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Krisenfonds: Die wundersame Geldvermehrung der Euro-Retter

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Wie macht man aus dem europäischen Rettungsschirm eine Art Zaubertopf, der nie leer wird? Diese Frage wollen die Krisenmanager auf dem Euro-Gipfel klären. Die Idee: eine Art Teilkaskoversicherung soll Investoren anlocken. Doch nicht allen ist das geheuer.

Krisenmanagerin Merkel mit Kollegen: Gewaltige Summen Zur Großansicht
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Krisenmanagerin Merkel mit Kollegen: Gewaltige Summen

Hamburg - Die Summe ist gewaltig: 440 Milliarden Euro stecken die Euro-Staaten in den Rettungsfonds EFSF. Schuldengeplagte Euro-Länder sollen sich dort Geld leihen können. Doch es zeichnet sich bereits ab, dass die Summe nicht reichen könnte. Deshalb versuchen es die Euro-Retter mit einem Kniff: Mit derselben Summe wie bisher wollen sie deutlich mehr Staatsschulden der Krisenstaaten absichern.

Nach der herkömmlichen Methode würde das Geld schnell knapp: Zehn Prozent der 440 Milliarden sind bereits für Irland und Portugal verplant. Außerdem soll das noch ausstehende zweite Hilfspaket für Griechenland vom EFSF finanziert werden. Künftig darf der Fonds selbst Anleihen von Krisenstaaten kaufen, um diese zu stützen. Doch sollte ein zusätzliches Land wie Italien oder Spanien auch noch unter den Rettungsschirm schlüpfen, wären die EFSF-Mittel sehr schnell erschöpft.

Aber noch höhere Zusagen als bisher will kein Land mehr machen. So garantiert Deutschland bereits mit 211 Milliarden Euro. In vielen Parlamenten, auch im Bundestag, stimmten Abgeordnete nur mit Widerwillen den hohen Summen zu. Eine weitere Erhöhung bekämen einige Regierungschefs in ihren Ländern nicht mehr durch.

Darum wollen die Euro-Retter einen Finanzkniff nutzen, um das Geld des Fonds möglichst effizient einzusetzen - ohne weiter zuschießen zu müssen. Das Zauberwort lautet Hebel.

Doch wie könnte der funktionieren?

Politiker und Finanzexperten diskutieren derzeit eine sogenannte Versicherungslösung. Statt selbst Anleihen zu kaufen, soll der EFSF private Investoren anlocken, damit diese wieder Schuldpapiere von Krisenstaaten wie Griechenland, Irland oder Portugal kaufen. Im Gegenzug sichert der Fonds dann zu, Investoren einen gewissen Teil der Darlehen gegen Verluste im Falle eines Schuldenschnitts abzusichern.

Geht alles gut, könnte der Fonds dazuverdienen

Laut der Nachrichtenagentur Reuters soll jedes Land, das von der Absicherung seiner Anleihen profitiert, voraussichtlich eine Gebühr an den EFSF zahlen. Geht alles gut und kann ein Land seine Gläubiger normal bedienen, macht der EFSF sogar ein gutes Geschäft.

Im Gespräch ist, dass der Fonds bei neu gegebenen Anleihen ein Verlustrisiko von 20 bis 30 Prozent übernimmt. Er würde also wie eine Art Teilkaskoversicherung funktionieren.

Ein Rechenbeispiel mit der 30-Prozent-Lösung: Ein Krisenstaat will sich frisches Geld am Markt besorgen. Er begibt Staatsanleihen und verspricht für jedes verkaufte Papier eine Rückzahlung von 100 Euro am Ende der Laufzeit. Statt selbst Anleihen zu erwerben, will der EFSF Anlegern den Kauf schmackhaft machen. Er übernimmt die Versicherung für einen Teil der Verluste im Falle einer Staatspleite.

Kann ein Staat seine Schulden nicht mehr zurückzahlen, kommt es zu einem sogenannten Schuldenschnitt. Die Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Im Falle Griechenlands etwa wird ein Schuldenschnitt von 50 Prozent diskutiert. Träte dieser ein und wären griechische Anleihen mit einem Ursprungswert von 100 Euro pro Stück vom EFSF mit 30 Prozent versichert, würde der Fonds mit 30 Euro einspringen. Die Gläubiger müssten nur 20 Euro Verlust pro Anleihe tragen.

Mit der Versicherungslösung spart der Fonds ordentlich Geld: Anstatt selbst die Anleihen zu kaufen, garantiert er nur für 30 Euro, hat aber 100 Euro Finanzierung für das Krisenland sichergestellt.

Furcht vor dem Fass ohne Boden

Laut Reuters ist auch eine Versicherungsvariante im Gespräch, bei der private Gläubiger im Falle eines Verlusts stärker beteiligt würden. Dann würden zum Beispiel die ersten zehn Prozent der Verluste von den privaten Investoren übernommen, die nächsten 15 Prozent vom EFSF und der Rest wieder von den Investoren. Allerdings ließen sich mit diesem Modell wohl weniger Interessenten für riskante Anleihen anlocken.

Die Vorteile des Hebels wären:

  • Der EFSF müsste nicht selbst in Anleihen investieren.
  • Durch die Absicherung für Investoren könnte der Anleihemarkt wieder in Schwung kommen, die Zinsen, die die Länder zahlen müssen, würden wieder sinken. Gerade bei Ländern wie Italien oder Spanien könnte dies funktionieren, da die meisten Experten davon ausgehen, dass beide Länder grundsätzlich zahlungsfähig sind.
  • Dadurch könnten sich Krisenländer wieder Luft verschaffen.

Doch trotz des Hebels müssten die Schuldensünder ihre Finanzen in Ordnung bringen, um das Vertrauen der Investoren wiederzugewinnen. Die Versicherungslösung könnte ihnen hierbei lediglich mehr Zeit bringen.

Experten sehen zudem die Gefahr, dass der EFSF für zu viele Anleihen Garantien abgibt oder die Ausfallwahrscheinlichkeit von Papieren unterschätzt wird - und Deutschland am Ende noch mehr für Krisenländer berappen muss. Wie auch immer ein Hebel am Ende ausgestaltet wird - der Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble gelobt, die deutsche Haftungsobergrenze von 211 Milliarden Euro werde nicht überschritten. "Das ist es. Punkt, Aus, Schluss, Basta!"

mit Material von Reuters und dpa/AFX

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insgesamt 81 Beiträge
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1. Hebelwirkung wurde ausgeschlossen
weltbetrachter 19.10.2011
In der Bundestagsdebatte hat unser Finanzminister genau diese "Hebelwirkung" definitiv ausgeschlossen. --- Sollte der aber jetzt doch kommen, muß unser Parlament dazu abstimmen. Wenn das durchgeht, ist der letzte Funken Vertrauen in unsere Politiker verspielt. Dann kann jeder machen was er will. --- Der Hinweis auf Recht und Gesetz ist dann in diesem Land gar nichts mehr wert. Wir befinden uns momentan demokratisch auf sehr dünnem Eis.
2. Retter gesucht !!!
weltbetrachter 19.10.2011
Gibt es jemanden, der in diesem Land stark genug ist, diesem Treiben der Regierung Einhalt zu gebieten ?? -- DAS muß die Stunde unseres Bundespräsidenten werden. Wie sagte der so schön in einer Rede: "Wer rettet am Ende die Retter ?" Herr Wulff, jetzt ist es an der Zeit, dieser enormen Verschuldungsorgie mit Hebel usw. ein für alle mal einen Riegel vorzuschieben ! Sonst bleibt letztlich wieder nur das Bundesverfassungsgericht.
3. Wie ?
Mik. 19.10.2011
Mit virtuellem Geld für Angie und Sarko .....
4. Och
schensu 19.10.2011
Zitat von sysopWie macht man aus dem europäischen Rettungsschirm eine Art Zaubertopf, der nie leer wird? Diese Frage wollen die Krisenmanager auf dem Euro-Gipfel klären. Die Idee: eine Art Teilkaskoversicherung soll Investoren*anlocken. Doch nicht allen ist das geheuer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792800,00.html
den Spekulanten scheint das einzuleuchten. Oder warum macht der Ölpreis einen Jubelsatz von über 5$ je Barrel? Betreutes Zocken ist das!
5. soso
ichbinich2011 19.10.2011
Im Prinzip ist das doch blos ein Lockvogel, damit sich Länder wie Griechenland, Irland, Portugal und Italien nach belieben weiter verschulden können, weils ja genügend Zocker gibt die gefallen daran haben wenn der Steuerzahler für ihre Geldsicherheit garantiert..... FRECHHEIT!!!! Wenn man anschaut, dass im Devisenhandel jedes Jahr 12 mal so viel Geld umgesetzt wird als in der Realwirtschaft, dann kommt man nicht mehr drum herum sich zu fragen was das soll. Warum gibts in Europa keine soziale Marktwirtschaft? Die hat in den 60er Jahren wunderbar funktioniert, bis ein paar Idioten auf die Idee gekommen sind Kapitalwachstum bis zum Wahnsinn zu betreiben. Ein Beispiel: der ESFS ist nichts anderes als Schulden machen um noch mehr Schulden machen zu können!
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.


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