Krim-Krise Ifo-Chef Sinn hält Russlandsanktionen für zu teuer

Der Sanktionsbeschluss kann es nur unzureichend kaschieren: Die EU tut sich schwer, Russlands Präsident Putin in der Krim-Krise entschlossen zu begegnen. Das liegt auch am Widerstand der Wirtschaft. Deren Bedenken formuliert jetzt Ifo-Chef Hans-Werner Sinn öffentlich.

Ifo-Chef Sinn: Abhängigkeit vom russischen Gas erschwert Sanktionen
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Ifo-Chef Sinn: Abhängigkeit vom russischen Gas erschwert Sanktionen


Passau - Die in der Krim-Krise gegen Russland verhängten EU-Sanktionen stoßen beim Präsidenten des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, auf Kritik. "Mit wirtschaftlichen Sanktionen schneidet man sich nur ins eigene Fleisch", sagte Sinn der "Passauer Neuen Presse". Deutschland könne sich "eine solche Sanktionspolitik gar nicht leisten, weil wir im Zuge der Energiewende zunehmend auf russische Gaslieferungen angewiesen sind". In der sich zuspitzenden Krim-Krise hatte die EU am Donnerstag erste Maßnahmen gegen Russland beschlossen und weitergehende Sanktionen angedroht.

So sollen Gespräche über Visa-Erleichterungen und ein Wirtschaftsabkommen mit Russland bis auf weiteres auf Eis gelegt werden. Zusätzlich will die EU in einem zweiten Schritt unter anderem Reiseverbote verhängen, Vermögen einfrieren und den EU-Russland-Gipfel im Juni absagen, sollte es bei den diplomatischen Bemühungen um eine Beilegung der Krise keine Fortschritte geben. Sollte Russland die Lage in der Ukraine "weiter destabilisieren", sollen in einem möglichen dritten Schritt Wirtschaftssanktionen folgen.

Die Bedenken Sinns teilt die Bundesregierung offensichtlich nicht in vollem Umfang: Ein Sprecher hatte am Montag erklärt, die Regierung sehe keinen Anlass, sich um die Versorgung mit Erdgas zu sorgen. Die Gasspeicher seien gut gefüllt, Deutschland habe die viertgrößten Kapazitäten weltweit und sei auf mögliche Lieferengpässe gut vorbereitet. Für Liefereinschränkungen gebe es aber keinerlei Anhaltspunkte. Das gelte auch für Rohölimporte.

Deutschland deckt seinen Erdgasbedarf dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge zu 35 Prozent mit russischen Lieferungen. Der Anteil Russlands an den deutschen Rohölimporten sei in etwa gleich hoch.

mik/AFP

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