Krisenprofiteur Deutschland kann sich fast umsonst verschulden

Deutschland profitiert enorm vom Euro-Desaster. Investoren flüchten aus Krisenstaaten und kaufen im großen Stil Bundesanleihen, weil die als sicher gelten. Für sechsmonatige Papiere sind jetzt nur noch 0,08 Prozent Zinsen fällig - die Bundesrepublik kann sich praktisch zum Nulltarif verschulden.

Reichstagsgebäude in Berlin: Die Anleger setzen in der Schuldenkrise auf deutsche Anleihen
dapd

Reichstagsgebäude in Berlin: Die Anleger setzen in der Schuldenkrise auf deutsche Anleihen


Berlin - Deutschland hat sich am Kapitalmarkt fast zum Nulltarif neues Geld besorgt. Der Bund lieh sich rund 3,8 Milliarden Euro bei Investoren, teilte die Finanzagentur mit, die für das Schuldenmanagement des Staates zuständig ist. Für die Papiere mit einer Laufzeit von sechs Monaten wird lediglich ein Durchschnittszins von 0,08 Prozent fällig. "Er lag damit so niedrig wie noch nie in diesem Segment", hieß es. Bei der vorangegangenen Auktion vor einem Monat waren es noch knapp 0,3 Prozent.

Grund für die Mini-Zinsen ist die Euro-Krise. Viele Investoren flüchten aus Krisenstaaten wie Italien oder Griechenland, auf der Suche nach sicheren Anlagen - zum Beispiel deutsche Bundesanleihen - geben sie sich dann mit niedrigsten Zinsen zufrieden. Der Bund hätte sogar mehr als doppelt so viele Papiere absetzen können, so stark war das Interesse. "Das Ergebnis der heutigen Auktion belegt die hohe Nachfrage nach Papieren des Emittenten Bund in einem nervösen Marktumfeld", erklärte die Finanzagentur.

Mit anderen Worten: Deutschland profitiert enorm von der europäischen Schuldenkrise, weil es für Anleger als sicherer Hafen gilt. Für diese Sicherheit sind Investoren bereit, deutliche Abschläge bei den Renditen hinzunehmen. Die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik wird wegen vergleichsweise solider Staatsfinanzen von allen großen Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet, womit ein Zahlungsausfall als höchst unwahrscheinlich gilt.

Die Frage der Zinshöhe ist für Deutschland enorm relevant: Der Bund will sich in diesem Jahr insgesamt 275 Milliarden Euro von Investoren leihen.

Italien muss Rekordzinsen bieten

Ganz anders die Lage in Italien: Das Land gerät an den Finanzmärkten massiv unter Druck. Investoren trennten sich am Montag von italienischen Staatsanleihen, was die Renditen auf den höchsten Stand seit 1997 trieb. Italien muss Anlegern nun für zehnjährige Papiere Zinsen von 6,59 Prozent bezahlen.

Italien gehört mit einem Schuldenstand von 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu den Sorgenkindern der Euro-Zone. In den vergangenen Wochen rückte das Land immer mehr in den Fokus der Schuldenkrise, weil die Regierung von Silvio Berlusconi die versprochenen Sparmaßnahmen nur zögernd umsetzt. Die Risikoaufschläge verglichen mit deutschen Staatsanleihen waren damit so hoch wie noch nie seit Einführung des Euro.

Akut spitzt sich die Krise in Rom weiter zu. Börsenhändler und Medien spekulieren, dass ein Rücktritt Berlusconis unmittelbar bevorstehen könnte.

cte/Reuters



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insgesamt 334 Beiträge
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_unwissender 07.11.2011
1. bald kommen Wahlen
Zu den kommenden Wahlen kommt sicher wieder die beste Tugend deutscher Politiker zum Vorschein: Wahlgeschenke. Wenn sie nichts kosten, dann wird es vielleicht eine Flut? Immerhin hat man die ersten paar Milliarden am Wochenende bereits verbraten. Spiele ich Prophet? Wenn dann der Tag X kommt, zu dem Deutschland abgeratet wird, dann wird total sicher jeder Beteiligte sagen: DAS KONNTE ZUVOR KEINER AHNEN!
Spiegeluniversum 07.11.2011
2. Obedience brings victory
Zitat von sysopDeutschland profitiert enorm vom*Euro-Desaster. Investoren flüchten aus Krisenstaaten und kaufen im großen Stil Bundesanleihen, weil die als sicher gelten. Für sechsmonatige Papiere sind jetzt nur noch 0,08 Prozent Zinsen fällig - die Bundesrepublik kann sich praktisch zum Nulltarif verschulden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,796316,00.html
Phew, Glück gehabt. Also brauchen wir die derzeitige Finanzpolitik der BRD nicht zu hinterfreagen. Strength Through Unity, Unity Through Faith
alexbln 07.11.2011
3. .
alles nur eine frage der zeit, bis auch D bonität schlechter bewertet ist- D hzat ebenso ein massives schuldenproblem und von ausgeglichenden haushalten war D seit jahren weit entfernt, auch wenn gerne etwas anderes versprochen wurde. aber die wahlgeschenke für die klientel der parteien kostet. egal ob hoteliers, rentner, harzter, ärtze oder sonstwer ist.
germinativ 07.11.2011
4. --
Das sind doch mal wirklich gute Nachrichten!
hpr1974 07.11.2011
5. wie wäre
es mal, sich nicht noch weiter zu verschulden? Aber bei den Zinsen gibt es sicher wieder einige wichtige dinge zu finanzieren...
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