Berlin - Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat mit Unverständnis auf die erneute Streikdrohung der Fluglotsen reagiert. "Niemand bestreitet, dass Fluglotsen einen verantwortungsvollen Beruf haben", sagte Ramsauer dem SPIEGEL. "Dafür werden sie aber auch gut entlohnt - mit Jahresgehältern um 120.000 Euro bei 25 Stunden Wochenarbeitszeit und 40 bis 50 Urlaubs- und Kurtagen."
Ramsauer, der sich bereits beim ersten Streikversuch der Lotsen in der vergangenen Woche empört zu Wort gemeldet hatte, legte nach: "Das müssen sie den Familien, die sich ihren Urlaub mühsam zusammengespart haben und dann womöglich wegen eines Streiks am Flughafen festsitzen, erst mal erklären", so Ramsauer weiter. "Ich habe wie diese Menschen kein Verständnis für Streiks in der Ferienzeit."
Der Tarifkonflikt müsse am Verhandlungstisch gelöst werden, sagte Ramsauer weiter. "Bei allem Verständnis im Einzelfall: Wenn jeder Teil einer Industriegesellschaft nur noch für sich selbst streitet, zerbröselt der gesellschaftliche Kitt."
Lufthansa prüft Klage
Im Tarifkonflikt der Fluglotsen hatte es auch am Freitag keine Annäherung gegeben. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) lehnte ein erneutes Gesprächsangebot der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) ab, weil es nicht mit einer verbesserten Offerte verknüpft war.
Man halte an dem Plan fest, an einem bereits feststehenden Tag in der kommenden Woche zu streiken, sagte der GdF-Verhandlungsführer Dirk Vogelsang. Der Ausstand werde mindestens 24 Stunden vorher angekündigt.
Einen für Donnerstag geplanten Lotsenstreik mit sechs Stunden Dauer hatte die GdF kurzfristig abgesagt, nachdem das Arbeitsgericht Frankfurt eine ihrer Forderungen als rechtswidrig eingestuft hatte.
Die 2600 Lotsen fordern 6,5 Prozent mehr Geld und vor allem mehr Einfluss in dem Unternehmen. Wegen eines Streiks mitten in der Urlaubszeit wurden die Lotsen auch von der Luftfahrt- und Tourismusbranche heftig kritisiert.
Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte vor den möglichen Schäden eines Lotsenstreiks. "Ein Stillstand des Luftverkehrs hätte immensen volkswirtschaftlichen Schaden zur Folge. Dies ist unverhältnismäßig", sagte Hundt der "Rheinischen Post".
Der Lufthansa ist eigenen Angaben zufolge bereits allein durch den angekündigten Streik ein wirtschaftlicher Schaden entstanden, weshalb die Fluglinie nun eine Klage prüft.
amz/dpa
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