Angst vor Run auf Einlagen: Zypern schließt Banken bis Donnerstag

Die Bankkunden in Zypern müssen weiter warten, ihre Verunsicherung wächst: Alle Institute sollen nun doch erst am Donnerstag öffnen. Das verkündete der Finanzminister des Landes am späten Abend. Vor allem kleinere Geldhäuser fürchteten einen Run ängstlicher Sparer auf ihre Einlagen.

Hamburg/Nikosia - In Zypern bleiben vorerst alle Geldhäuser geschlossen. Das gab am späten Montagabend der Finanzminister des Inselstaats, Michalis Sarris, bekannt. Demnach werden die Institute ohne Ausnahme erst am Donnerstag wieder öffnen.

Wenige Stunden vorher hatte die Zentralbank noch erklärt, dass alle kleinen Kooperativbanken, die kleine zyprische Hellenic Bank sowie alle ausländischen Banken am Dienstag wieder aufmachen würden - und damit zum ersten Mal seit elf Tagen. Deren Angestellte rechneten mit großem Andrang. Vor allem zyprische Unternehmer fürchten um ihr Geld: Sie sehen durch das chaotische Krisenmanagement der Euro-Retter ihre Existenz bedroht.

Zur Begründung für die kurzfristige Verlängerung der Bankenschließung verwies das Finanzministerium auf die "ebenmäßige Funktion des gesamten zyprischen Bankensystems". Aus Kreisen im Ministerium hieß es, die Änderung hänge damit zusammen, dass die kleinen Banken heftig gegen die frühere Öffnung als bei den großen Instituten protestiert hätten. Sie hätten einen Ansturm der Kunden befürchtet.

Die Regierung des Landes hatte sich in der Nacht zum Montag mit seinen internationalen Partnern auf Milliardenkredite geeinigt, im Gegenzug muss die Bankenbranche schrumpfen. Anders als bei den Hilfen für Irland und Portugal sollen reiche Kontoinhaber an der Rettung beteiligt werden.

Was genau die Bankkunden erwartet, ist weiter unklar. Die Laiki Bank soll ganz geschlossen und abgewickelt werden. Wer dort mehr als 100.000 Euro eingezahlt hat - bis zu diesem Betrag greift die Einlagengarantie -, droht, einen Großteil seines Geldes zu verlieren. Wie viel genau das sein wird, dürften die Betroffenen erst in einigen Monaten wissen. Bei der Bank of Cyprus könnten Kunden derselben Größenordnung bis zu 40 Prozent ihrer Einlagen verlieren, heißt es im zyprischen Parlament.

Präsident Nikos Anastasiades räumte in seiner Ansprache ein, dass die mit den internationalen Partnern erreichte Vereinbarung hart sei. Sie sei jedoch "unter den Umständen die beste, die wir erzielen konnten".

Arbeitsminister Harris Georgiades warnte derweil vor einer tiefen Rezession und steigender Arbeitslosigkeit. Er sagte der "Bild"-Zeitung, die Korrektur des Bankensystems werde die produktiven Sektoren der Wirtschaft in große Schwierigkeiten bringen. "Wir werden durch eine sehr schwere Zeit gehen."

bos/Reuters/AP/dpa

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insgesamt 159 Beiträge
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1. Chaotisches Krisenmanagement der Euro-Retter
cicero_muc 26.03.2013
" ..... Vor allem zyprische Unternehmer fürchten derweil um ihr Geld: Sie sehen durch das chaotische Krisenmanagement der Euro-Retter ihre Existenz bedroht." . . So so, die Retter sind Schuld. 10% nominale Steuern, die dann auch noch mal reduziert werden können, hmmm ganz nett, so lässt sich doch leben. Wenn den chaotischen Politikern und Bankstern auf Zypern der selbstgebaute Sprengsatz um die Ohren fliegt, dann sind dann die Retter Schuld wenn es "aua" macht. Wenn jemand sich jemand in einem Fahrzeug mitnehmen lässt, welches recht offensichtlich und frohgemut in Crashtest-Manier volle Fahrt aufnimmt mit dem Navi eingestellt auf die weithin sichtbare Betonwand, der sollte zum einen auf der Rückbank keine Party feiern, und sich zum Zweiten nicht über die Rettungsmannschaft beschweren, die die Kiste aufschweißen muss und die lädierten Insassen in letzter Sekunde noch rausklauben muss. Wenn hier etwas chaotisch ist, dann ist es die Organisation der wertenden Wahrnehmung des einen oder anderen SPON-Autors.
2. ..ioten gegen ;;ioten!!
papayu 26.03.2013
Da hat nun monatelang ein ZyprIOT auf ein deutsches Auto gespart und nun kann er es nicht kaufen, obwohl er BAR bezahlt haette Es handelt sich hier nicht um eine Krise sondern um eine Einleitung zum Bankrott!! Was geschieht, wenn die Insulaner auf Zypern nun in eine MALL zum einkaufen gehen und per Scheckkarte bezahlen wollen und die Konten sind gesperrt?? Was geschieht dann?? Oder, wenn es ab sofort wieder Lohntueten gibt, und nicht ein einziger Euro auf den Konten ist?? Ja was wohl?? Und in Nikosia stehen Tausende von Autos rum und keiner kann das bezahlen!! Vor ca. 90 Jahren hatten wir schon einmal dieses Problem aber nur in Deutschland!! Dann sind des Herrn Schaeuble verschwundene 100.000 Euro noch so viel wert, dass er sich gerade noch einen Lolly dafuer kaufen kann!!
3. Zyprische Unternehmer fürchten derweil um ihr Geld
pri-hh 26.03.2013
hier läuft das, auf das wir gewartet haben und auf das wir uns alle vorbereiten müssen. Das globale Finanzsystem von ungedeckten Guthaben, das Schneeballsystem der Rockefellers (etc.), beginnt zu bröckeln. In Europa,- bzw. in EURO ist das eventuell von den Protagonisten sogar so gewollt – aber wie lange es gestoppt werden kann, bevor Revolutionen ausbrechen???
4. die politlautsprecher sind mehrheitlich 2te liga
micromiller 26.03.2013
Zitat von sysopDie Kunden müssen weiter warten, die Verunsicherung wird größer. Am Abend hieß es noch, die kleinen Banken Zyperns seien am Dienstag wieder geöffnet. Um Mitternacht kam die Wende. Alle Geldinstitute sollen nun erst am Donnerstag öffnen. Krise in Zypern: Banken bleiben weiter geschlossen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/krise-in-zypern-banken-bleiben-weiter-geschlossen-a-890905.html)
das ist unser eigentliches problem. selbst ihre entscheidung kurz vor dem tiefenschlaf bekommen sie nicht terminiert. herr Dijsselbloem hat nun versehentlich, weil uebermuedet, darauf hingewiesen, dass in zukunft ueberall enteignet wird wo es passt. nachdem er dann verstanden hat was er gesagt hat, sellte er fest, dass das ja nicht so gemeint war. sicher wird morgen entschieden, weil das hoeschen voll ist ..das das mit den oeffnungszeiten auch nicht so gemeint war.. europa was
5.
Le petit Suisse 26.03.2013
Hungerlöhne, soziale Unrast, hohe Arbeitslosenzahlen, staatliche Raubzüge auf Sparguthaben und Pensionsgelder, Demonstrationen, Suppenküchen, Kriegsrhetorik usw. Nein, nein ! Ich spreche nicht von der Situation vor hundert Jahren! Ich rede von einem Monster genannt Euro, das einige Phantasten immer noch gutreden!
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