Neuwahlen in Griechenland: Lagarde warnt vor Austritt aus Euro-Zone

Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, hat sich in die Spekulationen um einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone eingeschaltet. Ein solcher Schritt "wäre extrem teuer und hart, und das nicht nur für Griechenland."

IWF-Chefin Lagarde: Die Mehrheit der griechischen Bevölkerung will in Euro-Zone bleiben Zur Großansicht
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IWF-Chefin Lagarde: Die Mehrheit der griechischen Bevölkerung will in Euro-Zone bleiben

Hamburg - IWF-Chefin Christine Lagarde hat die griechischen Spitzenpolitiker aufgefordert, sich zu den an das internationale Rettungspaket geknüpften Bedingungen zu bekennen. Ein Austritt aus der Euro-Zone "wäre extrem teuer und hart, und das nicht nur für Griechenland", warnte Lagarde in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview eines niederländischen Fernsehsenders.

"Ich denke, wir sollten uns das optimale Szenario angucken", sagte sie. Dieses sehe so aus, dass das Land den politischen Willen habe, sich an seine Verpflichtungen tatsächlich zu halten und in der Euro-Zone zu bleiben. Das scheine auch die Mehrheit der Bevölkerung zu wollen.

In Griechenland stehen Mitte Juni Neuwahlen an, weil die Abstimmung von Anfang Mai keine klaren Mehrheitsverhältnisse geschaffen hat und eine Regierungsbildung gescheitert ist. Umfragen zufolge können die Gegner des strikten, von EU und IWF auferlegten Sparkurses mit weiteren Zugewinnen rechnen. Es wird befürchtet, dass das Land damit auf den Staatsbankrott und eine Rückkehr zur Drachme zusteuern könnte - oder eine neue Währung mit anderem Namen eingesetzt würde.

Auf jeden Fall würde die neue griechische Währung im Vergleich zum Euro stark abwerten, die Barguthaben auf den Konten der Griechen würden dadurch massiv an Wert verlieren. Nicht nur im Vergleich zum Euro, sondern auch im eigenen Land. Denn Importe würden für die Griechen teurer - die Verbraucherpreise würden also nicht im gleichen Maße sinken, wie die neue griechische Währung abwertet. Zahlreiche Bankkunden hatten aus Angst davor in den vergangenen Tagen ihr Konto geplündert.

Schon am Dienstag äußerte sich Lagarde im französischen Fernsehen zu dem Griechenland-Szenario. Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone wäre sehr teuer und mit "großen Risiken" verbunden, warnte sie im Interview bei France 24. Dennoch sei dies "Teil der Optionen, die wir im Prinzip in Betracht ziehen müssen".

EU und IWF haben unterdessen angekündigt, den krisengeschüttelten griechischen Banken helfen zu wollen - mit 18 Milliarden Euro. Das Geld stammt aus dem zweiten 130 Millarden Euro schweren Hilfsprogramm, das der Euro-Rettungsschirm EFSF in mehreren Tranchen auszahlen soll.

vks/Reuters

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insgesamt 73 Beiträge
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1. wirklich
billger 17.05.2012
Zitat von sysop"Ich denke, wir sollten uns das optimale Szenario angucken", sagte sie. Dieses sehe so aus, dass das Land den politischen Willen habe, sich an seine Verpflichtungen tatsächlich zu halten und in der Euro-Zone zu bleiben. *Das scheine auch die Mehrheit der Bevölkerung zu wollen*.
Ob die Mehrheit der Griechen wirklich in der Euro-Zone bleiben will, werden wir bei der Wahl im Juni sehen. Ich denke, die Optionen sind da ziemlich eindeutig. Interessante Frage wäre aber auch: Was will die Mehrheit der Europäer? Haben nicht die meisten langsam die Geduld verloren? Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Mehrheit der griechischen und nicht-griechischen Bevölkerung für Austritt ist und nur Politiker und Banker für's Verbleiben sind.
2. Herrlich
tromsø 17.05.2012
2 Möglichkeiten für Deutschland: 1. Zahlen via Fiskalunion in alle Ewigkeit. Dass mir jetzt keiner kommt, dies könne sich in Zukunft ändern. Mentalitäten ändern sich nicht so schnell. 2. Zahlen via Target 2, EZB, IWF usw. bei Währungsaustritt und 100% Schuldenverzicht. Das verrückteste finde ich aber, dass ihr Deutschen nicht einsehen wollt, dass ihr euch mit dem Euro etwas eingebrockt habt, was euch teuer zu stehen bekommt. Gut, vielleicht einem gutsituiertem Exporteur nicht. Kommt mir aber bitte jetzt nicht mit Demokratiedefiziten in Deutschland. Ist ein weiteres eurer Probleme, dass ihr Abstimmungen nicht kennt, von einigen Ausnahmen abgesehen.
3. optional
snafu-d 17.05.2012
Wie lange will man diesen Betrügern und Kriminellen noch Geld hinterher werfen? Und ihre Betrügereien belohnen? Weg mit Schaden! Und kein Mitleid, ist ganz alleine selbst verschuldet.
4. Und wieder
amerzenich 17.05.2012
fließt das Geld an die krisengeschüttelten Banken. Ob mit Regierung oder ohne - GR wird gestützt, koste es was es wolle.
5. Man könnte auch
naturfreund 17.05.2012
anstelle eines Austritts aus der Eurozone wieder Zollgrenzen einführen. Dann müssten die Griechen nicht auswandern.
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