Lebensmittelkontrolle Jede zweite Dönerbude ist zu dreckig

Die Küche ist nicht sauber, die Geräte nicht desinfiziert, das Personal schlecht geschult: In vielen Döner-Buden lässt die Hygiene zu wünschen übrig, zeigen aktuelle Lebensmittelkontrollen. Auch andere Nahrungsmittel werden von den Verbraucherschützern beanstandet.

Dönerspieß in Kölner Imbiss: Hälfte aller kontrollierten Betriebe wiesen Mängel aus
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Dönerspieß in Kölner Imbiss: Hälfte aller kontrollierten Betriebe wiesen Mängel aus


Berlin - Es ist wenig appetitlich, was die Lebensmittelkontrolleure bei ihren Besuchen vorgefunden haben: So lässt etwa bei vielen Dönern die Hygiene bei der Produktion stark zu wünschen übrig. Die Hälfte aller kontrollierten Betriebe wies 2008 Mängel in puncto Reinigung und Desinfektion auf. Dies zeigt der am Montag veröffentlichte Jahresbericht zur staatlichen Lebensmittelüberwachung. In jedem dritten der 875 geprüften Imbisse beanstandeten die Prüfer außerdem schlecht geschultes Personal.

Alarmierend waren auch Befunde zu Birnen aus der Türkei, in denen das in der EU verbotene Pflanzenschutzmittel Amitraz in gefährlichen Konzentrationen nachgewiesen wurde. Das baden-württembergische Verbraucherministerium warnte am Montag ausdrücklich vor dem Verzehr türkischer Birnen. Bisher seien in allen acht in diesem Jahr untersuchten Birnenproben aus der Türkei Amitraz-Rückstände festgestellt worden.

40 Prozent Vanilleeis ohne Vanille

Bei der Suche nach Schwermetallen, Giften, Pflanzenschutzmitteln und Tierarzneien stellte sich weiter heraus, dass 76 bis 90 Prozent aller Proben von Birnen, Johannisbeeren, Stachelbeeren sowie Mandarinen und Clementinen messbare Rückstände aufwiesen. Diese wurden aber in dem Bericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nicht als gesundheitsgefährdend eingestuft.

Positiv fielen hingegen Frischobst, Frischgemüse und Kartoffeln aus inländischer Bioproduktion auf. In den 350 untersuchten Proben fanden sich kaum Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oder Schwermetallgehalte.

Bei den Kontrollen zur Lebensmittelsicherheit bildete Vanille einen Untersuchungsschwerpunkt, weil der hohe Preis und die steigende Nachfrage die Verbrauchertäuschung lukrativ machen. Von 290 Proben Vanilleeis wurden 110 Proben, also 38 Prozent, beanstandet, weil sie statt Vanille naturidentisches Vanillin oder die künstlichen Aromastoffe Piperonal und Ethylvanillin enthielten. Bei Vanillepudding und -soßen gab es indes keine Beanstandungen. In mehr als 73 Prozent der Proben von Kartoffeln, Spinat, Zwiebeln, Apfelsaft, Distelöl, Olivenöl und Schokolade wurden keine Pflanzenschutzmittelrückstände festgestellt. In Reis, Gurken, grünen Bohnen, Karotten und Pfefferminzblättertee fanden sich hingegen häufiger Rückstände. Auch drei Viertel der untersuchten Rooibostee-Proben enthielten quantifizierbare Gehalte.

"Perverse Situation wird zum Normalfall"

Krebserzeugende Gifte aus Schimmelpilzen (Mykotoxine) wurden in sieben Prozent der Reisproben gefunden, in 45 Prozent der Lakritze sowie in 60 Prozent bei Schokolade mit hohem Kakaoanteil. Hier seien mehr Eigenkontrollen der Unternehmen gefragt, hieß es. 2008 haben die amtlichen Lebensmittelkontrolleure rund 935.000 Inspektionen in gut 540.000 Betrieben durchgeführt. Bei rund 126.000 Betrieben wurden Verstöße festgestellt, zumeist wegen mangelhafter Hygiene oder Kennzeichnung. Die Zahl der Kontrollen sank damit gegenüber dem Vorjahr um rund 70.000, obwohl die Zahl der Lebensmittelbetriebe um gut 25.000 auf 1,21 Millionen stieg.

Die Verbraucherschützer von Foodwatch rügten, dass die Kontrollen Jahr für Jahr erschreckend hohe Missstände offenlegten, sich aber fast nichts ändere. "Durch die Untätigkeit der Behörden wird diese perverse Situation als Normalfall angesehen", erklärte Geschäftsführer Thilo Bode. Gegen Imitat-Betrug und Schmuddelrestaurants würden nicht mehr Kontrollen und härtere Strafen helfen, sondern nur Abschreckung durch Transparenz. "Alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen müssen veröffentlicht werden, und zwar mit namentlicher Nennung der Betriebe", verlangte er.

sam/AP

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