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Lehrlinge in Deutschland: Betriebe nutzen Azubis immer öfter als billige Arbeitskräfte

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Auszubildende im Einzelhandel (Archivbild): Nettokosten sinken Zur Großansicht
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Auszubildende im Einzelhandel (Archivbild): Nettokosten sinken

Arbeitgeber setzen Azubis zunehmend als volle Kraft ein, die Betriebe sparen so immer mehr Geld. Das ist das Ergebnis einer Kleinen Anfrage der Linken an die Bundesregierung. Die Jugendlichen finanzieren ihre Lehre zu mehr als drei Vierteln selbst.

Hamburg - Der Vorfall bei Aldi Süd schreckte die Öffentlichkeit auf: Missliebige Azubis sollen dort im Zentrallager Mahlberg mit Frischhaltefolie an Pfosten gefesselt worden sein, wie der SPIEGEL kürzlich berichtete. Sie waren angeblich frech geworden.

Es dürfte sich um ein extremes Einzelbeispiel handeln, dennoch hat es die Linken-Fraktion im Bundestag auf den Plan gerufen. Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Partei, hat einen ausführlichen Fragenkatalog zur Ausbildung an die Bundesregierung geschickt, mit dem Schwerpunkt Einzelhandel. Die Ergebnisse der Kleinen Anfrage, die SPIEGEL ONLINE vorliegen, erstaunen:

  • Auszubildende werden immer früher und stärker für produktive Tätigkeiten eingesetzt.

  • Die Nettokosten der Ausbildung sinken für die Betriebe.

  • Zugleich steigen die von den Jugendlichen erwirtschafteten Erträge.

Im Detail: Im Zeitraum von 2000 bis 2007 (aktuellere Daten liegen nicht vor) stieg die Zeit, in der Auszubildende am Arbeitsplatz einfache Arbeitstätigkeiten ausführen mussten auf 47 Tage im Jahr - ein Plus von 25 Prozent. Dazu gehört im Einzelhandel etwa der Verkauf oder die Warenveräumung. Die Anzahl der Tage mit Fachkräftetätigkeiten stieg sogar um 64 Prozent auf insgesamt 53 Tage.

Insbesondere in den ersten beiden Lehrjahren haben die produktiven Einsatzzeiten deutlich zugenommen. Azubis, die eigentlich eine umfassende Berufsausbildung erwarten dürfen, werden damit immer stärker in die Wertschöpfung der Unternehmen eingebunden - und das von Anfang an. Der echte Lehranteil im Betrieb wird dabei offenbar zunehmend vernachlässigt.

Eine Entwicklung ist dabei besonders auffällig: Die Lehrlinge tragen die Kosten ihrer Ausbildung verstärkt selbst. So erwirtschafteten sie 2007 im Schnitt rund 11.700 Euro - und damit 48 Prozent mehr als im Jahr 2000. Die reinen Personalkosten lagen den verfügbaren Daten zufolge zuletzt bei gut 9500 Euro. Zieht man die Gesamtkosten heran, die durchschnittlich für Auszubildende aufgewendet werden - also auch die Ausgaben für Ausbilder und Sachkosten -, dann erwirtschaften die Jugendlichen inzwischen durchschnittlich 77 Prozent ihrer Ausbildungskosten selbst.

Abbruchquoten im Einzelhandel oft bei über 30 Prozent

Ein besonders plakatives Beispiel aus dem Einzelhandel ist der Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk. Bei dieser Ausbildung übersteigen die von den Lehrlingen erwirtschafteten Erträge sogar die Kosten um 50 Prozent. Die Bundesregierung räumt konkret zu diesem Fall ein: "Die hohen Ausbildungserträge können deshalb erwirtschaftet werden, weil die Auszubildenden bereits zu Ausbildungsbeginn für eine Vielzahl der anfallenden Arbeiten - und zwar oft auch bereits für schwierige Aufgaben - eingesetzt werden können."

Für die Linken-Politikerin Sabine Zimmermann geht das zu weit. Es müsse sichergestellt werden, "dass Auszubildende nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden und die eigentliche Berufsausbildung auf der Strecke bleibt", kritisiert sie.

Seit Jahren klagt die Arbeitgeberseite über fehlenden Nachwuchs, oftmals ist vom Fachkräftemangel die Rede. Zugleich werden aber über alle Ausbildungsberufe hinweg 24 Prozent der Lehrverträge vorzeitig aufgelöst, bei den Verkaufsberufen des Einzelhandels liegen die Quoten oft bei 30 Prozent oder mehr.

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1. .
frubi 25.11.2013
Zitat von sysopimagoArbeitgeber setzen Azubis zunehmend als volle Kraft ein, die Betriebe sparen so immer mehr Geld. Das ist das Ergebnis einer Kleinen Anfrage der Linken an die Bundesregierung. Die Jugendlichen finanzieren ihre Lehre zu mehr als drei Vierteln selbst. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/lehrlinge-betriebe-setzen-auf-azubis-als-billige-arbeitskraefte-a-935441.html
Ist nicht euer ernst? Wirklich? Ich fall vom Stuhl. Und Nachts ist es dunkel? Das Lehrlinge und Praktikanten oftmals schon nach kurzer Zeit die Aufgaben von normalen ANgestellten zu 100% ausführen, ist wirklich ein alter Hut.
2.
Ostwestfale 25.11.2013
Ich habe mich schon immer gefragt, warum Verkäufer (keine Fachverkäufer, sondern z.B. im Lebensmitteleinzelhandel) ein dermaßen lange Ausbildung machen müssen. Das lernt doch jeder in zwei Wochen, was er bei Lidl, Aldi, Rewe und Co tun muss.
3. Nix neues
bikersplace 25.11.2013
Zitat von sysopimagoArbeitgeber setzen Azubis zunehmend als volle Kraft ein, die Betriebe sparen so immer mehr Geld. Das ist das Ergebnis einer Kleinen Anfrage der Linken an die Bundesregierung. Die Jugendlichen finanzieren ihre Lehre zu mehr als drei Vierteln selbst. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/lehrlinge-betriebe-setzen-auf-azubis-als-billige-arbeitskraefte-a-935441.html
in Deutschland. Das war vor 40 Jahren bei mir schon so und war bei meinen Jungs nicht anders. Trotzdem war ich im nachhinein froh da ich in der Praxis mehr gelernt habe als durch stupides Multiple Joice Antworten auswendig lernen für die Prüfungen. Richtig was gelernt haben sie dann eh erst als beide nach der Ausbildung die Arbeitgeber gewechselt hatten.
4. Betriebe nutzen Azubis als billige Arbeitskräfte
rtzlwitz 25.11.2013
Gratuliere, SPON: da habt Ihr ja mal ne echte Neuigkeit rausgehauen!
5. Das ist nun nicht
nemensis_01@web.de 25.11.2013
wirklich eine Neuigkeit. Bei manchen Friseurgeschäften, vor allen Dingen die grossen Ketten, schmeissen die Lehrlinge ganze Filialen. Die Filialleitung kommt einmal die Woche und guckt nach dem Rechten. Ähnlich in div. Aldi, Lidl, Penny usw. Da sind gegen Abend, also die schlechten Schichten, nur zwei Lehrlinge und schmeissen den Laden. Verhindern lässt sich das doch kaum, die jungen Leute sind - wenn man sie darauf anspricht - froh, dass sie einen Job haben.
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Alles, was Azubis Recht ist
Was muss der Ausbilder können?
Der Ausbilder muss in der jeweiligen Fachrichtung ausgebildet sein und über entsprechende Berufserfahrung verfügen. Das regeln die Paragrafen 29 und 30 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) , die Paragrafen 21 und folgende der Handwerksordnung (HwO) sowie das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) in Paragraf 25.
Wer bezahlt Material und Maschinen?
Der Arbeitgeber muss alle Arbeitsmaterialien bereitstellen, dazu gehören z.B. Kittel, Schutzkleidung, Sicherheitsschuhe, aber auch Fachbücher, Berichtshefte und Schreibmaterialien. Der Azubi ist verpflichtet, mit jedem Arbeitsgerät sorgsam umzugehen. (Paragraf 14 Abs. 1 Nr. 3 und Paragraf 13 Nr. 5 BBiG)
Ist die Arbeit wichtiger als die Berufsschule?
Nein, Berufsschulzeit ist Arbeitszeit. Der Betrieb muss einen für die Schule freistellen - und man muss hingehen. Auch für Betriebsbesichtigungen und ähnliches muss der Ausbildungsbetrieb den Azubi freistellen. Fängt der Unterricht um 9 Uhr an, muss man vorher nicht zur Arbeit, ab fünf Schulstunden täglich muss man auch danach nicht mehr in die Firma, es sei denn, man ist 18 Jahre oder älter. Die Arbeitszeit darf trotzdem nicht über die tariflich geregelte Arbeitszeit hinausgehen. Berufsschulstunden müssen nicht nachgearbeitet werden.
Was ist erlaubt - und was nicht?
Es sind nur Arbeiten erlaubt, die mit dem Ausbildungszweck zu tun haben und die eigenen körperlichen Kräfte nicht übersteigen. Nicht gestattet sind private Aufträge durch den Chef (Auto waschen, Einkaufen, usw.), Urlaubs- und Krankheitsvertretung für Kollegen, Putzen (außer am eigenen Arbeitsplatz und an eigenen Geräten), sowie Fließband- und Akkordarbeit . (Paragraf 14 Abs. 2 BBiG). Quelle: IG Metall Jugend


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