Weg aus der Euro-Krise Portugal punktet mit erfolgreichen Reformen

Es gibt noch Lichtblicke im Krisen-Europa: Nach umfangreichen Reformen wird Portugal bald wieder ohne Finanzhilfen auskommen und als Vorbild für andere Staaten taugen - das prophezeit laut "FAZ" eine Studie des Centrums für Europäische Politik.

Demonstration in Lissabon: Hartes Sparprogramm bringt Portugal aus der Krise
AFP

Demonstration in Lissabon: Hartes Sparprogramm bringt Portugal aus der Krise


Frankfurt am Main - Der Befund ist politisch hoch sensibel: Die von der EU geforderten harten Reformen in den europäischen Krisenländern wirken. Wenn Brüssel den Druck aufrecht erhält, kommen die hoch verschuldeten Mitgliedstaaten von alleine wieder auf die Beine. Das ist laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") das Ergebnis einer Studie des Centrums für Europäische Politik (CEP) in Freiburg.

Als positives Beispiel nennt die Untersuchung Portugal, das im vergangenen Jahr unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen musste. Der CEP-Studie zufolge steigt die Kreditfähigkeit des Landes wieder - schon von 2015 an könnte das Land demnach wieder ohne Hilfsgeld auskommen und zum Reformvorbild werden. Die Aussichten für die weiteren Krisenländer Griechenland, Italien und Spanien sind der Untersuchung zufolge allerdings eher trübe.

Die CEP-Ökonomen Lüder Gerken und Matthias Kulle haben in der Studie die Kreditfähigkeit der vier südeuropäischen Ländern mit einem Schuldenindex berechnet. Der CEP-Default-Index stellt dar, inwiefern ein Land die Auslandsschulden zurückzahlen kann. Für Portugal ist er zwar negativ, hat sich jedoch im Vergleich zum Vorjahr gebessert.

"Es gibt substantielle Beweise, dass die Reformpolitik in Portugal wirkt", sagte Gerken der "FAZ" zufolge. Vor dem Treffen der europäischen Regierungschefs am Donnerstag appelliert er an die Politiker, den harten Pfad der Reformen weiter zu gehen. Die Staats- und Regierungschefs sollten nicht einknicken und die Schulden vergemeinschaften. Südeuropa dürfe Reformanstrengungen nicht aufgeben. Spanien und Italien sollten den Weg von Portugal einschlagen.

"Italien kann die Hilfsprogramme sprengen"

In Italien ist der Schuldenindex im dritten Jahr nacheinander negativ. "Die Zukunft der Euro-Zone hängt von der Reformbereitschaft in Italien ab, da das Land aufgrund seiner Größe die Leidensfähigkeit der Hilfsprogramme sprengen würde", heiße es in der Studie. Griechenlands Kreditfähigkeit hat 2011 einen Negativrekord erreicht. Aufgrund der mangelnden Reformbereitschaft werde sich Griechenland "ohne ein institutionalisiertes System von Transferzahlungen, das einen permanenten Staatenfinanzausgleich ermöglicht, nicht als Mitglied der Euro-Zone halten lassen", schreiben die Autoren.

Der Schuldenindex für Spanien war 2011 noch leicht positiv, aber er geht zurück. Zahlreiche Reformen habe das Land eingeleitet, um wettbewerbsfähiger zu werden. Die Herausforderungen seien jedoch enorm. Das Land müsse die Wirtschaft vom Bausektor hin zu handelbaren Gütern neu ausrichten. Das brauche Zeit.

Der Schuldenindex des CEP besteht aus dem gesamtwirtschaftlichen Finanzierungssaldo, dem Auslandskreditbedarf, und aus dem Niveau der kapazitätssteigernden Investitionen. Der Gedanke dahinter: Ein Land, das Kapital aus dem Ausland importiert, sollte mit diesem die Produktionskapazitäten erhöhen, um mit den Erträgen die Auslandsschulden begleichen zu können. Fällt der CEP-Default-Index unter null, übersteigen die Nettokapitalimporte die kapazitätssteigernden Investitionen.

nck/dpa/AFP

insgesamt 66 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tailspin 27.06.2012
1. Gefaelligkeitsstudie?
Zitat von sysopAFPEs gibt noch Lichtblicke im Krisen-Europa: Nach umfangreichen Reformen wird Portugal bald wieder ohne Finanzhilfen auskommen und als Vorbild für andere Staaten taugen - das prophezeit laut "FAZ" eine Studie des Centrums für Europäische Politik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,841138,00.html
Die erste und einzig relevante Frage ist: Wer hat diese Studie finanziert?
cipo 27.06.2012
2.
Zitat von sysopAFPEs gibt noch Lichtblicke im Krisen-Europa: Nach umfangreichen Reformen wird Portugal bald wieder ohne Finanzhilfen auskommen und als Vorbild für andere Staaten taugen - das prophezeit laut "FAZ" eine Studie des Centrums für Europäische Politik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,841138,00.html
Klasse! Das Land wird wieder kreditfähig sein, seine Bevölkerung aber verarmt auf der Straße leben. Wen interessieren schon noch solche Kleinigkeiten? Das Centrum für Europäische Politik sollte sich die aus Portugal gelieferten Zahlen besser genau ansehen: die sind nämlich hinten und vorne trickreich geschönt.
santaponsa 27.06.2012
3. Na also, ...
... geht doch in Portugal und auch in Irland! Wenn der "Junkie von der Nadel genommen wird", landet er zunächst im Delirium und wünscht sich ... Eurobonds, damit er die Verschuldungs-Spritze weiter ungestraft ansetzen kann und landet dann - für alle anderen Euro-Staaten in der VERGEBLICHKEITS-FALLE, also in immer höhere Schuldenberge. Danke, Frau Merkel, dass Sie diesen Mechanismus durchschaut haben!
odysseus33 27.06.2012
4. Quacksalberei
Man glaubt langsam gar nichts mehr. Die ganze Zeit hieß es dass Spanien "nur" eine Bankenkrise, ähnlich USA, wegen der Immobilienblase hatte. Direkt vorher noch ein Musterknabe war. Ansonsten aber bis hin zu Auto-Industrie modern und wettbewerbsfähig war. Nun soll sich das Land komplett neu "ausrichten". Es kommt einem vor wie im Mittelalter als "Doktoren" um ein Krankenbett standen und sich gestritten haben ob Aderlass oder Ave Maria hilft weil der Patient wahlweise am Zipperlein oder bösen Blick leide. Diese Wichtigtuerei und Kurpfuscherei von Halbwissenden die die Völker quälen ist unerträglich, vor allem wenn sie auf europäischer Ebene, federführend von Deutschland durchgeführt wird. Vor allem wenn etwas kuriert werden soll was eigentlich ein Gen-Defekt ist: der Euro ist fundamental falsch konzipiert. Erst wenn es den nur noch für voll kompatible Ländern gibt, können die Länder für sich, abgesehen von der Kerntruppe, sich wirksam aus der Sache herausquälen.
mlbn 27.06.2012
5. Bisher haben
überall in europa die lohnabhängigen Arbeitnehmer, Arbeitslose und Arme die Zeche für das Zocken der Reichen und Schönen bezahlt, leider schreibt der Autor nichts über den Inhalt der Reformen. Ich vermute jedoch, dass wieder mal die kleinen Leute bluten mussten. Schade das der Spiegel so wenig über die Ursachen der vielen Krisen und die wahren Verursacher schreibt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.