Zukunft des Euro: Ökonom Krugman hält Griechen-Austritt für unvermeidbar

Kann Griechenland im Euro bleiben? Nein, befindet der US-Volkswirt Paul Krugman in einem Interview mit dem SPIEGEL. Doch er sagt auch: Die Folgen eines Austritts werden "fürchterlich" sein. Mit der Politik der Bundesregierung geht der Wirtschaftsnobelpreisträger hart ins Gericht. 

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Paul Krugman: Die Griechen müssen sich vom Euro verabschieden

Der Großökonom findet klare Worte: Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hält einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone für unvermeidlich. "Ich hasse es, das so zu sagen, weil es so ist, als wenn man in einem vollbesetzten Theater 'Feuer' schreit", sagte der Princeton-Professor dem SPIEGEL. "Aber es gibt einfach keine Alternativen." Nichts von dem, was derzeit diskutiert werde, habe eine Chance, das Desaster wieder in Ordnung zu bringen.

Dabei gibt sich Krugman keinen Illusionen über die Folgen eines griechischen Euro-Endes hin: Der Austritt werde im ersten Jahr danach "fürchterliche Folgen" haben und "auch in den anderen Ländern der Euro-Peripherie zu einem Bank-Run und einer Massenkapitalflucht führen." Allerdings könne die Europäische Zentralbank (EZB) in Krugmans Augen die Flucht aus italienischen und spanischen Banken eindämmen, indem sie den Banken unbegrenzt Geld zur Verfügung stelle: "Wenn die EZB nicht eingreift, explodiert der Euro. Es brennt lichterloh, und wir müssen so viel Wasser ins Feuer gießen wie möglich."

Im Interview mit dem SPIEGEL kritisiert Krugman zudem die von der Bundesregierung propagierte Sparpolitik: "Mindestens seit zwei Jahren ist klar, dass dieses Rezept nicht funktioniert, und trotzdem wird es immer weiter als Erfolgsmodell gepredigt." Die Bundesregierung müsse der EZB signalisieren, dass drei bis vier Prozent Inflation kein Problem wären, und dürfe selbst nicht dem "Sparwahn" verfallen. Diese Forderungen hatte Krugman bereits Ende April in einem Essay für SPIEGEL ONLINE erhoben.

Krugman: "JP Morgan so verdammt mächtig"

Zudem kritisierte der Nobelpreisträger angesichts des Milliardenverlusts bei der amerikanischen Großbank JP Morgan Chase die politische Macht der Banken. "JP Morgan ist so verdammt mächtig, dass die Bank weiterhin die Reform des Finanzsystems verwässern kann, obwohl sie es gerade so übel verbockt hat."

Krugmans Forderung nach einem griechischen Euro-Austritt dürfte die Debatte um die Zukunft der Währungsunion erneut befeuern. Wie der SPIEGEL ebenfalls berichtet, haben die europäischen Finanzminister bei ihrem jüngsten Treffen Griechenland mit dem Rauswurf aus der Euro-Zone gedroht, falls sich das Land nicht an die vereinbarten Spar- und Reformauflagen hält. Am Freitag wiederum hatte die Bundesregierung Berichte dementiert, wonach Bundeskanzlerin Merkel der griechischen Staatsführung ein Referendum über den Verbleib im Euro vorgeschlagen habe.

Im Gegensatz zu diesen Signalen blieb der G8-Gipfel in Camp David der offiziellen europäischen Linie treu: Griechenland müsse unbedingt im Euro bleiben, konstatierten die sieben wichtigsten westlichen Wirtschaftsmächte und Russland in ihrer Abschlusserklärung.

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insgesamt 138 Beiträge
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1. Das...
Öhrny 20.05.2012
Zitat von sysopKann Griechenland im Euro bleiben? Nein, befindet der US-Volkswirt Paul Krugman in einem Interview mit dem SPIEGEL. Doch er sagt auch: Die Folgen eines Austritts werden "fürchterlich" sein. Mit der Politik der Bundesregierung geht der Wirtschaftsnobelpreisträger hart ins Gericht. Krugman fordert Austritt Griechenlands aus dem Euro - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,834077,00.html)
...nennt man ein Mantra: Griechenland muss den Euro behalten, Griechenland muss den Euro behalten, Griechenland mu..........., bis uns allen die Luft und der Euro ausgeht
2. Sehr geehrter
systemmirror 20.05.2012
Zitat von sysopKann Griechenland im Euro bleiben? Nein, befindet der US-Volkswirt Paul Krugman in einem Interview mit dem SPIEGEL. Doch er sagt auch: Die Folgen eines Austritts werden "fürchterlich" sein. Mit der Politik der Bundesregierung geht der Wirtschaftsnobelpreisträger hart ins Gericht. Krugman fordert Austritt Griechenlands aus dem Euro - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,834077,00.html)
Herr Krugmann. Wäre es nicht geschickter wenn Deutschland aus der EU austritt ? Dann kann sich Resteuropa mit Bonds selbst ins Knie schießen.
3.
gbk666 20.05.2012
Ökonom Krugman hält Griechen-Austritt für unvermeidbar Forum Poster GBK666 hielt den Griechen Austritt schon 2009 für unvermeidbar...hey..ich will jetzt "Experte" genannt werden!
4. Fehler der Vergangenheit, Fehler der Gegenwart
Gerdtrader50 20.05.2012
Der Euro explodiert nicht, er implodiert. Dies nur zur Begriffsfindung. Die Sparparolen Merkels sind falsch. Vermutlich stammen sie noch von Onkel Helmut, mit dem sie vermutlich heimlich immer noch telefoniert. Der aber hat doch erst recht keine Ahnung. Wer solche Schrottwaehrungen generiert, bzw. sich von einem franzoesischen Präsidenten dazu erpressen laesst, das ist doch erst recht eine absolute Waehrungsnull. Die Griechen werden wohl austreten, sogar ungezwungen von der Eurowährungsunion, weil das Volk sie dazu zwingen wird. Den Griechen passiert wenig, trotz aller Unkerei, die erklaeren den Staatsbankrott und zahlen keinen Cent mehr zurueck. Die drucken ihre Drachme neu oder aehnliches, gewinnen einen Teil ihrer Wettbewerbsfaehigkeit in den verblieben Segmenten des Exportes zurueck, dem Volk wird es besser gehen als unter dem Euro und dem merkelschen Spardiktat. Das wird zwar auch hart fuer die, aber nicht so hart wie andersrum. Richtig hart aber wird es dann fuer die grossmundigen Allesbesserwisser in Waehrungsangelegenheiten und Wirtschafts- und Finanzpolitik, die Superwaehrunggenies und Wirtschaftsfuehrer par execellence, Merkel, Schaeuble und Junker. Weil, es brechen der Reihe nach trotz bereits geaeusserter Dementis die Dominosteine Portugal, Spanien und Italien zusammen, die Reihenfolge kann auch andersrum gehen. Dann ist es aus mit der Gloriawaehrung von Waehrungsgenies ohne jegliche Ahnung von solchen Instrumenten. Dann fliegen sie Gott sei Dank sogar durch das geduldige Deutschen Volk aus ihren Posten, so wie sie es verdienen. Die Eurowaehrungszone zerbricht, die Nationalwaehrungen muessen wieder rekapitalisiert werden, Der Spuk ist zu Ende. Geht schneller, als gedacht.
5. !
mueller2 20.05.2012
Zitat von sysopKann Griechenland im Euro bleiben? Nein, befindet der US-Volkswirt Paul Krugman in einem Interview mit dem SPIEGEL. Doch er sagt auch: Die Folgen eines Austritts werden "fürchterlich" sein. Mit der Politik der Bundesregierung geht der Wirtschaftsnobelpreisträger hart ins Gericht. Krugman fordert Austritt Griechenlands aus dem Euro - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,834077,00.html)
Ganz abgesehen davon, daß es, streng genommen, keinen Wirtschaftsnobelpreisträger gibt (die Schwedische Reichsbank vergibt den „Preis für Ökonomische Wissenschaften in Erinnerung an Alfred Nobel“): Er sagt, man müsse "ganz viel Wasser" in den Brand gießen und meint aber Benzin (Geld). Schon Einstein erkannte, daß die Denkmuster, die in eine Krise geführt haben, herzlich wenig zu deren Lösung beitragen können.
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