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Kreditklemmen-Gefahr: Wirtschaftsbosse warnen vor neuer Finanzkrise

Die Konjunktur erholt sich nur langsam, jetzt erhöht die Wirtschaftselite den öffentlichen Druck: Konzernbosse und Vorstände drängen die Banken, mehr Kredite zu vergeben und vorerst auf Boni zu verzichten - andernfalls drohe eine neue Finanzkrise.

Frankfurter Banken-Skyline: Erschwerte Kreditvergabe Zur Großansicht
ddp

Frankfurter Banken-Skyline: Erschwerte Kreditvergabe

Berlin - Die Rezession hat Deutschland überwunden, doch die Konjunktur springt nur langsam wieder an. Die Arbeitslosigkeit steigt in der Folge spürbar, erste Großkonzerne wie Siemens Chart zeigen kündigen den Abbau Tausender Stellen an, viele andere Unternehmen stehen vor ähnlich unpopulären Entscheidungen.

Die Schuld für die drohende Job-Misere suchen Deutschlands Großkonzerne nicht nur bei sich: Führende deutsche Wirtschaftsvertreter haben vor einer neuen Finanzkrise gewarnt und in diesem Zusammenhang Politik und Banken zu mehr Engagement aufgerufen.

Jürgen Hambrecht, der Vorstandsvorsitzende des Chemiekonzerns BASF Chart zeigen, sagte, die Krise könne zurückkommen. Um dies zu verhindern, müssten die Banken wieder Kredite vergeben und die Industrie ihre "Überkapazitäten abbauen". Auch der Chef des Handelskonzerns Metro, Eckhard Cordes, warnte vor einer Kreditklemme. Die Kreditvergabe durch Banken sei durch "politisch-rechtliche Auflagen" erschwert worden, sagte er der "Bild"-Zeitung.

SAP-Chef Léo Apotheker forderte von den Banken mehr Transparenz. Bayer-Chef Werner Wenning forderte die Finanzbranche auf, aus ihren Fehlern zu lernen. "Die Krise ist doch entstanden, weil in Teilen der Finanzwirtschaft keiner mehr durchgeblickt hat, welche Risiken hinter den Versprechungen versteckt waren oder die Gier blind gemacht hat."

Allianz-Manager drängt Banker zu Boni-Verzicht

Allianz-Vorstand Paul Achleitner forderte von den Banken gar einen vorübergehenden Verzicht auf Boni und Dividenden. Das sei allerdings nur möglich, wenn sich die großen amerikanischen Banken darauf einigten, sagte Achleitner im Interview mit der "Welt". Als Konsequenz aus der Finanzkrise forderte der bei der Allianz für das Kapitalmarktgeschäft zuständige Vorstand eine strengere Regulierung.

RWE-Chef Jürgen Großmann nennt als Grund für die langsame Konjunkturerholung die schwache Binnennachfrage. Die Gefahr einer zweiten Wirtschafts- und Finanzkrise sei dann "real", wenn bei Wirtschaft und Verbrauchern kein dauerhaftes Vertrauen entstehe, sagte er der "Bild"-Zeitung. "Kaufen die Menschen und investiert die Wirtschaft, können wir die Krise in den Griff kriegen."

E.on-Chef Wulf Bernotat sagte dagegen, er glaube nicht an eine neue Krise. Die Risiken der Banken seien überschaubar und die Wirtschaftslage werde die Situation weiter verbessern.

Banken drohen neue Milliardenlasten

Die Bedenken der Manager sind nicht unbegründet - denn noch immer schlummern in den Bankenbilanzen enorme Risiken. Auch könnte die drohende Belastung für die Banken durch die geplanten Eigenkapitalregeln deutlich höher sein als bislang erwartet. Nach internen Berechnungen verschiedener Geldhäuser entsteht bei allen europäischen Banken ein Kapitalbedarf von bis zu 300 Milliarden Euro, sollten die unter dem Stichwort Basel III geplanten Regeln Realität werden.

"Würde der Baseler Vorschlag ohne Änderungen umgesetzt, dann müssten die Banken mit erheblichen Belastungen rechnen", sagt Stefan Best, Bankenexperte bei der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) dem "Handelsblatt". Die US-Investmentbank Morgan Stanley hatte den zusätzlichen Kapitalbedarf europäischer Institute kürzlich auf 83 Milliarden Euro veranschlagt.

Den Anstoß zu den neuen Kapitalregeln hatten die größten Industrie- und Schwellenländer (G20) im September 2009 auf dem Pittsburgh-Gipfel gegeben. Die Regierungen wollen die Risiken der Banken durch strengere Regulierung begrenzen und damit künftigen Krisen vorbeugen. Die Vorschläge des Baseler Ausschusses, in dem die Aufsichtsbehörden und Notenbanken von 27 Staaten vertreten sind, sollen nach eingehender Prüfung möglichst bis Ende 2012 umgesetzt werden.

Banken planen Lobby-Feldzug gegen Regulierung

Die Banken stemmen sich gegen die Eigenkapitalvorschriften und wollen laut "Handelsblatt" in den kommenden Wochen ihren Widerstand bei Politik und Aufsichtsbehörden verstärken. Neben generell höheren Kapitalanforderungen und dem Wegfall der Kapitalstärkung aus steuerlichen Verlustvorträgen wird vor allem auch ein neuer Ansatz bei den Mehrheitsbeteiligungen der Banken zu Belastungen führen. In Zukunft sollen bei Beteiligungen über 50 Prozent die Risiken der Töchter voll konsolidiert werden, während das Eigenkapital nicht mehr bei der Mutter angerechnet werden kann. "Dahinter steht die Überlegung, dass das Kapital der Alteigentümer bei Verlusten der Mutter nicht zur Abdeckung der Fehlbeträge zur Verfügung stehen könnte", sagt Best.

Das hätte auch bei den deutschen Banken deutliche Auswirkungen. So müsste die Deutsche Bank bei der Postbank nicht nur die Mehrheit, sondern 100 Prozent der Anteile halten, um die Beteiligung als Eigenkapital zu verbuchen. Derzeit besitzt die Bank 30 Prozent der Anteile. Insgesamt rechnet die Deutsche Bank mit einem Abschmelzen der Kernkapitalquoten durch die geplanten Regeln um durchschnittlich zwei Prozentpunkte.

Auch die DZ Bank wäre mit der Bausparkasse Schwäbisch Hall, der R+V-Versicherung und der Fondsgesellschaft Union Investment gleich mit drei großen Töchtern betroffen, die ihr nicht vollständig gehören. Problematisch könnten die Veränderungen auch für die Commerzbank werden. Sie hält unter anderem 70 Prozent an der polnischen BRE Bank. Deren Börsenwert liegt umgerechnet bei immerhin 1,92 Milliarden Euro, das Eigenkapital beläuft sich auf knapp eine Milliarden Euro. Hinzu kommt die Beteiligung an der Direktbank-Tochter Comdirect in Höhe von 80,5 Prozent. Sprecher der einzelnen Banken wollten sich hierzu nicht äußern

ssu/AFP/apn/Reuters

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Forum - Mehr Regulierung für Banken?
insgesamt 1433 Beiträge
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1.
AndyH 23.01.2010
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Ja, braucht. Und ja, Obama wird auch damit scheitern.
2. Nix mit Regulierung
Klaus.G 23.01.2010
solange die Parteien am Tropf der Banken hängen und von deren Spenden abhängig sind wird sich nie was ändern. Alle außer der Linken werden gut dotiert und darum wird sich nix ändern denn dann würde man den Banken in die Quere kommen was ja niemand will.Auch Obama wird scheiten, zu groß die Macht der Banken und deren Verflechtung mit der Politk. Glückauf.
3. Ein bisschen regulieren wird nicht reichen
soziale qualität 23.01.2010
Um aus der Boom - Krise - Falle auszubrechen wird es klare Grenzen brauchen. Ganz wichtig wäre ein Verbot der Kickbacks und Boni. Die Banker haben sich mit diesen 'Tools' eine Schmiergeldlegalisierung herausgenommen die sich zum erfolgreichen Erpressungswerkzeug entwickelt hat. Es wird auch eine Steuer auf internationalen Finanztransaktionen brauchen und einen globalen Plan zur Austrocknung der Steueroasen. Weitere wichtige Grundlagen zum Thema: www.oekonomiefueralle.blogspot.com
4.
Adran, 23.01.2010
ist nur die Rückkehr zum *Glass-Steagall Act* klick (http://de.wikipedia.org/wiki/Glass-Steagall_Act) also nichts neues, sondern ehr sehr altes..bewertes..
5. Die Zerschlagung droht so oder so!
Jordan Sokoł 23.01.2010
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Bezogen auf unsere bundesdeutschen Verhältnisse, muß den Bankmanagern und deren Unterstützern in der Politik klarge- macht werden, daß sie unter Umständen von einem entfessel- ten Volk (z)erschlagen werden, wenn sie sich nicht endlich vernünftigen Beschränkungen und strafbewährten Regeln unterwerfen. Unsere Bundeskanzlerin kann sich bezüglich ihrer unver- zeihlichen Zurückhaltung gegenwärtig nur auf ein einziges Argument berufen: "Ich/wir halten uns zurück, bis die Verursacher der Finanzkrise (USA, GB) regelnd in die Finanzmärkte eingreifen." Frau Merkel, die USA, England und Frankreich sind im Gegen- satz zu Ihnen sichtlich bemühter, um dem ausufernden Ge- schäftsgebaren der Finanzmanager die notwendigen Stop- zeichen vor die Nasen zu setzen. - Nun lassen Sie mal den Koch mit seinen bewußt nicht publizierten bankspezifischen Regionalinteressen rechts liegen und besinnen sich auf das Wohl des Volkes in seiner Gesamtheit! Jordan Sokoł
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