Künstler und Journalisten Arbeitgeber beklagen Bürokratie bei Künstlersozialkasse

Die deutsche Wirtschaft übt harsche Kritik an der Künstlersozialkasse. Selbständige Künstler und Journalisten sollen allein für Rente, Kranken- und Arbeitslosenversicherung aufkommen.

Lasches Verfahren: Zwischenzeitlich brachten die Kontrollen "kaum noch Einnahmen"
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Lasches Verfahren: Zwischenzeitlich brachten die Kontrollen "kaum noch Einnahmen"


Die deutsche Künstlersozialkasse (KSK) ist weltweit eine einmalige Einrichtung: Sie dient der Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung selbstständiger Künstler und freiberuflicher Publizisten. Die Zahl der Versicherten liegt bei rund 180.000, Tendenz steigend: Vor 20 Jahren waren es 80.000 Versicherte.

Der deutschen Wirtschaft ist die derzeitige Konstruktion der KSK ein Dorn im Auge. Sie sei "ein weltweit einmaliger Sonderweg, der die Unternehmen mit unerträglichen Bürokratiekosten und höchster Rechtsunsicherheit belastet", sagte Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, der "FAZ".

Kritik kommt auch von Seiten des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall. Der Gesetzgeber müsse dringend den "verschärften Verwaltungsaufwand mit einer grundlegenden Reform des Verfahrens reduzieren", so Petra Credé, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Ausgleichsvereinigung der Metall- und Elektro-Industrie.

Wirtschaft fordert Reform

Die Künstlersozialversicherung finanziert sich zu knapp einem Drittel durch die Künstlersozialabgabe. Diese müssen zum Beispiel Verlage, Theater oder Unternehmen, die für ihre Produkte werben, auf Honorare an Künstler, Texter oder Autoren zahlen.

Die Wirtschaft hält den Aufwand für unverhältnismäßig. Nach Berechnungen der hessischen Unternehmerverbände falle bei den Arbeitgebern für jeden abgeführten Euro ein weiterer Euro Verwaltungskosten an. Das koste die Wirtschaft rund 250 Millionen Euro im Jahr, ließ die Vereinigung die "FAZ" wissen.

Der Gesetzgeber müsse den Aufwand dringend reduzieren, so der hessische Wirtschaftsvertreter Fasbender. Gelinge das nicht, müsse die KSK eben abgeschafft werden.

Zuletzt nahm die Künstlersozialkasse 250 Millionen Euro aus der Wirtschaft ein, 175 Millionen aus dem Bundeshaushalt und 460 Millionen aus Versichertenbeiträgen. Die Wirtschaft plädiert dafür, den Zuschuss von Unternehmensseite zu streichen. Die KSK-Versicherten sollten die Beiträge in Zukunft komplett selbst überweisen.

Die Wirtschaft will seit längerem weniger Geld für die KSK zahlen.

beb

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Nordstadtbewohner 29.08.2016
1. Steuergelder
"Zuletzt nahm die Künstlersozialkasse 250 Millionen Euro aus der Wirtschaft ein, 175 Millionen aus dem Bundeshaushalt und 460 Millionen aus Versichertenbeiträgen." Die "Einnahmen" der Künstlersozialkasse aus dem Bundeshaushalt sind Steuergelder. Das wird oft vergessen. An dieser Stelle muss der Steuerzahler Subventionen an Künstler und freie Publizisten (damit sind wohl eher freie Journalisten gemeint) subventionieren. So etwas sollte in der Tat aufhören und wie bei anderen sozialversicherungspflichtigen Personen abgerechnet werden.
schoenwetterschreiberling 29.08.2016
2. Tod der Dichter
Mit einer Abschaffung der KSK würde ein weiterer Teil der weltweit einzigartigen Kulturlandschaft Deutschlands verloren gehen. Jeder freiberufliche Künstler wäre nur noch damit beschäftigt, die notwendigen Sozialabgaben zu verdienen unabhängig davon, dass am Ende sowieso nur die Grundsicherung übrig bleibt. Eine Debatte um 240Mio Euro ist und bleibt bei den Summen, die andernorts durchs Sommerloch waberten, eine Scheindebatte.
Grammatikfreund 29.08.2016
3. Selber Schuld
Wenn die Wirtschaft die Leute - so wie früher - fest anstellen würde, dann gäbe es das Problem nicht. Erst outsourcen und sich dann über die Kosten Beschwerden (die immer noch geringer sind als die Kosten bei Festanstellung). Das ist wirklich an Dreistigkeit und Unverschämtheit kaum zu überbieten.
einwerfer 29.08.2016
4. Einfach nur widerlich
Völlig abgesehen davon, wie sinnvoll der bürokratische Aufwand bei der KSK ist, ist dieses ein weiteres Beispiel dafür, dass den Arbeitgebern und Unternehmern im Bereich Soziales immer nur eines einfällt: wegdrücken bzw. den Arbeitnehmern alleine aufdrücken. Ich habe es, solange ich mich erinnern kann - und das ist schon mehr als ein halbes Jahrhundert - noch nie erlebt, dass von dieser Seite jemals ein Angebot kam, freiwillig auf Gewinne zugunsten der Arbeitnehmer zu verzichten.
quittenmarmelade 29.08.2016
5. Da ist leider was dran...
Als langjährig bei der KSK Versicherter, der vor 10 Jahren auf die Arbeitgeberseite gewechselt ist, kann ich die Einschätzungen teilen. Die KSK-Abgabe verursacht unserem Verlag einerseits hohe Verwaltungskosten, da wir fast jährlich geprüft werden, andererseits sind die Abgabe-Grundlagen diskussionswürdig. Welche Leistung ist KSK-pflichtig und welche nicht, das ist oft Willkür. Aus der Sicht des langjärig Versicherten kann ich sagen, dass die KSK zum Großteil künftige Sozialfälle versichert. Der Künstler rechnet sein Einkommen IMMER klein und zahlt somit so wenig in die Altersvorsorge ein, dass im Alter nur die Grundsicherung bleibt. Vielen ist das allerdings überhaupt nicht klar. Wie immer in solchen Fällen stellt sich die Frage was einer Gesellschaft kulturelle Vielfalt Wert ist!
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