Ländervergleich Deutschland fällt bei Frauen-Gleichstellung zurück

Frauen haben in Deutschland keinen einfachen Stand. Im neuen Ländervergleich des Weltwirtschaftsforums rangiert die Bundesrepublik nur noch auf Platz 13 - hinter Lesotho und Südafrika. Vor einigen Jahren war es noch Platz 5.

Emanzipationskritik von Stanislas Merlin: Frauen in Top-Positionen eine Seltenheit
Corbis

Emanzipationskritik von Stanislas Merlin: Frauen in Top-Positionen eine Seltenheit


Hamburg - Die Gleichstellung der Frauen - ein deutsches Reizthema. Erst kürzlich plädierte EU-Kommissarin Viviane Reding vehement für mehr Frauen in Führungspositionen und drohte mit einer europaweiten Quotenregelung. Und sogar die CSU will jetzt eine 40-Prozent-Quote für ihre Parteiführung durchsetzen. Wie aber sieht die Realität aus?

Ein neuer Ländervergleich des Weltwirtschaftsforums zur Gleichstellung gibt die Antwort: Für die Frauen steht es nicht so gut - Deutschland ist sogar einen Platz zurückgefallen. Die Bundesrepublik rangiert in dem Ranking auf Platz 13, im Vorjahr lag sie noch auf Platz 12, im Jahr 2006 sogar noch auf Platz 5 der Liste.

Der Report basiert auf einer der umfassendsten statistischen Auswertungen zum Thema. Die Experten des Weltwirtschaftsforums beleuchten die Rolle der Frau in Hinblick auf ihre Stellung in Politik, Wirtschaft, Bildung und im Gesundheitssystem. In diesen vier Bereichen werden Daten aus insgesamt 14 Indizes verwendet. Verglichen werden unter anderem die Löhne bei vergleichbaren Jobs, die Alphabetisierungsrate, Schul- und Universitätsabschlüsse, die Lebenserwartung. Erhoben werden zudem Durchschnittsquoten von Frauen in Führungsebenen von Unternehmen und in hohen politischen Positionen. Die Daten wurden aus Studien der Uno, des CIA und der Unesco zusammengetragen.

In Deutschland hat sich die Gleichstellung der Geschlechter in den vergangenen Jahren im internationalen Vergleich deutlich verschlechtert. Zwar sind die meisten der Indizes seit 2006 leicht gestiegen - andere Länder machten aber im Vergleich größere Sprünge. So ist der Anteil der erwerbstätigen Frauen im Vergleich zu arbeitenden Männern nur leicht gestiegen, auch das Durchschnittseinkommen der Frauen im Vergleich zu Männern hat sich nur leicht verbessert - von 54 auf 64 Prozent. In beiden Bereichen sind Frauen im Vergleich zu Männern noch deutlich benachteiligt.

Andere Werte haben sich sogar verschlechtert. Arbeiteten 2006 noch fast so viele Frauen wie Männer in Ministerien, sind es heute nur noch gut ein Drittel. Auch die Lohnungleichheit bei vergleichbaren Jobs ist in den vergangenen Jahren gestiegen.

Nordeuropa führt klar

In der Top Ten der Liste befinden sich auffällig viele nordeuropäische Länder. Spitzenreiter ist wie im vergangenen Jahr Island. Den zweiten Platz belegt Norwegen, ein Land, in dem Vorstände größerer Unternehmen eine Frauenquote von bis zu 40 Prozent haben. Auf den Plätzen drei und vier folgen Finnland und Schweden, dann kommt vor Deutschland unter anderem noch Lesotho.

Gleichberechtigung im Ländervergleich

Rang 2010 Land Rang 2009
1 Island 1
2 Norwegen 3
3 Finnland 2
4 Schweden 4
5 Neuseeland 5
6 Irland 8
7 Dänemark 7
8 Lesotho 10
9 Philippinen 9
10 Schweiz 13
13 Deutschland 12

Quelle: Weltwirtschaftsforum

Im Vergleich zum restlichen Europa schneidet Deutschland gar nicht so schlecht ab. Großbritannien beispielsweise belegt in dem Ranking nur den 15. Platz, Frankreich rutschte von Platz 18 auf Platz 46 ab, da mehrere Frauen von hochrangigen Regierungsposten verdrängt wurden.

Auch die USA liegen hinter Deutschland, kletterten aber vom 31. auf den 19. Platz. Der Grund ist dem Weltwirtschaftsforum zufolge, dass die Regierung von Präsident Barack Obama Posten an Frauen vergeben hat und sich bemüht, die Lohnkluft zwischen Frauen und Männern zu verringern. Am Fuße der Liste finden sich Pakistan, der Tschad und der Jemen.

Das Weltwirtschaftsforum sieht die weltweite Entwicklung gespalten. Im Hinblick auf Löhne und Karriereoptionen seien die Geschlechterunterschiede am größten - bei Bildung und Gesundheit fielen sie geringer aus, hält der Report fest. Viele Länder müssten sich mehr bemühen, Müttern bessere Berufschancen zu verschaffen, sagte Ricardo Hausmann, Mitautor der Studie und Harvard-Professor, der BBC.

Aus der Wirtschaft kommen selbstkritische Stimmen. "Der Bericht verdeutlicht eklatante Geschlechterunterschiede, die angegangen werden müssen", sagte Vineet Nayar, Chef des indischen IT-Konzerns HCL Technologies. "Nicht nur aus Gründen der Fairness, sondern auch aus Wettbewerbsgründen - um keine wertvollen Talente zu verschenken."

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nichtaufregen 12.10.2010
1. Qualitätsjournalismus??
Was ist mit den Plätzen 11 und 12?
acitapple 12.10.2010
2. ...
oh bitte, nicht schon wieder so eine gender-debatte !!!
bluearoma 12.10.2010
3. was?
was möchte uns der SPON denn mit dieser Anti-Männer-Hetze sagen? ist ja schon der 3. Artikel zum Thema..
Eviathan 12.10.2010
4. Gnade...
Was ist denn heute los, ist heute Weltfrauentag? Frauen werden nicht benachteiligt, wenn z.B. nur 20% eines relevanten Studiengangs aus weiblichen Absolventen besteht, wie um alles in der Welt soll dann in den Führungspositionen ein höherer Anteil zustande kommen? Höchstens durch massive Bevorzugung, also Quote. Frauen haben eben keinen Bock auf so was, studieren lieber Soziologie oder Kulturwissenschaften, damit qualifiziert man sich aber eben nicht für einen Vorstandsposten in einem DAX-Konzern und das ist auch gar nicht gewollt.
Chris-Gardner 12.10.2010
5. Nun ja...
Wie Wulff schon gesagt hat: der Islam gehört halt mittlerweile zu Deutschland. Kopftuch, ungleiche Rollenverteilung zwischen und unterschiedliche (kulturell begründete) Rechte für Mann / Frau fordern halt ihren Preis. Dabei hatten doch gerade die (Alt-) 68er so erfolgreich für die Gleichberechtigung gekämpft, um sie mit falsch verstandener Toleranz gleich wieder einzureißen...
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