Ernteausfälle Finanzministerium weist Milliardenforderung der Bauern zurück

Deutsche Bauern klagen, dass im Jahrhundertsommer große Teile ihrer Ernte vertrocknet sind. Mit viel staatlicher Hilfe sollten sie nach SPIEGEL-Informationen trotzdem besser nicht rechnen.

Mitarbeiter der Agrargenossenschaft Trebbin am Rande eines Weizenfelds
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Mitarbeiter der Agrargenossenschaft Trebbin am Rande eines Weizenfelds


Die deutschen Bauern sollten nicht darauf hoffen, dass der Staat sie für die in diesem Jahr zu erwartenden Ernteausfälle komplett entschädigt. Da die Ernte infolge der Dürre so schwach ausfiel, würden im Gegenzug die Preise für landwirtschaftliche Produkte steigen, sodass der Markt einen Teil der Verluste kompensieren werde, heißt es im Bundesfinanzministerium von Olaf Scholz (SPD) zur Begründung.

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Keinesfalls würden die staatlichen Hilfen die Größenordnung von mehr als einer Milliarde Euro erreichen, wie sie Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied fordert. "Wir werden weit unter dieser Summe bleiben", sagt ein BMF-Experte voraus. Die Bundesregierung werde sich an der Größenordnung orientieren, die 2003 bei der letzten Stützungsaktion des Staates wegen Dürreschäden für die Landwirtschaft ausgezahlt wurde.

Damals waren es 72 Millionen Euro, die Bund und Länder zu gleichen Teilen bereitstellten. Eine genaue Summe für die neuen Hilfen kann erst berechnet werden, wenn die Erntebilanz feststeht. In der nächsten Woche soll sie vorgelegt werden.

Vergangenen Mittwoch hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gesagt, dass noch die Zahlen aus den Bundesländern sortiert würden. Erst wenn die Erntebilanz vorliegt, will Klöckner sich festlegen, ob sie den Sommer dieses Jahres als "Extremwettersituation von nationalem Ausmaß" einstuft. Soforthilfen für die Bauern ohne diese Datengrundlage hat sie stets abgelehnt. Hilfen, wie sie nun die deutschen Bauern fordern, gibt es immer wieder. Sie werden aber oft kritisiert, weil sie den Wettbewerb verzerren.

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rei

insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
GSYBE 17.08.2018
1. Hilfe
Als Hilfe könnte ich mir auch langfristige und zinslose Kredite für entsprechen Vorsorgemassnahmen vorstellen, z.B. moderne und sparsame Bewässerungsanlagen.
lesheinen 17.08.2018
2.
Sorry, aber der Staat ist nicht zuständig für die Linderung unternehmerischer Risiken, erst recht nicht bei Agrarfabriken. Macht sich der Bauernverband auch dafür stark, Sondergewinne bei außergewöhnlich guten Erträgen an die Staatskasse abzuführen?
ksail 17.08.2018
3. Und bei guter Ernte?
Was machen eigentlich deutsche Landwirte, wenn es (was ja auch immer wieder vorkommt) mal eine gute Ernte oder höhere Erlöse gibt? Schlägt dann der Bauernverband eine Sonderabgabe zugunsten der Staatskasse vor? Meine Meinung: Es gibt sicher Bauern in wirtschaftlich prekärer Situation. Zumindest in meinem Heimatort gehören sie aber praktisch durchweg zu den Besserverdienern, so dass mir nicht ganz klar ist, warum der Steuerzahler ihr wirtschaftliches Risiko übernehmen sollte.
iffelsine 17.08.2018
4. Bauern sind freie Unternehmer !
Ist die Ernte exorbitant gut, zahlen sie lediglich die gleichen Steuern, wie jeder andere Unternehmer auch. Ist die Ernte miserabel, soll das IMMER der Steuerzahler zahlen ? Wie geht denn das ? Kleine Bauernhöfe sind ineffizient und auch die Klimabilanz eines kleinen Hofes dürfte mit einem großen Hof kaum zu vergleichen sein. Die Landwirtschaft in Deutschland muss sich gesundschrumpfen, da ist jetzt der richtige Zeitpunkt !
Rohrbruch 17.08.2018
5. Jahrhundertsommer
Schon wieder dieser dramatisierende Begriff. Nächstes Jahr folgt dann ein neuer Jahrhundertsommer? Und im Jahr danach die Jahrtausendhitze? Augen aufmachen und sich verdeutlichen: Dieser Sommer wird keine einmalige Sache in diesem Jahrhundert bleiben.
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