München - Ihre Berufung war ein Signal für mehr Frauen in Führungspositionen: Ab 1. Juni wird Sabine Lautenschläger als erste Frau in den Vorstand der Bundesbank einziehen. Bisher ist sie bei der Finanzaufsicht BaFin für die Bankenaufsicht zuständig. In ihrer Rolle als Kontrolleurin warnt Lautenschläger nun vor Risiken durch sogenannte Schattenbanken. Dazu werden Finanzunternehmen außerhalb des herkömmlichen Bankengeschäfts gezählt, wie etwa Hedgefonds oder Zweckgesellschaften. "Wenn das Geschäft im regulierten Bereich nur geringen Gewinn erwirtschaftet, kann es in weniger regulierte Bereiche wandern, wo man mehr Geld verdient. Das ist das Risiko der nächsten zehn Jahre", sagte Lautenschläger der "Süddeutschen Zeitung".
Großbanken sieht die bisherige Aufseherin nicht als besonderes Risiko für künftige Finanzkrisen. Sie sprach sich dagegen aus, solche Institute zu zerschlagen. "Ich glaube nicht daran, dass die Zerschlagung großer Banken das Risiko vollständig beseitigen würde. Die Krise hat gezeigt, dass auch mittelgroße Institute in bestimmten Situationen systemisch relevant werden können."
Lautenschläger verteidigte auch die Rolle deutscher Großbanken. "Deutschland ist eine Exportnation. Wenn ich als Exporteur Fremdwährungsrisiken nicht selber tragen will, brauche ich solche Banken. Würden wir auf große deutsche Institute verzichten, wären diese Märkte sehr schnell von ausländischen Instituten besetzt", sagte sie. "Warum sollen nicht deutsche Institute, die hier auch Steuern zahlen, an deutschen Firmen verdienen?"
Lautenschläger wird die Bundesbank zusammen mit dem neuen Präsidenten Jens Weidmann führen. Zum Ablauf ihrer Berufung gab sich die 46-Jährige diskret. "Nur so viel: Es hat mich jemand angerufen", antwortete sie auf die Frage, ob Kanzlerin Angela Merkel oder Vizekanzler Guido Westerwelle sie angeworben habe. Die Mitarbeiter bei der Bundesbank können sich auf spontane Besuche ihrer künftigen Chefin einstellen. Sie wolle sich schnell in ihrem neuen Job einfinden, sagte Lautenschläger. "Zum Beispiel, indem ich bei dem einen oder anderen Kollegen im Büro vorbeischaue."
mmq/dapd
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Bundesbank | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH