Krankschreibung: Ärzte stellen häufiger Depressionen und Burnout fest

Ärzte schreiben Arbeitnehmer häufiger wegen Burnout oder Depressionen krank. Laut einer Krankenkassen-Untersuchung wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 14,3 Prozent der Krankschreibungen mit einer der beiden Diagnosen begründet.

Frust im Büro (Symbolbild): Diagnose Burnout häuft sich Zur Großansicht
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Frust im Büro (Symbolbild): Diagnose Burnout häuft sich

Hannover - Die Dunkelziffer bei diesen Erkrankungen ist sehr hoch, doch die Diagnosen Depressionen oder Burnout häufen sich. Laut einer Auswertung der Krankenkasse KKH-Allianz fehlen Arbeitnehmer in Deutschland häufiger aufgrund psychischer Erkrankungen und wegen Verhaltensstörungen.

Demnach stieg der Anteil von Krankheiten wie Depressionen oder Burnout bei Krankschreibungen von 13 Prozent im Jahr 2009 auf 14,3 Prozent im ersten Halbjahr 2011.

Deutliche Unterschiede bei den Fehlzeiten gab es zwischen den Bundesländern, teilte die KKH-Allianz mit. Den höchsten Krankenstand verzeichnete im ersten Halbjahr 2011 mit durchschnittlich zehn Tagen Berlin. In Bayern fehlten die Beschäftigten hingegen an nur 6,6 Tagen im Beruf. Bundesweit blieben Arbeitnehmer zwischen Januar und Ende Juni durchschnittlich an 8,1 Tagen wegen Krankschreibungen zu Hause.

Politiker und Manager klagen über Schlafmangel

Experten zufolge trifft die Diagnose Burnout vor allem ehrgeizige Leistungsträger. Dass für solche Menschen Stress ein großes Thema ist, zeigt eine Umfrage des Wirtschaftsmagazins "Capital". Demnach schlafen Manager und Politiker zu wenig. Die meisten Top-Entscheider kommen im Schnitt nur auf sechs Stunden und zehn Minuten Schlaf pro Nacht, ergab eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Es befragte 519 Spitzenpolitiker, Unternehmenschefs und Behördenleiter.

Der Dauerstress hat auch im Beruf Folgen: 57 Prozent der Befragten haben schon einmal erlebt, dass Verhandlungen von der Müdigkeit einzelner Teilnehmer beeinflusst wurden - etwa durch plötzliche Zugeständnisse.

Besonders akut ist der Schlafmangel demnach bei Spitzenpolitikern: 31 Prozent von ihnen schlafen pro Nacht nur fünf Stunden oder weniger. In der Wirtschaft sind es 18 Prozent. Die Mehrheit der Befragten klagte laut Befragung, sie sei häufig unausgeschlafen.

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Volkskrankheit Burnout: Wie Erschöpfung die Volkswirtschaft schwächt

mmq/dapd

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Forum - Macht uns die moderne Welt krank?
insgesamt 616 Beiträge
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1.
Priest 22.01.2011
Zitat von sysopBeruflicher Stress, unendlicher Informationsfluss, intensive Kommunikation als soziales Muss: Die moderne Welt hat uns mit ihren Pflichten fest im Griff. Wer sich selbst nicht fest im Griff hat, läuft Gefahr, auszubrennen. Macht uns das moderne Leben auf Dauer krank?
Ja. Die Welt hat sich in den vergangenen 150 Jahren massiv verändert, von einer fast vorindustriellen Gesellschaft in der persönliche und familiäre Kontakte eine viel engere Verflechtung hatten zu einer teilweisen entfremdten, anonymen Informationsgesellschaft. Auch wenn sich viele anpassen können und damit leben, bleiben viele auf der Strecke. Vielleicht kann man dies als eine Art Evolution ansehen, während früher Individuen überlebten die bestimmte körperliche Merkmale und Stärke aufwiesen, "überleben" heute die die bestimmte psychische Merkmale aufweisen!?
2.
Thomas Müntzer 22.01.2011
Zitat von sysopBeruflicher Stress, unendlicher Informationsfluss, intensive Kommunikation als soziales Muss: Die moderne Welt hat uns mit ihren Pflichten fest im Griff. Wer sich selbst nicht fest im Griff hat, läuft Gefahr, auszubrennen. Macht uns das moderne Leben auf Dauer krank?
Erich Fromm sagt das auch. http://www.youtube.com/watch?v=AAbKIvpALmg http://www.youtube.com/watch?v=Dt09hfllNc8&feature=related
3. Produkt
Zorngewitter 22.01.2011
Die Frage möchte ich mit "Ja!" beantworten. Wie schon erwähnt jedoch, wer sich sehr gut in Griff hat und ich sag mal so, keine zusätzliche Belastung aus dem privatem Leben, läuft nicht so die Gefahr. Ich spüre das an meinen eigenen Leib, Werbung, Konsum, mich als Kunde werben, Handys, Menschenmassen die nach mehr lechzen kombiniert mit einer gesunden Portion Beziehungsstress mit Unistress und Geldnöten lassen mein Hirn langsam kollabieren und ich hab das GEfühl das nicht zu packen und bin einfach nurnoch müde, träge und motivationslos. vs. Ein Arbeitskollege bei meinem Studentenjob, quasi ein Chef, verdient lächerliche 38€/Stunde netto. Hat Frau, Kinder, Haus, Auto.. Durch Gespräche weiß ich, dass er das Studium nie arbeiten musste. !!!Der Kerl sieht glücklich und entspannt aus!!! Ich komm für mich zu dem Schluss: Das moderne Leben macht einen krank, wenn man zusätzlich privat in der eigenen kleinen Welt auch nicht ganz zurecht kommt.
4. der moderne Mensch: ungluecklich gesund
tzscheche 22.01.2011
Zitat von sysopBeruflicher Stress, unendlicher Informationsfluss, intensive Kommunikation als soziales Muss: Die moderne Welt hat uns mit ihren Pflichten fest im Griff. Wer sich selbst nicht fest im Griff hat, läuft Gefahr, auszubrennen. Macht uns das moderne Leben auf Dauer krank?
Die Antwort hierauf muss ambivalent ausfallen. Natuerlich macht uns der Fortschritt in Medizin und Pharmazie zunaechst gesunder. Die Lebenserwartung der Menschen weltweit ist seit Beginn der Moderne kontinuierlich angestiegen und wird auch in Zukunft weiter steigen. Die Menschen in den fruehindustralisierten Laendern die heute geboren werden, haben bereits eine [projizierte, d.h. zukuenftigen Fortschritt einbeziehende] mittlere Lebenserwartung von 100 Jahren; Wenn man den Begriff "krank machen" jedoch weiter fasst, muss man konstatieren, dass die Moderne den Menschen auch ungluecklicher gemacht hat: Die Entfremdung von empirischem Wissen und Weltverstaendnis, die Schwaechung tradierter Hierarchien und festgefuegter Familien- und Gesellschaftstrukturen, der Verlust der sinnstiftenden Heilskraft von Religion durch eine allzu radikale Saekularisierung, der Niedergang jeglicher symolischer Ordnung durch die zersetzenden Kraefte moderner Philosophie und Psychologie... All das hat auch neue Zivilisationskrankheiten entstehen lassen: Depression, Burnout, Borderline, Anorexie, Bulimie und nicht zuletzt die immer frueher einsetzenden Suchterkrankungen sind in ihrer signifikanten Zunahme in den letzten Jahrzehnten zumindest ein Indiz dafuer, dass uns die moderne Welt fuer den medizinisch-pharmazeutisch-technologischen Fortschritt, den sie permanent generiert, an anderer Stelle einen entsprechenden Lebens-Mehrwert wieder wegnimmt. tzscheche
5. Perspektive
pcpero 22.01.2011
"Uns": wer ist gemeint? Das Subjekt? Oder die Menschheit? Das Objekt "Moderne Welt" ist zu komplex in der Analogie. Jeder weiß zwar, was gemeint ist, und greift auch intuitiv das für ihn passendste Modell heraus- aber so lässt sich die Frage nicht zureichend objektiv beantworten. http://socio.ch/sim/on_simmel/t_girschik.htm Es läuft darauf hinaus, ob die Menschheit im Zuge der evolutionären Adaptation fähig ist, sich den von ihr selbst eingeleiteten Veränderungen anzupassen und den darauf basierenden crossover Wirkmechanismen. http://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_zureichenden_Grund Das Individuum kann schon biochronologisch nicht adäquat re-agieren. Als Beispiel sei hier die Zunahme von psycho- und somatischen Erkrankungen angeführt, und als Beweis die krasse Zunahme von Suiziden nach dem Mauerfall bei denjenigen, die von Ost nach West migrierten.
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Psychologie: Prominente und ihre Ängste

Zahlen und Fakten
Die neue Zivilisationskrankheit
Erschöpfungssyndrom, Anpassungsstörung, Depression, Belastungsstörung, Burnout. Die Volksleiden der modernen Gesellschaft haben viele Namen. Die WHO hat beruflichen Stress zu "einer der größten Gefahren des 21. Jahrhunderts" erklärt. Bis 2030 könnte die Depression die wichtigste Ursache von Krankheitsbelastungen sein - in reichen Ländern ist sie es bereits.
Erschöpfung - ein Massenphänomen
Eine repräsentative Studie von Techniker-Krankenkasse (TK), FAZ-Institut und Forsa macht deutlich, welche Ausmaße das Problem inzwischen in Deutschland angenommen hat: Acht von zehn Deutschen empfinden demnach ihr Leben als stressig. Jeder Dritte steht unter Dauerstrom, jeder Fünfte bekommt die Folgen gesundheitlich zu spüren - von Schlafstörungen bis hin zum Herzinfarkt. Stress bestimmt den Alltag in Deutschland immer stärker.

Alarmierend ist der TK zufolge die hohe Zahl von Burnout-Patienten. 2008 sind demnach "ausgebrannte" Berufstätige fast zehn Millionen Tage krankgeschrieben worden. Damit fehlten rund 40.000 Menschen das ganze Jahr über am Arbeitsplatz. Dies entspricht einer Zunahme von 17 Prozent verglichen mit 2003.
Job ist Stressfaktor Nummer eins
Stressfaktor Nummer eins ist der Job. Das haben die 1014 befragten Personen zwischen 14 und 65 Jahren zu Protokoll gaben. Jeder Dritte arbeitet am Limit, getrieben von Hektik, Termindruck und einem zu hohen Arbeitspensum. Ein Drittel der Beschäftigten leidet darunter, rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen und von Informationen überflutet zu werden.

Berufstätige Eltern geraten der Studie zufolge besonders häufig an ihre Belastungsgrenze. Ihre größte Sorge sei, dass die Familie zu kurz kommt. Doch auch 90 Prozent der Schüler klagen über Stress. Jeder Dritte steht nach eigener Aussage permanent unter Leistungs- und Prüfungsdruck.
Kosten für das Gesundheitssystem
Auch für das Gesundheitssystem ist die Dauerbelastung der Menschen ein ernstzunehmender Kostenfaktor. Mit knapp 27 Milliarden Euro im Jahr stehen die Ausgaben für die Behandlung stressbedingter psychischer Erkrankungen an dritter Stelle der Kostentabelle. Hinzu kommen massive Aufwendungen für Herz-Kreislauf-Krankheiten, unter denen Dauergestresste mehr als doppelt so häufig leiden wie ihre weniger unter Druck stehenden Zeitgenossen.
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Prominente Burnout-Fälle: Wenn Erfolg müde macht

Wie sich Burnout vermeiden lässt
So können Unternehmen vorbeugen
Berufseinsteiger und neue Mitarbeiter sorgfältig einarbeiten, damit nicht das Gefühl von Überforderung aufkommt.

Falsche Arbeitsbelastung vermeiden, indem Beschäftigte in die Arbeitsplanung miteinbezogen werden. Sie sollen weder überfordert noch unterfordert sein.

Zu viele Überstunden vermeiden. Nach zehn Stunden Arbeit ist ein Mensch kaum noch produktiv.

Führungskräfte sorgfältig auf ihre Aufgaben vorbereiten. Sie sollen Ziele bestimmen, diese klar formulieren und auf die Einhaltung im Team achten. Zugleich soll aber nicht das Gefühl extremer Kontrolle entstehen.

Mitarbeitern für gute Arbeit Lob und Anerkennung zollen und dies auch kommunizieren. Auch Kritik ist wichtig. Das Feedback sollte jedoch konstruktiv formuliert werden.

(Quelle: TÜV Süd)

So können Sie persönlich vorbeugen
Den eigenen Perfektionismus kritisch überdenken und sich Leistungsgrenzen ehrlich eingestehen.

Unrealistischen Erwartungen von Vorgesetzten ein Nein entgegensetzen.

Überlegen, welche Aufgaben delegiert werden können.

Auf geregelte Essenszeiten und Pausen achten, um wieder Energie zu sammeln.

Freizeitpläne und Unternehmungen mit Familie und Freunden nicht ständig verschieben. Sie sollten als Ausgleich zur Arbeit fest eingeplant werden. Allerdings sollte auch nicht Freizeitstress daraus werden.

(Quelle: TÜV Süd)

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Wellness gegen Burnout: Energie-Shaker, Moorpackung, Entschlackung