Madrid - Mit einem 100-Milliarden-Hilfspaket wollen die europäischen Partnerländer das spanische Bankensystem stabilisieren. Doch dadurch scheint weder bei Investoren noch bei den Sparern das Vertrauen in die Kreditinstitute zu wachsen. Die spanische Zentralbank gab am Dienstag Zahlen bekannt, die eine Kapitalflucht aus dem Land aufzeigen.
Demnach wurden allein im Mai 41,3 Milliarden Euro aus Spanien abgezogen, mehr als viermal so viel wie im entsprechenden Vorjahresmonat. Nach Angaben der Zentralbank zogen Anleger in den ersten fünf Monaten dieses Jahres eine Rekordsumme von 163 Milliarden Euro aus Spanien ab. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte das Land noch einen Kapitalzufluss von 14,6 Milliarden Euro verzeichnet.
Dass die Kapitalflucht im Mai extrem anstieg, dürfte damit zusammenhängen, dass zu dieser Zeit die Krise um die marode Großbank Bankia für Schlagzeilen sorgte. Das Sparkassen-Institut braucht vom Staat zur Sanierung seiner Bilanzen 24,5 Milliarden Euro.
Großbank BBVA verkündet Gewinnrückgang
Auch die Banken, die als stabil gelten, bekommen die Wirtschafts- und Finanzkrise in dem Land zu spüren. Vor allem das Platzen der Immobilienblase hat die Branche hart getroffen. So verbuchte die zweitgrößte spanische Bank BBVA
im ersten Halbjahr einen Gewinnrückgang um mehr als ein Drittel. Unterm Strich stand ein Plus von 1,5 Milliarden Euro, wie die Bank mitteilte. Das ist ein Rückgang um 35 Prozent.
Grund seien Auflagen der Regierung, die im Zuge des Platzens der Immobilienblase erlittenen Verluste in der Bilanz zu verarbeiten, hieß es. Die Rückstellungen für mögliche Ausfälle bei Immobilienkrediten wurden erhöht. Die spanische Regierung hatte im ersten Halbjahr in Sachen Risikovorsorge mehrmals die Vorgaben für die Banken verschärft. Damit will sie Vertrauen in den angeschlagenen Bankensektor des Landes schaffen.
Die international breit aufgestellten Großbanken Santander
und BBVA und auch die CaixaBank wurden in einer Branchenstudie nicht als hilfsbedürftig eingestuft. BBVA hat ihre Ausrichtung auf den notleidenden spanischen Heimatmarkt stark reduziert. Sie ist unter anderem in Mexiko, den USA und der Türkei stark aufgestellt. Auch Marktführer Santander versucht, die Schwäche im Heimatland mit dem Auslandsgeschäft abzufedern. Die Bank war im zweiten Quartal aber nur knapp an einem Verlust vorbeigeschrammt.
Für die Banken des Landes, die Staatshilfe benötigen, hat die Regierung in Madrid EU-Hilfen im Volumen von bis zu 100 Milliarden Euro beantragt. Das größte Problem ist der Sparkassensektor.
mmq/Reuters/dpa
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