Kritik vom Altkanzler: Helmut Schmidt greift Merkels Krisenpolitik an

Für Angela Merkel kommt es derzeit richtig dicke: Von allen Seiten muss die Bundeskanzlerin Kritik an ihrem Euro-Krisenmanagement einstecken. Nun hat sich auch einer ihrer Vorgänger zu Wort gemeldet: Ex-Regierungschef Helmut Schmidt warnt, Merkel isoliere Deutschland.

Altkanzler Helmut Schmidt: Mit Euro-Bonds gegen die Krise Zur Großansicht
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Altkanzler Helmut Schmidt: Mit Euro-Bonds gegen die Krise

Hamburg - Altkanzler gegen Kanzlerin: Helmut Schmidt (SPD) knöpft sich Angela Merkel (CDU) vor. Deren Verhalten in der Euro-Krise lasse Deutschland zunehmend allein da stehen, sagte Schmidt am Freitag auf dem Deutschen Wirtschaftsforum in Hamburg. "Merkel hat Deutschland mit ihrer Politik in Europa isoliert."

Schmidt verglich das Auftreten der Bundesregierung mit der deutschen Politik vor dem Ersten Weltkrieg. "Es ist noch nie gut ausgegangen, Deutschland in Europa zu isolieren", sagte Schmidt. "Der Wahn der Deutschen sich aufzuspielen, macht mir wirklich Sorgen."

Zuvor hatte Merkel bereits indirekt Kritik von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann einstecken müssen. "Das Vertrauen, dass Europa den richtigen Weg findet und die Führung hat, die es benötigt, um dieses Ziel zu erreichen, ist relativ gering", sagte Ackermann auf der gleichen Veranstaltung.

Auch das Ausland reagiert zunehmend verärgert auf Merkels Auftreten in der Krise. "Ich werfe Deutschland, einem Land, das ich zutiefst bewundere, vor, dass es in der gegenwärtigen Krise immer zu spät und unzureichend gehandelt hat", sagte der ehemalige italienische Ministerpräsident und frühere EU-Kommissionschef Romano Prodi im Deutschlandfunk. Man hätte Griechenland frühzeitig Haushaltsdisziplin verordnen und mit einer kleinen Geldsumme helfen sollen.

Altkanzler Schmidt empfiehlt zur Lösung der Krise indes die Einführung europäischer Gemeinschaftsanleihen, so genannter Euro-Bonds. "Entweder man verschuldet sich gemeinsam oder man zwingt die Europäische Zentralbank, die faulen Anleihen aufzukaufen", sagte Schmidt. Im letzteren Fall komme es allerdings "ganz schnell zu Inflation".

Keinesfalls dürfe Europa weiter auseinanderdriften, warnte Schmidt. Auch Schuldnern wie Griechenland müsse ihre Souveränität im staatlichen Handeln zunächst gelassen werden.

stk/dapd

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insgesamt 100 Beiträge
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1. Einspruch
Siloy 02.12.2011
Weder darf man sich gemeinsam verschulden noch darf die EZB faule Anleihen kaufen. Das erste ist verfassungswidrig, das zweite ein Vergehen der EZB gegen ihre Statuten. Der Vergleich mit der Lage Deutschlands vor dem Ersten Weltkrieg ist unpassend. Wir stehen nicht aus eigener Dummheit isoliert gegen ein überlegenes Bündnis in einer Zweifrontensituation, sondern wir behaupten unsere vitalen Interessen und unser gutes Recht innerhalb eines Bündnisses gegen Übergriffe einiger unserer Partner. Und das sehr wohl zum Vorteil Europas.
2. Nicht immer ist das, was alte Männer von sich geben,
adam68161 02.12.2011
auch sinnvoll. Schmidt hat viel verloren, seit er den Steigbügelhalter für Steinbrück abgab.
3. Auch Schmidt hat keine Antwort.
Litajao 02.12.2011
Auch Schmidt hat keine Antwort auf dieses Fiasko und versucht es deshalb mal mit der Quadratur des Kreises. Er will, dass alle ins Wasser springen, aber es darf Keiner Nass werden. Habe früher von Schmidt sehr viel gehalten, aber inzwischen sind seine Analysen nur noch das Geschwafel eines alten Mannes, der auch nicht mehr weiß, was da vor sich geht. Na ja, er wird ja seine Kommentare nicht ganz umsonst machen. Eine Stange Mint-Zigaretten wird da immer noch rausspringen.
4. Ach, der Herr Schmidt
Mentar 02.12.2011
Ein Besserwisser in seiner Kanzlerzeit, ein Besserwisser im Alter. Sorgt langsam dafür, dass meine Meinung von Kohl und Schröder steigt.
5. Der liebe Gott steh uns bei!
GustavMager 02.12.2011
Zitat von sysopFür Angela Merkel kommt es derzeit richtig dicke: Von allen Seiten muss die Bundeskanzlerin Kritik an ihrem Euro-Krisenmanagement einstecken. Nun hat sich auch einer ihrer Vorgänger zu Wort gemeldet: Ex-Regierungschef Helmut Schmidt warnt,*Merkel*isoliere Deutschland. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,801361,00.html
Jetzt kommt auch noch der Alte und redet den gleichen Käse daher. Lieber Schmidt, halten Sie doch endlich mal Ihre Schnauze und lassen andere arbeiten. Das wäre auch ein Beitrag, der einem weisen Mann angemessen wäre. Es mag vielleicht den einen oder anderen Regierungschef in Europa geben, der die Straßenseite wechselt, wenn Frau Merkel entgegen kommt. Ich bin mir aber 100% sicher, dass die Bevölkerungen in diesen Ländern eine deutlich höhere Meinung von Merkel haben, als von ihrer eigenen Regierung. Vielleicht ist es das, was Schmidt's Ego (GröKaZ) nicht verkraftet.
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