geld!
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