Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Katholische Kirche: Unter den Talaren das Geld von 2000 Jahren

Von

Der Fall Tebartz-van Elst offenbart nicht nur die Prunksucht des Bischofs - er zeigt auch, wie reich die katholische Kirche wirklich ist. Allein in Deutschland wird ihr Vermögen auf 270 Milliarden Euro geschätzt. Der Überblick.

Eugen Drewermann ist nicht eben als bischofsergeben bekannt. Doch in diesen Tagen sah sich der angesehene Kirchenkritiker aufgerufen, eine Lanze für Franz-Peter Tebartz-van Elst zu brechen. Es sei ungerecht, alle Angriffe auf den Limburger Kirchenfürsten zu richten, sagte er sinngemäß der Bielefelder Tageszeitung "Neue Westfälische". Tebartz-van Elst habe die Kosten aus dem Ruder laufen lassen, aber "die Scheinheiligkeit seiner Amtskollegen wird gar nicht debattiert".

Tatsächlich geben auch die Amtskollegen von Tebartz-van Elst viel Geld für repräsentative Bischofssitze aus. Die Sanierung des Bischöflichen Ordinariats im Bistum Rottenburg-Stuttgart kostete 39 Millionen Euro, die Erzdiözese München leistete sich neben der Renovierung des Palais Holnstein in der Kardinal-Faulhaber-Straße im Stadtzentrum für mehr als acht Millionen Euro auch noch ein schmuckes Gästehaus an der Viale delle Medaglie d'oro in Rom, einer noblen Straße kaum vier Kilometer vom Vatikan entfernt. Kostenpunkt: knapp zehn Millionen Euro. Mittel aus der Kirchensteuer seien dafür nicht verwendet worden, wie ein Bistumssprecher versichert.

Nach Einschätzung von Carsten Frerk kann man das sogar ohne Einschränkung glauben. Denn die katholische Kirche sei so reich, dass selbst Millionensummen für Bau und Restauration repräsentativer Gebäude leicht zu finanzieren seien. "Die bezahlen das sozusagen aus der Portokasse."

Haushaltspläne liefern Anhaltspunkte

Frerk ist einer der wenigen, die über das Vermögen der katholischen Kirche so gut informiert ist, dass er zumindest eine grobe Schätzung wagt: Alles in allem dürfte es rund 270 Milliarden Euro betragen - eine gewaltige Summe, die jedoch auch im Grunde unverkäufliche Vermögenswerte mit einschließt: Etwa Kunstschätze wie den Dreikönigsschrein und das Gerokreuz im Kölner Dom, deren Wert eigentlich nicht mit Geld aufzuwiegen ist.

Über mehrere Jahre hinweg hatte Politologe Frerk recherchiert, Haushaltspläne von Bund und Ländern durchforstet, die Geschäftsberichte der Kirchenbanken analysiert, und unzählige weitere Quellen ausgewertet, darunter amtliche und kirchliche Statistiken oder Jahresberichte der Hilfs- und Missionswerke.

Die konkretesten Hinweise lieferten noch die Bilanzen der Kirchenbanken, aus denen Frerk einen Betrag von rund 16 Milliarden Euro errechnete. Da aber hochgerechnet noch dreimal so viel Geld bei "weltlichen" Instituten angelegt sei, gehe er von einem Barvermögen von mindestens 65 Milliarden Euro aus. "Die Werte stammen von 2002", betont der Kirchenkritiker. "Trotz der Finanzkrise dürfte es inzwischen erheblich mehr sein."

Dass Frerk trotzdem nicht mehr als eine grobe Schätzung wagen kann, liegt nicht nur an der ehernen Verschwiegenheit der Bischöfe und Erzbischöfe, sondern auch an der komplizierten Organisation der katholischen Kirche. Es gebe eine große Zahl von finanziell selbständigen Institutionen, von der Dorfgemeinschaft bis hin zu den 27 katholischen Diözesen, erklärt Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Keine davon sei der Bischofskonferenz gegenüber rechenschaftspflichtig.

Vereint im Glauben

Eine zusammengefasste Bilanz des Kirchenvermögens halten Kirchenvertreter denn auch für gar nicht statthaft. Man sei zwar vereint im Glauben, doch daraus folge nicht, dass Vermögen sehr unterschiedlicher Träger zusammengerechnet werden könnten, heißt es im Erzbistum Köln. Als wirtschaftliche Größe gebe es "die katholische Kirche" in Deutschland nicht.

Immerhin: Einige Bistümer bemühen sich inzwischen um mehr Transparenz. Köln und Hamburg etwa veröffentlichen seit einigen Jahren Haushaltsberichte, die den Regeln des Handelsgesetzbuchs folgen. In Essen und Münster wollen die Kirchenfürsten künftig sogar genauere Angaben über das Vermögen des jeweiligen Bistums machen. In Essen soll es sich nach eigenen Angaben um 2,2 Millionen Euro handeln, in Münster um 2,37 Millionen Euro. Das Bistum Trier gibt den Wert seines Vermögens mit 84 Millionen Euro an - plus 38 Immobilien, deren Wert aber noch nicht geschätzt sei. Und das Bistum Speyer verfügt nach eigenen Angaben über 46,5 Millionen Euro.

Das Bistum Köln weist für 2012 zum Beispiel einen Haushalt von knapp 940 Millionen Euro aus. Davon entfallen knapp 700 Millionen Euro auf Kirchensteuern und gut 86 Millionen auf "sonstige Erträge" (Mieten, Pachten und Kapitalerträge). Zinserträge trügen dazu nur einen geringen Anteil bei, versichert man im Bistum - doch selbst, wenn es nur einige Millionen Euro sind - es setzt angesichts der niedrigen Zinsen schon ein gewaltiges Vermögen voraus, um solche Zinserträge zu erwirtschaften.

Die Erträge dürften ohnehin wieder zum großen Teil in den Schatzkammern landen, darüber sind sich die Beobachter einig. Zumal die laufenden Kosten - abgesehen von dem immensen Aufwand zur Erhaltung der Kirchen und Kunstschätze - von Staat großzügig durch direkte und indirekte Leistungen unterstützt werden. Jährlich erhalten die großen Kirchen insgesamt rund 19 Milliarden Euro für Kindergärten, Schulen, theologische Fakultäten, oder Entwicklungshilfeprojekte. Die 45 Milliarden für Diakonie und die Caritas kommen noch einmal hinzu. Die Kirchensteuer, also die Beiträge der Gläubigen, die der Staat für die Kirchen einzieht, ist da noch nicht einmal erhalten.

Auch ihre Krankenhäuser dienen den Kirchen eher als Imagepflege zu geringen Kosten: Soweit sie im Klinikplan der Länder aufgeführt sind, werden sie zu 100 Prozent bezuschusst. Der Anteil der katholischen Kirche an diesen Subventionen dürfte hoch sein, denn sie ist - ungefähr gleichauf mit der evangelischen Kirche - mit Abstand die größte Glaubensgemeinschaft in Deutschland.

Dazu bezahlen die Länder auch noch einen großen Teil der Gehälter für die Kirchenleute. Mit Ausnahme von Bremen und Hamburg werden die hohen Würdenträger bezahlt wie hohe Beamte: Ein Erzbischof verdient in der Besoldungsgruppe B11 rund 12.000 Euro pro Monat. Lediglich die Kosten für das einfache Personal - dazu gehören auch die Priester - bezahlen die Bistümer selbst.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Skandalbischof Tebartz-van Elst: Spendengift für die Caritas


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: