Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Krisenangst: Deutsche bunkern ihre Euro

Die Angst vor dem Absturz in die Armut ist in Deutschland tief verwurzelt - und die gegenwärtige Krise nehmen viele als ernste Bedrohung wahr. Die Deutschen sparen in der europäischen Schuldenkrise so eifrig wie seit 17 Jahren nicht mehr.

Galeries Lafayette in Berlin: Deutsche stellen Konsum zurück und sparen Zur Großansicht
Corbis

Galeries Lafayette in Berlin: Deutsche stellen Konsum zurück und sparen

Berlin - Konsum steht in Deutschland derzeit klar an zweiter Stelle. Zuerst kommt die Absicherung - die Absicherung vor der Armut. Diesen Trend belegen die Zahlen des Statistischen Bundesamts eindrücklich. Im Schnitt legten danach die Verbraucher 15,2 Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante. Allein seit vergangenem Jahr stieg die Quote damit um 0,2 Prozentpunkte.

"Höher war die Sparquote zuletzt im ersten Quartal 1993", sagte eine Statistikerin. Die gesteigerte Sparlust ging dabei auf Kosten des Konsums: Die Verbraucher gaben 0,8 Prozent weniger aus als im Vorjahr. Das drosselte das Wachstum. Die Verbraucher sparen in der Regel im ersten Quartal besonders viel.

Doch auch bereinigt um saisonale Effekte brachten die Deutschen mehr Geld zur Bank: Mit 11,6 Prozent war die saisonbereinigte Sparquote ebenfalls so hoch wie seit 1993 nicht mehr und 0,3 Prozent höher als vor einem Jahr. Dabei spiele die Verunsicherung der Verbraucher eine Rolle, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim: Häufig steigt die Sparquote in Deutschland in Rezessionen an. Die Verbraucher legen dann aus Angst vor Arbeitslosigkeit oder höheren Belastungen durch den Staat mehr Geld zur Seite.

Allerdings ist die Arbeitslosigkeit bisher kaum gestiegen, viele Firmen haben aus Sorge vor Fachkräftemangel Entlassungen mit dem Einsatz von Kurzarbeit vermieden, und inzwischen deuten Umfragen sogar wieder auf Neueinstellungen hin. Zudem hat sich die Regierung erst nach Quartalsende von den angekündigten Steuersenkungen verabschiedet.

"Die hohe Sparquote in Deutschland ist ein Phänomen", resümiert Kastens. Beim Sparen gehören die Deutschen weltweit zu den Spitzenreitern: In den USA etwa lag die Sparquote im März nur noch bei 2,7 Prozent und damit so niedrig wie seit September 2008 nicht mehr.

mik/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 103 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Merkelmurks
Baikal 21.05.2010
Zitat von sysopDie Angst vor dem Absturz in die Armut ist in Deutschland tief verwurzelt - und die gegenwärtige Krise nehmen viele als ernste Bedrohung wahr. Die Deutschen sparen in der europäischen Schuldenkrise so eifrig wie seit 17 Jahren nicht mehr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,696254,00.html
Nach Meinung des Sachverständigenrates wird der Einbruch beim Export dann eben durch eine gesteigerte Konsumneigung ausgeglichen - soviel zu dieser Wissenschaft. Schließlich brauchen nur die Steuern gesenkt zu werden und schon springt die Inlandsnachfrage an - soviel zu der Dummheit der Politiker.
2. ...
Huuhbär, 21.05.2010
Mich verwundert das Verhalten der Bevölkerung von Deutschland nicht. Eigentlich hat doch jeder von seiner Oma bzw. vom Opa oder Eltern geschildert bekommen wie arm und wie viel Hunger sie durch den zweiten Weltkrieg erfahren hatten. Auch wenn man das nicht selbst erlebt hat, dennoch steckt das in einem drin.
3. Nicht sparen
aliaxe 21.05.2010
Zitat von sysopDie Angst vor dem Absturz in die Armut ist in Deutschland tief verwurzelt - und die gegenwärtige Krise nehmen viele als ernste Bedrohung wahr. Die Deutschen sparen in der europäischen Schuldenkrise so eifrig wie seit 17 Jahren nicht mehr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,696254,00.html
Eigentlich irrsinnig jetzt die Euros auf die Seite zu legen. Wenn der Euro immer weiter den Berg runtergeht bringt einem das schöne Geld auf dem Konto nichts mehr. Außerdem werden neue Steuern kommen. Lieber das Geld jetzt in Sachwerte anlegen bevor die Mehrwertsteuer erhöht wird und die Inflation gnadenlos zuschlägt. Außerdem bekommt man jetzt für sein Geld sehr sehr niedrige Zinsen.
4. Wer bunkert was?
Schlaubi555 21.05.2010
Zitat von sysopDie Angst vor dem Absturz in die Armut ist in Deutschland tief verwurzelt - und die gegenwärtige Krise nehmen viele als ernste Bedrohung wahr. Die Deutschen sparen in der europäischen Schuldenkrise so eifrig wie seit 17 Jahren nicht mehr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,696254,00.html
Die reichsten 30% bunkert die Knete der ehemaligen Mittelschicht und verklappt sie dann nach Liechtenstein. Ein funktionierendes Wirtschaftssystem ist anders.
5. Wen wunderts?
Omi, 21.05.2010
Ganz ehrlich, wer seine 5 Sinne beisammen hat, wird dem kurzfristigen, momentanen vagen "Aufschwung" als das sehen, was er ist - eine Eintagsfliege. Da ist nicht nur der enorme Schuldenberg der letzten vierzig Jahre, sondern auch noch die Finanzhilfe für Griechenland und der Eurostabilitätspakt. Jahrelang ist uns erzählt worden wir müssten sparen, sparen, sparen. Und als es jeder glaubt geht der Staat hin und verscheuert Milliarden ins Ungewisse - und jeder kann sich an den 5 Fingern seiner Hand abzählen, dass der Steuerzahler mal wieder dafür geradestehen muss. Musste man nicht jüngst in diversen Tickern lesen, dass das deutsche Wirtschaftsinstitut geraten hat, die Mehrwertsteuer auf 25% anzuheben? Da spart man doch lieber beizeiten, um sich dann neben Grundbedarf abundan mal ein Stück Schokolade leisten kann...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Die Säulen des Sozialsystems
Arbeitslosenversicherung
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
Krankenversicherung
Es gibt zwei Arten von Krankenversicherungen - die Gesetzliche (GKV) und die Private (PKV). Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in der GKV pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt aktuell 15,5 Prozent für alle Versicherten. Zusätzlich können die Krankenkassen vom Einkommen unabhängige Beiträge erheben. Seit Anfang 2009 fließen alle Beiträge in einen Gesundheitsfonds, aus dem sie an die Kassen verteilt werden. Der Zugang zur PKV steht nur Selbstständigen und Arbeitnehmern oberhalb einer Einkommensgrenze offen.
Rentenversicherung
Die Beiträge werden durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem die Berufstätigen die Leistungen der Rentner zahlen. Anhand der eingezahlten Beiträge wird die künftige Rentenhöhe errechnet. Zurzeit liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Im Januar 2013 sinkt der Beitrag auf 18,9 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird derzeit stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre heraufgesetzt.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist die jüngste der Sozialversicherungen in Deutschland. Sie ist eine Grundversicherung, die einen Teil der Pflegekosten abdeckt.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: