Krisenland Portugal drückt Staatsdefizit mit Rentenkassen-Trick

Es wirkt wie eine gute Nachricht - aber nur auf den ersten Blick: Portugal erfüllt seine Defizitziele und macht weit weniger Schulden als im vergangenen Jahr. Möglich ist das aber nur mit einem Trick. Der Staat leiht sich de facto Geld aus den Pensionskassen von Banken.

Portugiesisches Parlament in Lissabon: Ziele für 2012 bereits jetzt erfüllt
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Portugiesisches Parlament in Lissabon: Ziele für 2012 bereits jetzt erfüllt


Lissabon - Die Lücke in Portugals Haushalt wird kleiner: Im dritten Quartal betrug das Defizit des krisengeplagten Euro-Landes 3,8 Prozent der Wirtschaftsleistung. Im gleichen Zeitraum 2010 waren es noch 7,1 Prozent. Insgesamt beläuft sich der Fehlbetrag in den ersten Monaten dieses Jahres laut der Statistikbehörde INE auf 6,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Im Frühjahr musste das Land unter den Rettungsschirm von EU und Internationalem Währungsfonds schlüpfen. Als Gegenleistung für ein 78 Milliarden Euro schweres Hilfspaket verpflichtete sich Portugal, sein Defizit in diesem Jahr auf 5,9 Prozent zu senken. Ministerpräsident Pedro Passos Coelho versicherte aber jüngst, sein Land werde die Haushaltslücke noch weiter schließen und das erst für 2012 vereinbarte Defizitziel von 4,5 Prozent bereits dieses Jahr erreichen.

Allerdings ist diese Leistung laut amtlichen Angaben vor allem aufgrund eines Tricks möglich: Der Staat lässt sich von den vier größten Banken des Landes rund sechs Milliarden Euro aus Pensionskassen auszahlen. Als Gegenleistung wird in Zukunft der Staat die Renten der Bankangestellten finanzieren müssen - de facto hat Portugal also einen Weg gefunden, sich Geld zu leihen, ohne sein Defizit zu erhöhen.

Laut der portugiesischen Schuldenagentur wird Portugal sich im nächsten Jahr 17,4 Milliarden Euro beschaffen müssen, um ablaufende Anleihen zu tilgen. Dazu wolle man überwiegend Anleihen mit kurzen Laufzeiten von drei bis sechs Monaten ausgeben. Die Rating-Agenturen Fitch und Moody's haben die Kreditwürdigkeit des Landes inzwischen auf Ramschniveau gesenkt.

fdi/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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mimas101 29.12.2011
1. Soweit zum Thema
wie lüge ich mir in die eigene Tasche. Dieser Defizitabbau ist mangels offenkundiger Masse lediglich ein Taschenspielertrick.
steupperg45 29.12.2011
2. das wissen auch die portugiesen
Überraschung! Auch die Portugiesen wissen nun, wie man noch ne Weile Zeit schindet, um die Belastungen, unter anderem der etablierten Generation(zu der ich sogar auch zähle) noch mal in die Zukunft zu rollen, bzw. in Schattenhaushalte zu verschieben.
chaika 30.12.2011
3. DE ist auch nicht besser
Zitat von mimas101wie lüge ich mir in die eigene Tasche. Dieser Defizitabbau ist mangels offenkundiger Masse lediglich ein Taschenspielertrick.
Den gleichen Vorwurf koennten Sie der Bundesregierung bzw. DE machen, saemtliche Verpflichtungen, die aus Pensionszusagen und Rentenverpflichtungen resultieren, werden bei der Defizitberechnung nicht beruecksichtigt. Insofern machen die Portugiesen nur das, was die Deutschen schon laengst gemacht haben.
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