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Krise in Spanien und Co.: Banker fürchten Schulden-Crash in Europa

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Explodierende Staatsschulden, Sparpakete, Konjunktursorgen: Bei Europas Banken macht sich Pessimismus breit. Laut einer Umfrage fürchten 60 Prozent der Manager ein Ende des deutschen Aufschwungs. Ökonomen sehen das gelassener - sie glauben an die Reformen in Krisenländern wie Spanien.

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DPA

Frankfurter Bankentürme: Pessimismus macht sich breit

Berlin - Wer an diesem Donnerstag durch die Straßen der spanischen Hauptstadt Madrid streift, bekommt wenig mit von der Anspannung der Wirtschaftsreformer in der Regierung. Die Euphorie nach dem Halbfinalsieg bei der Fußball-WM hat, so scheint es, alle Bedenken über die wirtschaftliche Zukunft zerstreut. Es ist wie eine Art Betäubung gegen die Zumutungen, die die Rosskur noch mit sich bringt.

Nur in Europas Banken vermag man sich den heilsamen Effekt eines wieder aufgerichteten Nationalstolzes nicht recht vorzustellen. Die Finanzexperten glauben schlicht nicht, dass Spanien und die anderen südlichen Euro-Länder in der Lage sein werden, ihre Schuldenprobleme in den Griff zu bekommen. Das geht aus einer an diesem Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Wirtschaftsprüfergesellschaft Ernst & Young hervor.

Die Schuldenkrise in Europa und die immer wieder aufflammenden Gerüchte über die Zahlungsunfähigkeit von Euro-Ländern stellen aus Sicht vieler Banken sogar eine ernsthafte Gefahr dar: Laut Umfrage halten es 60 Prozent der Bankmanager für möglich, dass die Euro-Krise den Aufschwung in Deutschland abwürgt. Auch ein Ende der Spekulationen gegen die europäische Gemeinschaftswährung sei nicht in Sicht.

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Europas Schuldenkrise: Banker in Sorge

"An den Kreditmärkten herrscht nach wie vor ein großes Misstrauen gegenüber einigen Euro-Ländern. Solange dieses Misstrauen nicht ausgeräumt ist, werden die Turbulenzen anhalten", konstatiert Claus-Peter Wagner, Leiter des Bereiches Financial Services bei Ernst & Young. Auch wenn vieles für eine robuste Erholung der Wirtschaft spreche - "die ungelöste Schuldenkrise in der Euro-Zone schwebt wie ein Damoklesschwert über der Konjunkturerholung".

Ob die negativen Einschätzungen der Banker nach intensivem Studium von Daten und Analysen erfolgt sind oder eher ein diffuses Stimmungsbild widerspiegeln, vermag Wagner nicht zu beurteilen. "Wir gehen aber davon aus, dass die Befragten vor dem Hintergrund eines großen Fachwissens geantwortet haben", sagt er.

Vielversprechende Reformen

Das Fachwissen wollen unabhängige Gelehrte den Bankern und Analysten auch keineswegs absprechen. Doch nachvollziehen können sie deren Pessimismus nicht. "Eine solch negative Erwartung unterstellt, dass Länder wie Spanien oder Portugal strukturell so schlecht aufgestellt sind, dass Reformen kaum eine Chance haben", erklärt Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Eine Einschätzung, der der Konjunkturexperte klar widerspricht. "Spanien verfügt über eine erfolgreiche Export-Industrie, und die bereits eingeleiteten Reformen werden helfen, die Lohnkosten spürbar zu senken", erklärt er. Beide Kriterien träfen in etwa auch auf Portugal zu. "Es wird ein bisschen Zeit brauchen, aber die Chance ist groß, dass sie die Krise bewältigen", resümiert Boysen-Hogrefe.

Als Zeichen dafür, dass der Experte eher richtig liegt als die befragten Banker, könnte die fünfjährige Anleihe gelten, die die spanische Notenbank in den vergangenen Tagen mit Erfolg platziert hat. So gelang es innerhalb kürzester Zeit, insgesamt 3,5 Milliarden Euro aufzunehmen - mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 3,657 Prozent. Damit ist das Schuldenmachen für Spanien nur minimal teurer geworden als bei der letzten Fünf-Jahres-Auktion am 6. Mai.

Auch der wiederbelebte Nationalstolz nach den Erfolgen der Fußball-Nationalelf dürfte eine heilsame Wirkung entfalten, wenn es darum geht, den Weg aus der Schuldenkrise zu finden. Zumutungen lassen sich besser ertragen, wenn man beseelt ist vom allgemeinen Hochgefühl.

Eigeninteresse spielt mit

Die negative Einschätzung der Banker hält Boysen-Hogrefe trotzdem für nachvollziehbar - zumindest aus deren Perspektive: "Vor der Kreditkrise haben die Finanzfachleute die Situation viel zu positiv beurteilt und haben damit massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Entsprechend übervorsichtig gehen sie jetzt zu Werke."

Ein wenig dürfte aber auch Eigeninteresse die Antworten bestimmt haben. Schließlich verdienen Banken am besten, wenn Märkte in Bewegung geraten: Wer Kreditausfallversicherungen im Portfolio hält, hat womöglich Interesse daran, die Situation eine wenig schlechter darzustellen, als sie wirklich ist.

Einen ähnlichen Verdacht hat auch Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. "Es versteht sich von selbst, dass solche Einschätzungen auch von Eigeninteresse bestimmt ist", sagt er. Einen Vorwurf will er daraus aber nicht ableiten. Denn im Prinzip sei es richtig, die Entwicklung in den Schuldnerländern mit großer Aufmerksamkeit zu verfolgen und gleichzeitig den Reformdruck aufrechtzuerhalten. Denn trotz der energischen Sparanstrengungen in den betroffenen Ländern sei die Situation nach wie vor kritisch.

Ein Problem stelle allenfalls die übertriebene Schwarzmalerei dar, fügt der Gelehrte hinzu. Denn an Glaubwürdigkeit könnten die Banken nicht viel zurückgewinnen, wenn sich ihre Prognosen am Ende des Tages wieder als falsch herausstellten.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Explodierender Wahnsinn
dasky 08.07.2010
Zitat von sysopExplodierende Staatsschulden, Sparpakete, Konjunktursorgen: Bei Europas Banken macht sich Pessimismus breit. Laut einer Umfrage fürchten 60 Prozent der Manager ein Ende des deutschen Aufschwungs. Ökonomen sehen das gelassener - sie glauben an die Reformen in Krisenländern wie Spanien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,705393,00.html
Das hat sich vorgestern noch ganz anders gelesen. Aber ich hab' mir's ja gedacht. Die europäische Wirtschaftspolitik orientiert sich an den Ergebnissen von Fußballspielen.
2. Merkelmurks
Baikal 08.07.2010
Zitat von sysopExplodierende Staatsschulden, Sparpakete, Konjunktursorgen: Bei Europas Banken macht sich Pessimismus breit. Laut einer Umfrage fürchten 60 Prozent der Manager ein Ende des deutschen Aufschwungs. Ökonomen sehen das gelassener - sie glauben an die Reformen in Krisenländern wie Spanien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,705393,00.html
"An den Kreditmärkten herrscht nach wie vor ein großes Misstrauen gegenüber einigen Euro-Ländern." Warum auch nicht? Die nur schwatzenden, unfähigen und allein dem Wohl der Banken verpflichteten Politiker zeigen doch jeden Tag wie leicht es den sogenannten Märkten gemacht wird die Staatskassen auszuplündern. Warum sollen die "Märkte" denn nicht Misstrauen zeigen - sie haben doch gelernt, dass dann um Vertrauen zu schaffen die Milliarden nur so strömen.
3. Banker befürchten Crash
Erebos 08.07.2010
aber die Ökonomen nicht. Vielleicht wissen die Banker etwas, was die Ökonomen noch nicht wissen. Zum Beispiel das Ausmaß der eigenen faulen Kredite.
4. ?
zynik 08.07.2010
Zitat von sysopExplodierende Staatsschulden, Sparpakete, Konjunktursorgen: Bei Europas Banken macht sich Pessimismus breit. Laut einer Umfrage fürchten 60 Prozent der Manager ein Ende des deutschen Aufschwungs. Ökonomen sehen das gelassener - sie glauben an die Reformen in Krisenländern wie Spanien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,705393,00.html
...Ende des deutschen Aufschwungs? Aufschwung? Um wieviel Uhr war der denn heute? Hab ich was verpasst?
5. .
Wolfghar 08.07.2010
Zitat von zynik...Ende des deutschen Aufschwungs? Aufschwung? Um wieviel Uhr war der denn heute? Hab ich was verpasst?
Wir haben schon seit einer Woche Aufschwung, aber wegen der WM zurückhaltender als sonst. Die Arbeitslosenzahlen sinken seit mindestens 3 Jahren, wir gehen stramm auf die Vollbeschäftigung zu. Jetzt ist halt wieder eine Woche Abschwung und Untergang angesagt. Passt ja auch zum WM Ergebnis für die Deutschen.
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Der Euro-Rettungsschirm
Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Hilfspaket für den Euro:
Warum muss Europa einen Schutzschirm für den Euro aufspannen?
Ausgangspunkt war die Finanzkrise Griechenlands, welche durch die weltweite Finanzkrise seit 2008 verstärkt wurde. Spekulationen am Finanzmarkt haben die Krise weiter verschärft. Den Märkten gibt der Euro-Schutzschirm jetzt ein klares Signal: Auf die Finanzstabilität des Euro-Raumes ist Verlass. Spekulationen gegen den Euro lohnen sich nicht.
Wie groß ist der Schutzschirm?
Um den Euro umfassend zu stabilisieren, spannt die Europäische Union zusammen mit den Euro-Ländern einen 500 Milliarden-Euro-Schutzschirm. Der Internationale Währungsfonds (IWF) legt mindestens die Hälfte dazu. Der Schutzschirm umfasst also etwa 750 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil beträgt rund 148 Milliarden.
Was müssen die Steuerzahler bezahlen?
Sowohl Griechenland-Hilfe als auch Euro-Schutzschirm sehen keine direkten Zahlungen aus den Staatskassen, also Steuergelder, vor. Es handelt sich um staatliche Bürgschaften für Kredite, die mit Zinsen zurückgezahlt werden müssen.
Was bedeutet hier eine Bürgschaft?
Eine Bürgschaft ist nichts Ungewöhnliches. Ein Bürge sagt zu, die Verpflichtungen eines Schuldners gegenüber einem Gläubiger, also einem Kreditgeber, zu übernehmen. Aber nur dann, wenn der Schuldner nicht selbst zahlen kann.
Warum soll Deutschland anderen Euro-Ländern helfen?
Würde es zu einem Zahlungsausfall Griechenlands kommen, wäre nach übereinstimmender Einschätzung von Europäischer Zentralbank und Europäischer Kommission die Finanzstabilität der Euro-Zone insgesamt in Gefahr. Das wäre erst recht der Fall, wenn einem weiteren Euro-Land die Zahlungsunfähigkeit drohen würde.
Wie funktioniert der Euro-Schutzschirm?
Die Finanzhilfen sind als Ultima Ratio, also als letztes Mittel, vorgesehen. Voraussetzung dafür ist: Der betroffene Mitgliedstaat ist durch außergewöhnliche Ereignisse, die sich seiner Kontrolle entziehen, von wirklich ernsten Schwierigkeiten bedroht.

Außerdem muss der betroffene Mitgliedstaat auch beim Euro-Schutzschirm mit dem Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Kommission ein strenges wirtschafts- und finanzpolitisches Programm vereinbaren unter Mitwirkung der Europäischen Zentralbank.

Müssen wir jetzt eine starke Inflation, also eine Geldentwertung, fürchten?
Nein, die Gefahr einer massiven Geldentwertung aufgrund der Stützungsmaßnahmen für den Euro besteht laut Bundesregierung nicht. Fachleute sagen dem Euroraum für 2010 eine durchschnittliche Teuerungsrate von 1,5 Prozent voraus mit leicht steigender Tendenz.
Wie will Bundesregierung die Banken an den Kosten der Krise beteiligen?
Über eine Bankenabgabe hinaus sollten die Finanzmärkte auch insgesamt zur Bewältigung von Krisenkosten herangezogen werden. Steuern sind dazu grundsätzlich gut geeignet. Die Bundesregierung wird sich auf europäischer und globaler Ebene für eine weitere Beteiligung der Finanzmärkte einsetzen, das heißt für eine Finanztransaktionssteuer oder eine Finanzaktivitätensteuer.

Wichtig ist eine internationale Einigung, die die Bundesregierung für den G-20-Gipfel im Juni, spätestens für den Gipfel im November anstrebt. Wenn das nicht gelingt, ist innerhalb Europas weiter der Weg zu suchen.


Schulden in Europa
Gesamtverschuldung in Euro-Land
Mit der gigantischen Summe von mehr als sieben Billionen Euro sind die Euro-Länder verschuldet. Mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Staaten jetzt einen riesigen Rettungsschirm von bis zu 750 Milliarden Euro für Länder gespannt, die mit dem Schuldenberg nicht mehr fertig werden und in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
Deutschland
Die gesamtstaatlichen Schulden liegen bei mehr als 1,7 Billionen Euro. Das sind mehr als 70 Prozent des BIP. Erlaubt sind laut Maastricht-Vertrag 60 Prozent. Die jetzt schon gigantische Summe könnte bis Ende 2013 durch immer neue Kredite bei etwa zwei Billionen Euro liegen.

Allein 2010 lag die Neuverschuldung bei 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), erlaubt sind laut Maastricht drei Prozent. Um diese Schuldenberge wieder abzubauen, hat die schwarz-gelbe Koalition im Sommer 2010 ein Sparpaket aufgelegt. Ob dies allerdings ausreicht, ist fraglich. Denn der Bund muss von 2011 an jedes Jahr zehn Milliarden Euro sparen - allein um die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse einzuhalten.
Frankreich
Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 7,5 Prozent des BIP, die Gesamtverschuldungsquote bei 77,6 Prozent. In Euro ausgedrückt belaufen sich die Verbindlichkeiten auf mehr als 1,5 Billionen Euro. Die Regierung will die Staatsausgaben von 2011 bis Ende 2013 einfrieren. Jede zweite frei werdende Stelle im Öffentlichen Dienst wird nicht besetzt.

Die laufenden Ausgaben für den Staatsbetrieb sollen binnen drei Jahren um zehn Prozent gesenkt werden. Zudem will Paris Steuerschlupflöcher stopfen und so in zwei Jahren fünf Milliarden Euro mehr einnehmen. Eine Rentenreform soll außerdem das riesige Defizit in den Sozialkassen senken. Das Rentenalter in Frankreich liegt derzeit für das allgemeine Rentensystem noch bei 60 Jahren.
Spanien
Das Land hat einen Sparplan vorgelegt, der für die kommenden drei Jahre eine Senkung der Ausgaben um 50 Milliarden Euro vorsieht. Für 2010 und 2011 kündigte Madrid zusätzliche Einsparungen von 15 Milliarden Euro an. Erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes werden die Gehälter von Ministern und Beamten gekürzt. Staatliche Investitionen werden zusammengestrichen.

Die Neuverschuldung lag 2009 bei 11,2 Prozent des BIP. Die Gesamtverschuldung des Staates wurde zuletzt vom Finanzministerium auf 55,2 Prozent des BIP beziffert. Laut Eurostat sind es knapp 560 Milliarden Euro.
Portugal
Die Regierung überraschte 2010 mit der Ankündigung von Steuererhöhungen. Einkommensteuern sollen angehoben, Unternehmen mit einer zusätzlichen "Krisensteuer" von 2,5 Prozent auf alle Gewinne belastet werden. Die Mehrwertsteuer soll von 20 auf 21 Prozent steigen. Die Bezüge der Politiker und der Verwalter öffentlicher Unternehmen sollen um fünf Prozent reduziert werden.

Damit will Portugal sein Haushaltsdefizit von 9,4 Prozent des BIP auf sieben Prozent reduzieren. Die Gesamtschulden entsprachen 2009 rund 76,8 Prozent des BIP.
Italien
In Italien sind bislang keine größeren Sparpakete auf den Weg gebracht worden, obwohl das Land zu den großen Schuldensündern in der Euro-Zone zählt.

Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hat zwar angekündigt, dass ab 2011 gespart werden soll. Genaueres hat er bislang aber nicht erklärt. Italien hat in absoluten Zahlen einen Gesamtschuldenstand wie Deutschland von mehr als 1,7 Billionen Euro. In Relation zur Wirtschaftskraft ist der Schuldenberg aber weit größer: Er beträgt rund 114 Prozent des BIP.
Irland
Im Haushalt 2010 waren strikte Sparmaßnahmen vorgesehen. So wurden Gehälter im Öffentlichen Dienst um fünf bis 15 Prozent gekürzt. Die Sozialausgaben wurden um 760 Millionen Euro zurückgefahren, beim Arbeitslosengeld kam es zu Streichungen für bestimmte jüngere Altersgruppen.

Irland hat eine Gesamtverschuldung von mehr als hundert Milliarden Euro. Damit bewegt sich das Land nicht weit von der vorgeschriebenen 60-Prozent-Regel mit Blick auf das BIP. Allerdings lag die Neuverschuldung 2010 bei rund 30 Prozent.
Belgien
Der hohe gesamtstaatliche Schuldenstand von knapp 97 Prozent des Bruttoinlandsprodukt wird 2011 auf etwa 101 Prozent wachsen. Erlaubt sind nur 60 Prozent.

Wegen der politischen Krise - das Land stolpert von einer Regierungskoalition zur nächsten - ist Belgien politisch gelähmt. Größere Sparpakete sind nicht in Sicht.
Niederlande
Beim Schuldenberg stehen die Niederlande im Vergleich zu anderen Euro-Staaten gut da. Aber auch dort wird er wachsen - von knapp 61 Prozent des BIP 2009 auf annähernd 70 Prozent 2011.

Doch die Niederländer pochen auf Konsolidierung. Die Regierung identifizierte Sparmöglichkeiten bei den Staatsausgaben von rund 20 Prozent. Die EU würde eine Anhebung des Pensionsalters von 65 auf 67 Jahre begrüßen, wie es in den Niederlanden debattiert wird.
Griechenland
Um eine Staatspleite abzuwenden und den unter Druck geratenen Euro zu verteidigen, haben die EU-Staats- und Regierungschefs ein einmaliges, 110 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für Griechenland beschlossen.

2009 beliefen sich die Schulden des Landes auf 273 Milliarden Euro und damit auf 115 Prozent des BIP. Gegen heftigen Widerstand im eigenen Land hat die Regierung ein 30-Milliarden-Sparpaket durchgesetzt - Renten und Gehälter im Staatsdienst sollen gekürzt, Steuern heraufgesetzt werden.
Slowakei
Die Gesamtverschuldung lag Ende 2009 bei gut 22 Milliarden Euro, das entsprach 35,7 Prozent des BIP. Nur noch Luxemburg hat in der Euro-Zone einen kleineren Schuldenberg. Das Haushaltsdefizit 2009 von 4,3 Milliarden Euro erreichte aber mit 6,8 Prozent vom BIP einen Rekordstand und soll 2010 gesenkt werden.

Ein Sparprogramm der Regierung sieht großflächige Ausgabenkürzungen vor, aber keine Einschnitte bei Pensionen und im Sozialsystem. Kräftige Einsparungen gab es 2009 im Verteidigungsbudget.
Slowenien
Der Gesamtschuldenstand lag zuletzt bei 40 Prozent des BIP, also klar unter den erlaubten 60 Prozent. Problematisch sind jedoch das schleppende Wirtschaftswachstum und die steigende Arbeitslosigkeit. Ende 2009 überschritt die Arbeitslosenquote zehn Prozent.

Mit Konjunkturprogrammen wurde die Wirtschaft gestützt, das Haushaltsdefizit dürfte 2010 bei 6,1 Prozent des BIP liegen, nach 5,5 Prozent 2009. Das Sparprogramm ist noch nicht klar. Experten rechnen mit Kostensenkungen im öffentlichen Sektor, auch liegen in der Privatisierung von Staatsunternehmen noch Reserven.
Österreich
Mit Steuererhöhungen und strengen Sparmaßnahmen will Österreich seinen Staatshaushalt wieder auf Vordermann bringen. Als Ziel will die Regierung bis 2014 das Defizit von 4,7 auf 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduzieren. Bund, Länder und Gemeinden sollen bis zu 5,1 Milliarden Euro einsparen, dazu sollen die Bürger über mehr Steuern für höhere Staatseinnahmen sorgen.

Einig ist sich die Koalition aus konservativer ÖVP und sozialdemokratischer SPÖ aber bisher nur bei der Einführung einer Bankensteuer, die die alpenländischen Geldhäuser rund 500 Millionen Euro kosten soll. Insgesamt betragen die Schulden Österreichs derzeit etwa 66 Prozent des BIP.
Finnland
Mit einem Gesamtschuldenstand von 75 Milliarden Euro gehört Finnland nicht zu den Problemländern in der EU, was die Staatsfinanzen angeht. Die Regierung in Helsinki hat seit dem Euro-Start eine sparsame Haushaltspolitik geführt.

Auch deshalb stehen drastische Sparprogramme wegen der aktuellen Finanzkrise nicht auf der Tagesordnung. Seit längerem schon will die Regierung das Rentenalter heraufsetzen und die Rentenansprüche senken.
Die Schuldenbremse
Regeln für den Bund
Durch die Föderalismusreform II wurde eine Schuldenbremse ins Grundgesetz aufgenommen. Demnach darf der Bund ab 2016 faktisch keine Kredite mehr aufnehmen und sich nur noch bis zu einer Höhe von maximal 0,35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verschulden. Dies sind in absoluten Zahlen rund zehn Milliarden Euro.

Bis 2016 will die Bundesregierung das Defizit in gleichmäßigen Schritten reduzieren, das entspricht Einsparungen in Höhe von acht bis zehn Milliarden Euro pro Jahr.

Regelung und Hilfen für ärmere Länder
Die Schuldenbremse sieht vor, dass die Länder ab 2020 keine neuen Schulden mehr machen dürfen. Dafür sollen die finanzschwachen Länder Bremen, Saarland, Berlin, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein im Zeitraum 2011 bis 2019 beim Abbau ihrer Altschulden mit Hilfen in Höhe von insgesamt 800 Millionen Euro jährlich unterstützt werden. Diese insgesamt 7,2 Milliarden Euro teilen sich der Bund und die reichen Länder je zur Hälfte.
Ausnahmen
In Konjunkturkrisen und Notsituationen wie Naturkatastrophen sind unter strengen Bedingungen Ausnahmen möglich. In wirtschaftlich guten Jahren müssen Rücklagen gebildet oder Schulden getilgt werden.


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