Arbeitsmarkt Leiharbeiter wechseln in reguläre Jobs - oder werden arbeitslos

Für Hunderttausende Arbeitnehmer ist die Leiharbeit Sprungbrett in einen regulären Job, das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor. Fast genauso viele landen allerdings auch wieder in der Arbeitslosigkeit.

Bauarbeiten
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Die Leiharbeit steht in der Kritik, weil Leiharbeiter deutlich weniger verdienen als reguläre Beschäftigte. Die Gewerkschaften kritisieren das als Ausbeutung, zumal die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer beständig wächst. Zuletzt lag sie bei knapp einer Million. Am Donnerstag berät der Bundestag über einen Gesetzentwurf, der Missbrauch und Lohndumping bei der Leiharbeit eingrenzen soll.

Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen nun, dass Leiharbeit für die meisten Betroffenen nur eine Zwischenstation ist. Vielen Leiharbeitern gelingt offenbar der Wechsel in eine reguläre Beschäftigung. Im vergangenen Jahr wechselten demnach 380.000 Leiharbeiter in feste Jobs.

Allerdings stand die Leiharbeitsbranche auch bei den Zugängen in die Arbeitslosigkeit im Jahr 2015 an erster Stelle - mit mehr als 360.000 Betroffenen. Fast 140.000 der aus Leiharbeit Entlassene bezogen umgehend Hartz-IV-Leistungen.

Regulär in Vollzeit beschäftigte Leiharbeitskräfte verdienten Ende 2015 im Schnitt 1747 Euro brutto im Monat, gegenüber 3084 Euro für Vollzeitbeschäftigte über alle Branchen hinweg. Zwei von drei Leih- oder Zeitarbeitern arbeiteten zu einem Niedriglohn, also unter dem Lohn, der zwei Drittel des mittleren Gehalts der Beschäftigten insgesamt beträgt.

Die Zahlen angefragt hatte die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann. Aus ihrer Sicht bestätigen sie den Ruf der Leiharbeit als "Hire and Fire"-Branche. "Die Leiharbeit war und ist der Motor der Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland", so Zimmermann. "Ein Sprungbrett in ein normales Arbeitsverhältnis ist sie nur für wenige." Früher hätten Unternehmen mit Leiharbeit Auftragsspitzen abgefedert. Heute sei sie Instrument systematischen Lohndumpings.

beb/dpa



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