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Libyen-Krise: Autofahrern droht der Benzinpreis-Schock

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Benzin kostet 1,50 Euro, Diesel 1,40 Euro - und Deutschlands Autofahrer stöhnen. Die Unruhen in Libyen treiben die Kraftstoffpreise empor. Droht jetzt ein noch höherer Anstieg? Und wo kann man noch günstig tanken? Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Lage am Öl- und Spritmarkt.

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Zapfsäule in Stuttgart: Schlechte Aussichten für Autofahrer

Hamburg - Miese Aussichten für deutsche Autofahrer: Der Durchschnittspreis für einen Liter Superbenzin ist auf mehr als 1,50 Euro gestiegen - laut ADAC ein Plus von fast drei Cent im Vergleich zur Vorwoche. Diesel stieg auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Der Liter kostete am Mittwoch im Schnitt 1,40 Euro.

Preistreiber Nummer eins ist aus Sicht vieler Experten die Revolution in Libyen. Erstmals treffen die Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten einen wichtigen Ölexporteur. Täglich fördert das Land 1,6 Millionen Barrel (159 Liter) Rohöl; 1,1 Millionen davon werden exportiert. Libysches Öl gilt dabei als sehr hochwertig.

Die Krise bedroht die Versorgung. Die europäischen Energiekonzerne Eni und Repsol hatten am Dienstag ihre Ölförderung in Libyen gestoppt, die deutsche BASF-Tochter Wintershall bereitet diesen Schritt vor. Die italienische Eni ist mit 244.000 Barrel (159 Liter) für ein Viertel der libyschen Ölexporte zuständig, Wintershall kommt nach Firmenangaben vom Dienstag auf 100.000 Barrel pro Tag.

Und so wundert es kaum, dass die Märkte in Aufruhr sind. Seit dem Ausbruch der Libyen-Krise ist der Preis gestiegen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der für Europa wichtigsten Sorte Brent kletterte in London zeitweise auf mehr als 110 Dollar, den höchsten Stand seit mindestens zweieinhalb Jahren. Der Preis für ein Barrel der wichtigsten US-Sorte kletterte auf zeitweise auf knapp 98 Dollar.

Das bekommen auch die Kunden an den Tankstellen zu spüren. Benzin und Diesel sind - neben Heizöl - die wichtigsten Produkte, die aus Öl hergestellt werden. Ein steigender Ölpreis wirkt sich also spürbar auf den Benzinpreis aus.

Wie stark, lässt sich aus Statistiken des deutschen Mineralölverbands herauslesen: anhand der sogenannten Produktbeschaffungskosten (siehe Grafik links). Diese setzen sich zum großen Teil aus dem Einkaufspreis für Öl und zu einem geringeren Teil aus den Transportkosten vom Öllieferanten zur Raffinerie zusammen. Zwischen Januar 2007 und Januar 2010 schwankt der Anteil der Produktbeschaffungskosten am Benzinpreis zwischen 25 und 35 Prozent. Im Juli 2008, als der Ölpreis auf sein Allzeithoch von 147 Dollar pro Barrel stieg, waren die Produktbeschaffungskosten am höchsten.

Auf den gesamten Benzinpreis wird zudem eine Mehrwertsteuer von 19 Prozent erhoben. Steigen die Produktbeschaffungskosten, steigen auch die Kosten für die Mehrwertsteuer - was die Kosten zusätzlich in die Höhe treibt.

Gibt es einen Angstaufschlag beim Ölpreis?

Der wahre Grund, warum der Ölpreis stiegt, lässt sich nie genau festmachen. Analysten begründen die aktuelle Preisrallye allerdings oft mit der Sorge, dass durch die Libyen-Krise ein Öl-Versorgungsengpass entstehen kann. Mittelfristig ist diese Sorge unbegründet. Die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) könnte ihn verhindern - indem sie ihre Fördermenge deutlich ausweitet. Allein Saudi-Arabien hat noch freie Förderkapazitäten von täglich vier Millionen Barrel.

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Libyen: Öl und Gas als Rückgrat der Wirtschaft
Analysten und Investoren fürchten jedoch den Domino-Effekt bei den Ölförderstaaten. Vor kurzem hätte noch niemand auf einen Machtwechsel in Tunesien und Ägypten gesetzt - jetzt wackeln immer mehr Regime in der arabischen Welt. "Auf dem Ölpreis lastet zurzeit eine Art Angstaufschlag", sagt Helmut Buchmann, Analyst beim Energiefachjournal "Oil Market Report" und seit 40 Jahren Beobachter der Mineralölbranche.

An den Terminmärkten schlägt sich die Sorge einer weiteren Ölverknappung bereits in einem neuen Anstieg der Spekulation nieder. Nach Angaben der Commodity Futures Trading Commission hielten Spekulanten am 15. Februar Kontrakte für rund 29,3 Milliarden WTI-Öl, das in den kommenden Monaten geliefert wird. Ende Januar, als der Ölpreis wegen Unruhen in Ägypten die 100-Dollar-Marke durchbrochen hatte, waren es Kontrakte für 27,9 Milliarden Liter.

Treibt das Ölpreishoch bald den Euro nach oben?

Auch an der Rohstoffbörse in Rotterdam macht sich das Preisplus schon deutlich bemerkbar: Am 14. Februar, vor Ausbruch der blutigen Unruhen in Libyen, kostete eine Tonne der für Europa wichtigsten Superbenzinsorte Oxy Eurobob noch 886 Dollar, berichtet "Oil Market Report". Der Liter Benzin kostete demnach rund 0,66 Dollar. Am Dienstag lag der Tonnenpreis bei 929 Dollar, ein Liter kostete gut 0,69 Dollar. Drei Cent mehr also - und damit ungefähr der Preisaufschlag, den Autofahrer zurzeit an den Tankstellen verkraften müssen.

In den kommenden Tagen und Wochen dürfte der Preisdruck anhalten. Dass Benzin aber einfach immer teurer wird, ist noch nicht gesagt. Denn auch der Wechselkurs spielt eine entscheidende Rolle. Derzeit pendelt der Euro bei 1,37 Dollar. Im Sommer 2008, als die Ölsorte Brent auf ihr Allzeithoch von fast 150 Dollar je Fass geklettert war, stand er bei knapp 1,60 Dollar. Das heißt: Käufer in der Euro-Zone bekommen aktuell im Verhältnis weit weniger Öl für ihr Geld als vor zwei Jahren - und weit weniger Benzin.

Das könnte sich jedoch bald ändern: Tendentiell steigt bei einem höheren Ölpreis auch der Euro. Das liegt unter anderem daran, dass arabische Investoren ihre überschüssigen Ölgewinne eher in Europa anlegen als in den USA. Käufer bekämen dann wieder mehr Öl und Benzin für ihr Geld.

Und wie tanke ich günstig?

Verbrauchern sind solche Zukunftsaussichten zunächst mal egal. Sie wollen jetzt günstig tanken. Und tatsächlich können sie einiges dafür tun, damit das Preishoch sie nicht mehr als nötig belastet.

Sollte man nicht ohnehin täglich an mehreren Tankstellen vorbeifahren und somit die Möglichkeit haben, die Preise zu vergleichen, gibt es im Internet Hilfe. Auf Seiten wie clever-tanken.de (Kooperationspartner von SPIEGEL ONLINE) oder benzinpreis.de können Verbraucher die aktuell günstigste Zapfsäule in ihrem Umfeld recherchieren. Spezialsuchmaschinen für Tankstellen gibt es auch als iPhone-App - für die Suche nach günstigen Tankstellen unterwegs.

Suche starten!

Auch das Timing spielt beim Tanken eine Rolle. Immer kurz vor Feiertagen oder Wochenenden zögen die Preise an, warnt der ADAC. Erhebungen des Automobilclubs haben ergeben, dass der Durchschnittspreis für Benzin und Diesel in der Woche meist mehrere Cent niedriger sind als am Freitag. Ab Samstagabend fallen die Preise meist deutlich, montags erreichten sie ihren Wochentiefstand, um am Dienstag wieder kräftig anzuziehen. Spritsparer tanken also zu Wochenbeginn.

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insgesamt 273 Beiträge
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1. Das ist erst der bescheidene Anfang
Matthias Hofmann 23.02.2011
Zitat von sysopBenzin kostet 1,50 Euro, Diesel 1,40 Euro - und Deutschlands Autofahrer stöhnen. Die Unruhen in Libyen*treiben die*Kraftstoffpreise empor. Droht jetzt*eine neue Preisrallye?*Wo kann man noch günstig tanken? Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Sprit-Rallye. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,747268,00.html
Es ist höchste Zeit zu erwachen. Unser Wohlstand beruht eben auf der Ausbeutung der afrikanischen, asiatischen, indischen,....etc. Bevölkerungsgruppen. Wenn das aufhört, werden wir mit dem realen WErt der Rohstoffe konfrontiert.
2. ohne E10
imation, 23.02.2011
Na ohne diesen sinnlosen E10 Sprit währe Super aber mind. 10 Cent billiger. Der Hauptpreistreiber beim Sprit ist immer noch der Staat
3. Kommt nach Griechenland
busoph 23.02.2011
Zitat von sysopBenzin kostet 1,50 Euro, Diesel 1,40 Euro - und Deutschlands Autofahrer stöhnen. Die Unruhen in Libyen*treiben die*Kraftstoffpreise empor. Droht jetzt*eine neue Preisrallye?*Wo kann man noch günstig tanken? Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Sprit-Rallye. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,747268,00.html
Kommt doch nach Griechenland. Hier kostet der Liter Normalbenzin 1,75 Euro und wird in spätestens einem Monat bei 2,00 Euro liegen. Das macht richtig Spaß, wenn bei einmal tanken 100 Euro weg sind.
4. Nix neues
Gani, 23.02.2011
Zitat von Matthias HofmannEs ist höchste Zeit zu erwachen. Unser Wohlstand beruht eben auf der Ausbeutung der afrikanischen, asiatischen, indischen,....etc. Bevölkerungsgruppen. Wenn das aufhört, werden wir mit dem realen WErt der Rohstoffe konfrontiert.
Hockt ihr eigentlich den ganzen Tag vor dem Bildschirm und wartet auf Artikel wie diese, damit ihr auf euer hohes Rösschen steigen könnt um von da eure Predikt zu halten?
5. Drum
lagerbaer 23.02.2011
Genau deshalb ist der Westen in der arabischen Welt alles andere als gut gelitten. Da lehnt sich ein Volk gegen einen egomanischen Diktator auf, wird dafür mit Kampfflugzeugen beharkt, aber der Deutsche sorgt sich zuallererst um Benzinpreis und Flüchtlingswellen. Damit sagt man aus: "Mir sind 20 Cent Preisersparnis pro Liter Benzin durchaus etliche Menschenleben wert."
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