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Kreditausfallversicherungen: Bundesbank gibt Entwarnung für Schuldenschnitt

Die größte Gefahr scheint gebannt. Nachdem vergangene Woche klar wurde, dass beim griechischen Schuldenschnitt Kreditausfallversicherungen fällig werden, gibt die Bundesbank nun Entwarnung: Zu großen Verwerfungen werde es dadurch nicht kommen.

Bundesbank-Vorstand Dombret: "Auch positive Aspekte" Zur Großansicht
DPA

Bundesbank-Vorstand Dombret: "Auch positive Aspekte"

Berlin - Es war eines der wichtigsten Argumente gegen den erzwungenen Schuldenschnitt in Griechenland: Wenn Kreditausfallversicherungen (CDS) fällig würden, so meinten die Gegner des Schritts, könnte es zu verheerenden Verwerfungen an den Finanzmärkten kommen - ähnlich wie 2008, als die Pleite der US-Bank Lehman Brothers eine Kettenreaktion nach sich zog, an deren Ende der Versicherungsriese AIG stand.

AIG musste damals mit Milliarden von Staat und Notenbank gerettet werden. Doch so weit wird es im Fall Griechenland wohl nicht kommen - da ist sich zumindest die Bundesbank sicher. Deren Vorstand Andreas Dombret rechnet laut "Handelsblatt" nicht mit größeren Marktverwerfungen. "Die zum Wochenausklang freundlichen Marktreaktionen werte ich als ermutigendes Zeichen", sagte er.

Am Freitag hatte der Derivateverband ISDA entschieden, den griechischen Schuldenschnitt als Zahlungsausfall zu werten und deswegen alle Kreditversicherungen für griechische Anleihen fällig werden zu lassen. Bundesbanker Dombret sieht darin auch etwas Gutes: "Dass CDS-Kontrakte ausgelöst werden, hat aus Sicht der Finanzstabilität auch positive Aspekte." Die Banken-Aufsicht habe nämlich durchaus ein Interesse daran, dass Institute ihre riskanten Bestände absicherten.

Weil nicht genügend private Gläubiger Griechenlands freiwillig auf einen Teil ihres Geldes verzichten wollen, hatte die griechische Regierung entschieden, alle Anleihenbesitzer zwangsweise über nachträglich eingefügte Umschuldungsklauseln zur Teilnahme am Schuldenschnitt zu zwingen.

Bei den CDS-Kontrakten auf griechische Staatsanleihen geht es weltweit um ein Volumen von rund 70 Milliarden Dollar. Weil die meisten Banken aber sowohl Versicherungen ausgegeben als auch sich selbst abgesichert haben, bleibt netto nur eine Belastung von gut drei Milliarden Dollar oder 2,6 Milliarden Euro.

stk/Reuters

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1. Das Geld...
Airkraft 12.03.2012
Zitat von sysopDPADie größte Gefahr scheint gebannt. Nachdem vergangene Woche klar wurde, dass beim griechischen Schuldenschnitt Kreditausfallversicherungen fällig werden, gibt die Bundesbank nun Entwarnung: Zu großen Verwerfungen werde es dadurch nicht kommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,820778,00.html
ist ja bekanntlich nicht weg, sondern es hat halt nur jemand anderes - wiedermal!
2. total dereguliert?
4711_please 12.03.2012
Zitat von sysopDPADie größte Gefahr scheint gebannt. Nachdem vergangene Woche klar wurde, dass beim griechischen Schuldenschnitt Kreditausfallversicherungen fällig werden, gibt die Bundesbank nun Entwarnung: Zu großen Verwerfungen werde es dadurch nicht kommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,820778,00.html
Kann mir mal jemand erklären, welchen Sinn es macht, dass diie Banken Risiken eingehen, und zugleich diese Risken über CDS selbst absichern? Sind sie also bloß ein kompliziertes Instrument der Risikovorsorge? Aufgrund der Tatsache, dass den CDS kein konkreter Wert zugewiesen wird, sondern sie in ausgegebener Menge theoretisch unendlich werden, Risiken also mit diesem Instrrument potenziert werden können, kann ja von einem Instrument der Risikovorsorge eigentlich keine Rede sein?
3. Mal wieder ...
quark@mailinator.com 12.03.2012
Kommt es nur mir komisch vor, daß bis zum Stichtag diese Kreditausfallversicherungen als ganz ganz schlimme Drohung dargestellt wurden, daß es deswegen auf gar keinen Fall eine Insolvenz GRs geben dürfe, daß unvorhersagbare, schwerste Verwerfungen drohen ... und das nun plötzlich alles überhaupt kein Problem ist ??? Also es gibt da nicht sooo viele Erklärungen - Entweder jemand versteht sein Geschäft nicht (was ich nicht glaube), oder die Medien denken sich sowas selber aus (was ich nicht glaube), oder hier wurde mal wieder ganz bewußt eine totale Falschmeldung gestreut, vielleicht um Leute zu motivieren an der Sache mitzumachen ... oder natürlich es ist in Wirklichkeit doch alles ganz schlimm und man will das lieber unterm Teppich halten. Aber egal was es ist - Offenbar kann man wirklich nicht alles glauben, was in der Zeitung steht, oder ? Nur, wie funktioniert die Demokratie, wenn der Wähler sich nicht vernünftig informieren kann ? Naja, schon klar ...
4. Wo Politiker drin sind
Willi Wacker 12.03.2012
Zitat von quark@mailinator.comKommt es nur mir komisch vor, daß bis zum Stichtag diese Kreditausfallversicherungen als ganz ganz schlimme Drohung dargestellt wurden, daß es deswegen auf gar keinen Fall eine Insolvenz GRs geben dürfe, daß unvorhersagbare, schwerste Verwerfungen drohen ... und das nun plötzlich alles überhaupt kein Problem ist ??? Also es gibt da nicht sooo viele Erklärungen - Entweder jemand versteht sein Geschäft nicht (was ich nicht glaube), oder die Medien denken sich sowas selber aus (was ich nicht glaube), oder hier wurde mal wieder ganz bewußt eine totale Falschmeldung gestreut, vielleicht um Leute zu motivieren an der Sache mitzumachen ... oder natürlich es ist in Wirklichkeit doch alles ganz schlimm und man will das lieber unterm Teppich halten. Aber egal was es ist - Offenbar kann man wirklich nicht alles glauben, was in der Zeitung steht, oder ? Nur, wie funktioniert die Demokratie, wenn der Wähler sich nicht vernünftig informieren kann ? Naja, schon klar ...
Oder die Banken haben die letzten zweii Jahren still genutzt, um die Risiken zurückzufahren. Ein Vorstand, der dies nicht getan hätte, müsste als absolut unfähig gelten. Es gibt möglicherweise eine Ausnahme. Banken in Staatsbesitz...
5. *
geroi.truda 12.03.2012
Zitat von 4711_pleaseKann mir mal jemand erklären, welchen Sinn es macht, dass diie Banken Risiken eingehen, und zugleich diese Risken über CDS selbst absichern? Sind sie also bloß ein kompliziertes Instrument der Risikovorsorge? Aufgrund der Tatsache, dass den CDS kein konkreter Wert zugewiesen wird, sondern sie in ausgegebener Menge theoretisch unendlich werden, Risiken also mit diesem Instrrument potenziert werden können, kann ja von einem Instrument der Risikovorsorge eigentlich keine Rede sein?
Schon 'mal daran gedacht, dass - wenn man's denn richtig macht - die Erträge aus der Risikoposition größer sein könnten als der Preis der Absicherung?
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Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung

Die Abkürzungen der Griechenland-Rettung
PSI (Private Sector Involvement)
Die Beteiligung privater Gläubiger wie Banken und Fonds an den Rettungskosten wurde von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy im Herbst 2011 beschlossen. Die Maßnahme ist umstritten, denn auf die zu erwartenden Verluste aus dem Kreditgeschäft mit Wackelkandidaten reagierte der Privatsektor mit immer höheren Zinsen. Im Falle Griechenlands sollen Banken und Fonds auf mehr als 70 Prozent verzichten, oder gut hundert Milliarden Euro des an Athen verliehenen Geldes. Der Markt scheint noch nicht ganz überzeugt, dass Griechenland ein Einzelfall bleibt. Auch Portugal kommt nur zu hohen Kosten an frisches Geld. Fraglich ist auch, ob der Beitrag des Privatsektors zur Rettung Athens reicht.
OSI (Official Sector Involvement)
Die Beteiligung des öffentlichen Sektors, also der Euro-Partner und der Europäischen Zentralbank (EZB), am Schuldenerlass. Ökonomen halten das für notwendig, damit Athen Spielraum für den Wiederaufbau bekommt. Deutschland müsste in diesem Fall auf rund 30 Milliarden Euro verzichten. Der Grund: Insgesamt hat Griechenland mehr als 350 Milliarden Euro Schulden. Ohne Erlass durch den öffentlichen Sektor bliebe die Schuldenlast bei 250 Milliarden Euro - und damit untragbar. Bisher beteuern Bundesregierung und EZB, dass eine Beteiligung am Forderungsverzicht nicht in Frage kommt, weil das gegen das Verbot verstoße, Staatsschulden mit der Notenpresse zu tilgen.
DSA (Depth Sustainability Analysis)
Die Schuldentragfähigkeitsanalyse der Troika. In dem Bericht ist das katastrophale Ausmaß der griechischen Finanz- und Wirtschaftsnot festgehalten. Er enthält außerdem die Schlüsselgleichung für die erhoffte Rettung. Bis 2020 muss die Gesamtverschuldung des Landes von mehr als 160 auf 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung gesenkt werden, damit der Internationale Währungsfonds (IWF) eine Chance für Athen sieht - und bei der Rettung mitmacht. Zwar wird der aktuelle Bericht noch unter Verschluss gehalten. Die entscheidende Zahl ist aber durchgesickert: Ohne Nachbesserung des im Oktober zugesagten Hilfspakets von 130 Milliarden Euro würde Griechenlands Gesamtverschuldung auch 2020 noch bei 129 Prozent des BIP liegen. Also müssen entweder die Euroländer mehr Geld geben oder sich an dem Schuldenerlass beteiligen - oder der Privatsektor muss auf größere Teile seiner Forderungen verzichten.
SD (Selective Default)
Die Teilpleite Athens scheint schon nicht mehr abzuwenden zu sein. Dazu kommt es, wenn sich nicht genug Banken, Fonds und Versicherungen an dem freiwilligen Schuldenerlass für Athen beteiligen. Damit die Rechnung auch nur ansatzweise aufgehen kann, müssten 90 Prozent der Institute mitmachen. Vor allem Hedgefonds sind dazu aber nicht bereit, sie pochen auf die Begleichung der gesamten Schuld. Scheitert der freiwillige Schnitt, dann wird die Regierung in Athen ihre Anleihenverträge vermutlich rückwirkend um sogenannte Collective Action Clauses (CACs), also Umschuldungsklauseln ergänzen. Dann bräuchte Athen nur die Hälfte seiner Privatgläubiger für einen Erlass gewinnen - die übrigen 50 Prozent könnten dann gezwungen werden. Das würde von den Ratingagenturen als teilweiser Zahlungsausfall eingestuft. Das Risiko: Fonds und Geldhäuser, die ihre Griechenland-Papiere gegen eine Pleite abgesichert haben, können sich diese Versicherungen (CDS) auszahlen lassen. Das könnte einige Versicherer in Not bringen.
PA (Prior Action)
Zu diesen "vordringlichen Maßnahmen" hat die Euro-Gruppe die Griechen gezwungen, um sicherzustellen, dass das Land seine Reformen auch wirklich durchsetzt. Das Sparpaket hat ein Volumen von drei Milliarden Euro. Neben Kürzungen umfasst es auch rund 30 Strukturmaßnahmen. Zentral dabei ist eine Steuerreform, die die Steuerflucht eindämmen und höhere Einkommensschichten stärker belasten soll. Dazu gehört auch eine Arbeitsmarktreform. Der Großteil der Aufgaben soll in den kommenden Wochen gesetzlich verankert werden. Die Auszahlung der neuen Notkredite wird daran geknüpft.
Treuhandkonto
Die griechische Regierung muss ein Sperrkonto einrichten. Darauf sollen Staatseinnahmen fließen, um die Schulden zu begleichen. Nicht nur die Griechen selbst haben sich gegen den deutschen Vorschlag gesperrt, weil er ihre Haushaltssouveränität massiv einschränkt. Auch die EU-Kommission und der IWF waren dagegen. In den Verhandlungen konnte Berlin seine Vorstellungen nicht ganz durchsetzen.
EFSF 3.0, ESBPF
Auch die Konstruktion der Euro-Rettungsschirme wird immer komplizierter. Die vor anderthalb Jahren eingerichtete Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) mit einer Ausleihsumme von 440 Milliarden Euro wurde gerade mit einem ersten Hebel ausgestattet, er trägt den wenig eingängigen Namen European Sovereign Bond Protection Facility (ESBPF). Gemeint ist eine Teilkaskoversicherung für Staatsanleihen. Wer künftig Anleihen von Wackelkandidaten kauft, kann sich den Ausfall zu 20 bis 30 Prozent vom EFSF absichern lassen. Damit sollen die Nachfrage gesteigert und die Zinsen gesenkt werden.
ESM
Der dauerhafte Europäische Stabilitätsmechanismus wird im Juli eingerichtet und kann Pleitestaaten mit 500 Milliarden Euro helfen. Im März soll geprüft werden, ob er durch die verbliebenen 250 Milliarden Euro im EFSF aufgestockt wird - auf eine Feuerkraft von dann 750 Milliarden Euro. Deutschland sieht dazu aber wegen der zuletzt gesunkenen Zinsen keine Notwendigkeit.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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