Hohe Energiekosten: Harte Kritik an Regierung wegen Strompreisschub

2013 wird teuer für Millionen von Stromkunden - und Energie damit auch zum Top-Thema der Politik: Opposition und Wirtschaft geben der Bundesregierung die Schuld. Der Chef der Netzagentur hält weiter steigende Preise gar für unausweichlich.

Strommast: Rund die Hälfte des Preises für Steuern, Abgaben und Umlagen? Zur Großansicht
dapd

Strommast: Rund die Hälfte des Preises für Steuern, Abgaben und Umlagen?

Berlin - Ist es die Energiewende? Sind es die Förderkosten für die Wind- und Sonnenenergie? Oder sind es schlicht Fehlentscheidungen der Bundesregierung, die die Strompreise im neuen Jahr in die Höhe treiben? Sicher ist: Das Thema Energie polarisiert - und hat nun eine neue Debatte ausgelöst.

Vertreter von FDP und Linken forderten, Strom dürfe nicht zum Luxusgut werden. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) rief die Bundesregierung dazu auf, verstärkt gegen den Anstieg der Energiepreise in Deutschland vorzugehen. Notwendig sei unter anderem eine grundlegende Reform der Förderung der erneuerbaren Energien. Die bisherige Regelung sei "für die Steuerung der Energiewende völlig untauglich" und erweise sich "als Preistreiber Nummer eins", sagte er.

Der FDP-Politiker verlangte zudem eine Senkung der Stromsteuer. Die Verbraucher müssten auf diese Weise kurzfristig entlastet werden. Nach Schätzungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) entfällt ab diesem Jahr allein rund die Hälfte des Strompreises auf Steuern, Abgaben und staatlich verordnete Umlagen. Mehr als 30 Milliarden Euro zahlen die Verbraucher für diese Posten - fast sieben Milliarden Euro mehr als im Vorjahr.

Nach Berechnungen von Vergleichsportalen muss in diesem Jahr eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden durchschnittlich rund 1448 Euro Strom in der Grundversorgung zahlen. Das sind 156 Euro mehr als im Vorjahr.

"Armutszeugnis für die Bundesregierung"

Die Linkspartei wertete die Strompreiserhöhungen als Armutszeugnis für die Bundesregierung. Es fehle jeder politische Wille, die Energiewende sozial ausgewogen zu gestalten, kritisierte die Vize-Vorsitzende Caren Lay. Ihre Partei fordere, die Ermäßigungen für die Großindustrie abzuschaffen, die Stromsteuer zu senken sowie eine effektive staatliche Preisaufsicht einzuführen.

Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt wetterte gegen die Bundesregierung. "Ich habe große Sorgen, weil die Energiewende nicht entschlossen genug umgesetzt wird. Wir brauchen bezahlbare Energie zu international wettbewerbsfähigen Preisen und umweltverträglichen Bedingungen", sagte Hundt. Er rate der Politik, "den Zeitplan für den Ausstieg aus der Kernenergie zu überprüfen". Vorhandene Atomkraftwerke könnten erst abgeschaltet werden, "wenn in ausreichendem Umfang andere Energie zu international wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung steht".

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, stimmte die Verbraucher jedoch darauf ein, dass Strom noch teurer werden könnte. "Die Netzentgelte werden auch in Zukunft noch weiter steigen. Es stehen ja erhebliche Investitionen in die Energiewende und konkret in den Netzausbau an. Diese müssen finanziert werden", sagte Homann. Ähnliches hatte EU-Kommissar Günther Oettinger bereits prophezeit.

yes/dpa/dapd

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 853 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
schlob 01.01.2013
Zitat von sysop2013 wird teuer für Millionen von Stromkunden - und Energie damit auch zum Top-Thema der Politik: Opposition und Wirtschaft geben der Bundesregierung die Schuld. Der Chef der Netzagentur hält weiter steigende Preise gar für unausweichlich. Linke lastet Strompreisschub der Bundesregierung an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/linke-lastet-strompreisschub-der-bundesregierung-an-a-875291.html)
es würde zu einem redlichen journalsimus gehören,nun das zu würdigen,was in der ethikkommssion besprochen wurde.- aber diese kritische rückschau wird auch bei allen den irren,die sich zugunsten der energiewende aus dem fenster gelehnt haben,strikt vermieden.- warum werden diejenigen nicht zur rechenschaft gezogen,die mit ihrer autorität den deutschen eingeredet haben,es würde mit ein oder 2 ct kWh sein bewenden haben.- diese haben dem deutschen volk einen 2 billionen-schaden zugefügt.-
2. Hat jemand etwas anderes erwartet?
blaudistel 01.01.2013
Die Energieträger werden zum Luxusgut - zumindest für die Geringverdiener - und für die jeweilige Regierung eine Lizenz zum Geldverdienen (66 Prozent Steuern auf Mineralöl, 35 Prozent Steuern auf Gas und Strom). Muss man eigentlich noch mehr schreiben ... :( ?
3. Wie bei der Atomkraft
Korken 01.01.2013
Wie bei der Atomkraft müssten alle Förderungen der erneuerbaren Energien direkt vom Staat, sprich Steuern bezahlt werden. Sonst werden nur wieder Rufe nach der Atomkraft laut. Kaum einem Menschen ist bekannt, wie hoch der Strompreis wirklich wäre, wenn die Atomlraft komplett über den Strompreis finanziert werden müsste. Außerdem muss der Quatsch der Befreiungen der Industrie und der Haftung von den Off Shore Windanlagen abgeschafft werden.
4. Ursache allen Übels...
doc 123 01.01.2013
Zitat von sysop2013 wird teuer für Millionen von Stromkunden - und Energie damit auch zum Top-Thema der Politik: Opposition und Wirtschaft geben der Bundesregierung die Schuld. Der Chef der Netzagentur hält weiter steigende Preise gar für unausweichlich. Linke lastet Strompreisschub der Bundesregierung an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/linke-lastet-strompreisschub-der-bundesregierung-an-a-875291.html)
Man darf gespannt sein, wie die "Ursache allen Übels" wieder den Absprung zur Atomkraft hinbekommt. Den lächerlichen Vorbeter Oettinger hat Sie ja doch wohl schon vorgeschickt. Keine Ahnung wie dieser geradezu lächerlichste Typ, der nicht man eine Englischablesung auf die Reihe bekommt, immer noch Karriere machen kann, außer von Merkels Gnaden.... Das derzeitige Motto ist wohl: Dumm, Dümmer, Politiker! Wenn die Bundestagswahl unter tatsächlich ernsthaften "demokratischen" und "freien" Kriterien ablaufen müsste, dürfte jedenfalls kein "normaler" Deutscher, der auch nur auch ein einzige Konsequenz aus der deutschen Geschichte gezogen hat, diese absurde derzeitige Kanzlerin nochmalig wählen. - Wie schon angeführt.... diese CDU dürfte unter "normalen" Bedingungen keine Chance haben die 5 % Hürde zu übertreffen.
5. Eines...
Jonny_C 01.01.2013
Zitat von sysop2013 wird teuer für Millionen von Stromkunden - und Energie damit auch zum Top-Thema der Politik: Opposition und Wirtschaft geben der Bundesregierung die Schuld. Der Chef der Netzagentur hält weiter steigende Preise gar für unausweichlich. Linke lastet Strompreisschub der Bundesregierung an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/linke-lastet-strompreisschub-der-bundesregierung-an-a-875291.html)
...verstehe ich dabei nicht. Die Kosten der "Energiewende" dürften doch nur "einmalig" sein. Wenn alles endlich läuft und funktioniert, dann MUSS alles billiger werden als vorher. Sonne & Wind & Wasserkraft sind doch frei verfügbar. Uran (Endlagerung) Gas und Kohle aber nicht..... Wo ist mein Denkfehler ?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Energiewende
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 853 Kommentare
  • Zur Startseite

Interaktive Grafik

Fotostrecke
Grafiken: Wo kommt 2030 unsere Energie her?