Niedrigzinspolitik Sparkassen-Chef wirft EZB Enteignung der Bürger vor

Sparkassen-Verbandschef Fahrenschon hat die Europäische Zentralbank für ihre lockere Geldpolitik scharf kritisiert. Die niedrigen Zinsen kämen einer Enteignung gleich. Er sieht die Gefahr wachsender Altersarmut.

Rohbau der "neuen EZB" in Frankfurt am Main:    Schrittweise Enteignung
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Rohbau der "neuen EZB" in Frankfurt am Main: Schrittweise Enteignung


Berlin - Kurz vor der nächsten Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank hat Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon seine Kritik an der lockeren Geldpolitik verschärft. Die EZB müsse erkennen, dass sie mit ihrer Politik des billigen Geldes am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen sei. "Dauerhaft immer niedrigere Zinsen - das beschädigt die Sparkultur und vernichtet Vermögenswerte", sagt der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands dem "Stern". Die Währungshüter rissen durch die niedrigen Zinsen ein Loch in die Altervorsorge der Sparer, warnte er. Und dies treffe nicht nur die deutschen, sondern alle europäischen Sparer.

Im Interview mit dem Deutschlandfunk spitzte Fahrenschon seine Warnungen noch einmal zu. Auf die Frage, ob die Niedrigzinspolitik von EZB-Präsident Mario Draghi eine schrittweise Enteignung der Bürger sei, antwortete er: "Ja, ganz klar." Allein den deutschen Sparern entgingen jedes Jahr schätzungsweise 15 Milliarden Euro an Zinseinnahmen. Dies seien rund 200 Euro pro Kopf. Zugleich bemängelte der Sparkassen-Präsident, dass eine weitere Zinssenkung von derzeit 0,25 Prozent der Realwirtschaft keine weiteren Vorteile bringe.

Die EZB will etwas gegen den starken Euro im Verhältnis zum Dollar unternehmen und die Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front (Deflation) abwenden. Die Notenbank entscheidet am Donnerstag über ihre weitere Geldpolitik. Am Finanzmarkt wird erwartet, dass sie ihren Leitzins nochmals senkt und erstmals Strafzinsen für Banken erhebt.

Daneben könnte noch eine weitere Liquiditätsspritze stehen, um die Banken zu ermuntern, mehr Geld an Unternehmen zu verleihen. Vor allem in den Krisenländern Südeuropas stockt der Kreditfluss zu klein- und mittelständischen Firmen. Der Kurs des Euro Chart zeigen geriet im Vorfeld der Entscheidung wieder leicht unter Druck. Am Morgen fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 1,36 Dollar.

mik/Reuters



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