Lira Währungsverfall setzt Türkei immer stärker unter Druck

Die Lira hat erneut eingebüßt: Der Dollar kostet nun 5,44 Lira - so viel wie noch nie. Das türkische Finanzministerium will die Börse beruhigen, Anleger fürchten Liquiditätsengpässe.

Wechselstube in der Türkei
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Wechselstube in der Türkei


Der anhaltende Verfall der Lira setzt die türkische Regierung zunehmend unter Druck. Das Finanzministerium in Ankara versuchte am Donnerstag, die Börsen zu beruhigen. Türkischen Banken und anderen Unternehmen drohten demnach keine Liquiditätsengpässe. Beim Wachstum rechnet das Land für 2019 mit drei bis vier Prozent. 2017 legte die Wirtschaft allerdings noch doppelt so stark zu. Am Freitag will Finanzminister Berat Albayrak neue Pläne für die Wirtschaft vorstellen.

Seit Jahresbeginn hat die Lira knapp ein Drittel ihres Wertes eingebüßt. Allein am Donnerstag verlor sie weitere zwei Prozent, ein Dollar kostete 5,44 Lira und damit so viel wie noch nie. Parallel dazu trieben verstärkte Spekulationen auf Zahlungsausfälle in der Türkei die Kosten für Kreditausfallversicherungen auf den höchsten Stand seit neun Jahren.

Anleger wollen türkische Anleihen und Aktien loswerden

Der wachsende Einfluss von Präsident Recep Tayyip Erdogan auf die eigentlich unabhängige Zentralbank stimmt internationale Investoren skeptisch. Immer mehr Anleger ziehen ihr Geld ab und bieten ihre türkischen Anleihen und Aktien zum Verkauf an. Sie befürchten auch, dass der Währungsverfall die Banken des Landes in Bedrängnis bringen könnte. Die Inflation ist auf mehr als 15 Prozent gestiegen, das Leistungsbilanzdefizit ist vergleichsweise hoch.

Die Notenbank kommt am 13. September zu ihrer nächsten regulären Sitzung zusammen. Vorher könnte Zentralbank-Chef Murat Cetinkaya versuchen, mit öffentlichen Äußerungen die Finanzmärkte zu beruhigen. Um Liquiditätsengpässe bei Banken zu vermeiden, könnten die Mindestreserve-Anforderungen weiter gelockert werden. Erst am Montag hatten die Währungshüter dadurch etwa 2,2 Milliarden Dollar an Liquidität bereitgestellt.

Keine Einigung im Streit mit den USA

Auch der andauernde Streit mit den USA über den in der Türkei festgehaltenen US-Pastor Andrew Brunson belastet die Stimmung. Brunson lebt seit mehr als 20 Jahren in der Türkei. Die dortige Justiz wirft ihm vor, Kontakt zum Prediger Fetullah Gülen gehabt zu haben, den die Regierung in Ankara für den Putschversuch in der Türkei vor zwei Jahren verantwortlich macht.

Die Gespräche hochrangiger Regierungsvertreter beider Seiten am Mittwoch in Washington brachten nach Angaben einer Sprecherin des US-Außenministeriums keinen Durchbruch. Mit Blick auf die Forderung der US-Regierung nach einer Freilassung des Geistlichen sagte sie: "So weit sind wir noch nicht."

Zu weiteren Streitthemen etwa in der Frage der Iran-Sanktionen bemerkte sie lediglich, die Gespräche würden fortgesetzt. Die vom Außen-Staatssekretär Sedat Önal angeführte türkische Delegation äußerte sich nicht. Auch aus weiteren Gesprächen beider Seiten im US-Handelsministerium wurden keine Fortschritte gemeldet.

cop/Reuters

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