Niedrige Erzeugerpreise Bauern können Finanzhilfe beim Bund beantragen

Die deutsche Landwirtschaft leidet unter niedrigen Preisen, Absatzproblemen und dem russischen Embargo - jetzt hilft der Bund aus: Wer als Bauer in ernste finanzielle Nöte gerät, kann Geld vom Staat bekommen.

Demo von Landwirten in München (Archivbild): Branche in der Krise
DPA

Demo von Landwirten in München (Archivbild): Branche in der Krise


Landwirte in Deutschland können ab sofort Finanzhilfen beim Bund beantragen. Viele Fleisch- und Milchbauern seien wegen der niedrigen Erzeugerpreise, der schwachen Nachfrage aus China und des russischen Lebensmittelembargos unverschuldet in Geldnöte geraten, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt der "Passauer Neuen Presse".

Betriebe, die von dem Einbruch der Erzeugerpreise besonders betroffen seien, könnten nun einen Zuschuss zu einem Darlehen erhalten, sagte der CSU-Politiker. Antragsberechtigt sind demnach Fleisch- und Milchbauern, die in bestimmten Zeiträumen des laufenden Jahres einen Rückgang der Erzeugerpreise um mindestens 19 Prozent nachweisen können.

Preisverfall und Existenznöte

Voraussetzung für den Zuschuss ist ein laufendes Darlehen zur Liquiditätssicherung mit einer Laufzeit von vier bis sechs Jahren und mindestens einem tilgungsfreien Jahr. Möglich sind dann direkte Zahlungen von bis zu 10.000 Euro je Darlehen. Der Zuschuss kann bis zum 18. Dezember beantragt werden. Das Geld soll bis Ende Januar 2016 ausgezahlt werden.

Für Bauern in Deutschland stehen EU-Finanzhilfen von rund 69,2 Millionen Euro zur Verfügung. Die EU-Kommission hatte im September ein Hilfsprogramm im Wert von insgesamt einer halben Milliarde Euro angekündigt. Zuvor waren wegen der stark gesunkenen Erzeugerpreise für Milch und Fleisch zahlreiche Bauern auf die Straße gegangen.

Die rund 80.000 Milchbauern in Deutschland leiden seit Längerem unter einem starken Preisverfall für ihre Produkte - und waren daher immer wieder auf die Straße gegangen. Der Milchpreis ist infolge des Überangebots in den vergangenen Monaten von rund 40 Cent pro Kilo Rohmilch auf weniger als 30 Cent gesunken. Die etwa 27.000 Schweinezüchter in Deutschland trifft insbesondere das russische Importverbot.

mxw/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ackergold 20.11.2015
1.
Die Erzeugerpreise werden erst dann nochmal richtig fallen, wenn die Amerikaner TTIP durchgedrückt haben und dann das Billig-Genfood ungekennzeichnet auf die Märkte kommt. Wer dann noch ordentlich Landwirtschaft betreiben will, muss auf gekennzeichnete Ökoprodukte umsteigen.
suedseefrachter 20.11.2015
2.
Das will ich dann auch für meine Produkte! Marktverzerrung durch den Staat anscheinend fliegt ihm die Wirtschaft bereits um die Ohren. Ich zahle ca 60% Steuern (inkl. Umsatzsteuer) als kleiner Unternehmer. Finanziere durch die Arbeit direkt weitere andere Arbeitsplätze beim Staat oder halt solche Förderungen -- und das als Einzelperson der mit eigener Arbeit sein Einkommen bestreitet. Das ist der Grund warum ich den deutschen Staat nicht respektiere. Ich will ihn nur fern halten damit er mir nicht noch mehr Probleme bereitet. Das ich das noch lange in Deutschland mitmachen werde bezweifle ich aber auch, im Ausland gibt's deutlich bessere Konditionen und dort sind sie einem freundlicher gesinnt.
nine1011 20.11.2015
3. ja genau...
...subventioniert mal schön weiter die ehh schon subventionierten Wirtschaftszweige. Subventionen sind ein Eingriff in den Markt, der sich selbst reguliert. Die konventionellen Bauern haben vor allen Dingen deshalb Erneteinbußen, weil sie immer noch nicht verstanden haben, dass petrochemischer Dünger die Mikroorganismen im Boden abtöten und dadurch mehr pertrochemischer Dünger und mehr Subventionen nötig werden - übrigens auch sehr zur Freude der VEGANER, die ja Fleisch uns somit auch die in der Produktion von Fleisch die natürlichen Düngemittel ablehnen... aber das nur nebenbei... Würden die Subventionen endlich mal gestrichen werden, würde ein Umdenken statt finden, der biologisch (dynamische) und vor allem nachhaltige Landbau OHNE Bodenerosion durch schwere bodenverdichtende Landmaschinen und synthetischen Dünger würde sich durchsetzen und für die allgemeinheit würden gesunde Lebensmittel erschwinglicher werden, die Natur würde es uns danken und die Tiere in artgerechter Haltung auch! Mal drüber nachdenken!
Gregor Weißenborn 20.11.2015
4.
Also, wenn die Bauern mehr produzieren, als sie verkaufen können, und die Preise deswegen verfallen, stützt mal wieder der Steuerzahler die Preise. So viel Glück hat sonst kein Industriezweig!
Rubyconacer 20.11.2015
5. Weniger aus Gewächshäusern
Vielleicht sollten wir weniger Tomaten etc. aus holländischen Gewächshäusern mit Kunstlicht kaufen. Besser sind da sonnengereifte Gemüse aus Spanien oder Griechenland oder lokales, plus saisonales Gemüse. Ich kaufe seit 15 Jahren nur noch Bio-Eier und -Milch, obwohl ich wenig verdiene, aber den Mehrpreis verkrafte ich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.