Lehrstellen Gewerkschaften boykottieren Ausbildungspakt

Der Ausbildungspakt geht ohne Beteiligung der Arbeitnehmervertreter weiter: Der Deutsche Gewerkschaftsbund will auch die Neuauflage des Vertrags nicht unterschreiben - Grund ist ein Streit mit den Wirtschaftsverbänden über Zahl und Art neuer Lehrstellen.


Berlin - Die Gewerkschaften werden den neuen Ausbildungspakt nun doch nicht unterzeichnen. Das teilte die DGB-Vizevorsitzende Ingrid Sehrbrock mit. Eigentlich wollten sich die Arbeitnehmervertreter dieses Mal an der Neuauflage des Vertrags beteiligen. Man habe sich mit der Wirtschaft jedoch nicht bei der Zahl und Art neuer Ausbildungsplätze einigen können.

Der neue Pakt soll eine Laufzeit bis 2014 haben. Den ersten Ausbildungspakt hatten die Bundesregierung und die Spitzenverbände der Wirtschaft 2004 für zunächst drei Jahre geschlossen. Ziel war, jedem ausbildungswilligen Jugendlichen eine Lehrstelle zu beschaffen, um so den Fachkräftemangel zu beheben.

Der DGB bestand für den neuerlichen Ausbildungspakt auf einer verbindlichen Zahl neuer Stellen - und forderte die Wirtschaft auf, ihre Zusage einzuhalten, 60.000 neue Ausbildungsplätze, 30.000 neue Ausbildungsbetriebe und 40.000 Einstiegsqualifizierungen einzuwerben. Laut DGB-Vize Sehrbrock sei es bei 1,5 Millionen Menschen von 20 bis 29 Jahren ohne abgeschlossene Ausbildung nicht vertretbar, wenn die Spitzenverbände der Wirtschaft ihre Zusagen reduzierten.

Die Spitzenverbände der Wirtschaft verwiesen jedoch auf die erheblich gesunkenen Bewerberzahlen und erklärten, sie könnten nicht mehr Ausbildungsplätze versprechen als Jugendliche interessiert seien. Sie bedauerten die Absage der Gewerkschaften, seien aber entschlossen, mit den bisherigen Paktpartnern, der Kultusministerkonferenz sowie der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung den Ausbildungspakt für weitere vier Jahre zu verlängern.

fdi/dapd

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