Lebenslauf ohne Foto und Namen: Fünf Firmen testen anonyme Bewerbungen
Anonyme Bewerbungsverfahren - Bürokratie-Wahnsinn oder der Weg zu mehr Gerechtigkeit? Fünf Unternehmen und das Familienministerium verlangen von Bewerbern künftig Lebensläufe ohne Namen, Fotos und ohne Angaben zu Alter, Familienstand, Geschlecht. Der Testlauf soll im Herbst starten.
Berlin - Begeistert sind die meisten Unternehmen nicht, im Gegenteil. 30 Firmen wurden gefragt, ob sie mitmachen wollen bei dem Versuch. Aber nur fünf erklärten sich einverstanden: die Deutsche Post, die Telekom, L'Oréal Deutschland, die Mydays GmbH sowie der Konzern Procter und Gamble
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Es geht um anonymisierte Bewerbungen - Lebensläufe ohne Namen und Foto. In einem Pilotprojekt testen besagte fünf Unternehmen und das Familienministerium ab kommendem Herbst das neue Verfahren. Nur die Qualifikation soll darüber entscheiden, wer zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird und wer nicht.
Die Bewerbungsbögen sollen nicht nur auf das Foto und den Namen verzichten, sondern auch auf Angaben über Alter, Geschlecht, Familienstand und Herkunft. Damit sollen Vorurteile oder Vorlieben der Personalchefs keine Rolle mehr spielen. Allerdings werden die Firmen das Verfahren nur für einen kleinen Teil ihrer Bewerbungen anwenden, zum Beispiel für die Auswahl von Auszubildenden. Der einjährige Test soll wissenschaftlich ausgewertet werden, wie die Antidiskriminierungsstelle des Bundes mitteilte.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hatte kritisiert, die Pläne seien schwer umsetzbar - sie erhöhten die Bürokratie. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders, sagte dagegen, die Verfahren hätten sich in anderen Ländern bewährt. In Frankreich kündigten beispielsweise 50 Firmen Ende 2009 an, ein ähnliches Verfahren zu testen. "Herr Hundt sollte sich nicht so aufregen. Er soll sich das Projekt erst mal anschauen, und bei der Auswertung wird er sehen, ob es da bürokratische Hürden gibt oder nicht", sagte Lüders.
"Alles, was neu ist, erschreckt"
Nach Angaben von Lüders klagten beispielsweise Frauen, dass sie mehr Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch hätten, wenn sie ihre Kinder in der Bewerbung nicht erwähnten. Auch ältere Menschen beschwerten sich immer wieder, dass sie keine Einladung erhielten, obwohl sie für die ausgeschriebene Stelle die verlangten Qualifikationen vorweisen könnten. Und ein Ingenieur mit arabischem Nachnamen und erfolgreich abgeschlossenem Zweitstudium in Deutschland berichtete, seine Bewerbungen seien zum Teil innerhalb eines Tages abgelehnt worden. Wenn er sich nach einer Absage unter anderem Namen nach der Stelle erkundigt habe, sei sie stets noch frei gewesen.
Zur Kritik der Arbeitgeber sagte Lüders: "Ich glaube, dass alles, was neu ist, erst einmal erschreckt." Sie trat Befürchtungen entgegen, dass es einen Zwang zu anonymisierten Verfahren geben könnte: "Bei unserer Initiative setzen wir auf Überzeugung und Freiwilligkeit."
Der Pilotversuch solle zeigen, ob anonyme Bewerbungen Probleme bereiten und ob sie Menschen, die sich benachteiligt fühlen, mehr Chancen bringen. In anderen Ländern liefen die Ausschreibungen meistens über das Internet. Die Bewerbungsmaske im Netz zu ändern, sei keine große Arbeit, meinte Lüders.
Die Bundesagentur für Arbeit begrüßte die Initiative. "Wir werden daher in unserer Job-Börse die Möglichkeit schaffen, die Übermittlung von Alter und Geschlecht zu verhindern", sagte ihr Vorsitzender Frank-Jürgen Weise. Die Wahlmöglichkeit soll ab Mitte 2011 technisch verfügbar sein.
otr/dpa/apn
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