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LNG-Terminal in Litauen eingetroffen: Flüssiggas statt Putins Gas

Vor Litauens Küste ist eine schwimmende Anlage zur Lagerung und Aufbereitung von verflüssigtem Erdgas eingetroffen. Sie könnte bis zu 90 Prozent des Gasbedarfs im Baltikum decken. Die Regierung spricht von einem politischen Befreiungsschlag.

Fotostrecke: Litauen baut LNG-Terminal Fotos
AFP

Klaipeda - Ein Flüssiggasterminal in der Ostsee soll Litauens Abhängigkeit von russischen Erdgaslieferungen verringern. Am Montag traf in der Hafenstadt Klaipeda eine schwimmende Anlage zur Lagerung und Aufbereitung von verflüssigtem Erdgas ein, die auch die baltischen Nachbarn Lettland und Estland mitversorgen kann.

Der Terminal sei ein wichtiges strategisches Projekt, sagte Staatschefin Dalia Grybauskaite. "Er bedeutet nicht nur Energieunabhängigkeit, sondern auch politische Freiheit." Mit einer Speicherkapazität von 170.000 Kubikmetern Flüssiggas könne er bis zu 90 Prozent des Gasbedarfs im Baltikum decken.

Der Terminal soll Anfang Dezember den Betrieb aufnehmen. Die rund 145 Millionen Euro teure Anlage wird vom norwegischen Energiekonzern Statoil mit Flüssiggas versorgt. Bisher beziehen die baltischen Staaten ihr Gas vollständig aus Russland.

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ssu/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 68 Beiträge
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1. Glückwunsch!
OlafKoeln 27.10.2014
Dieses Jahr nimmt auch Polen noch ein LNG-Terminal in Betrieb. Deutschland sollte auch schnellstens mehrere in Betrieb nehmen, um vom Kreml nicht mehr erpressbar zu sein.
2. Weiter denken
quaselpitt 27.10.2014
An Europas Küsten 15-20Stück errichten .
3. Gut gemacht,
brunellot 27.10.2014
Frau Grybauskaite. Da war offensichtlich politische Weitsicht im Spiel, denn dieses Terminal hat man sicherlich nicht über Nacht zusammen geschweißt. Ich wünschte, die deutsche Politik würde sich in ähnlicher Weise positionieren...
4. Dadurch wird die Welt nicht sicherer
laermgegner 27.10.2014
Der Beitrag liest sich wie - Bier aus München jetzt auch in Berlin - Transport kostet auch Geld und Statoil hat auch nichts zu verschenken - auf wessen Kosten wird das ausgetragen ? Da die Region sehr reich an Ölschiefer ist, ist die ganze Sache doch eher wieder etwas zum Politik machen.
5. Ja und?
brille000 27.10.2014
Da könnt Ihr doch so viele Flüssiggasterminals bauen, wie Ihr wollt. Stellt Euch doch mal die Frage, wer dieses liefern soll. Eine Option ist das ganz gewiss nicht. Eine Option wäre allerdings, sich von der amerikanischen Doktrin endlich loszusagen, die darauf hinzielt, einen Keil zwischen die Staaten der Europäischen Union und Russland zu treiben. Als nächstes werden unsere "Freunde" aus Übersee darauf hinwirken, dass die wirtschaftlichen Beziehungen zu China entsprechend sanktioniert werden. Immer den Gringos zum Nutzen ... .
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Unkonventionelle Gasförderung
In Deutschland gibt es einen Run auf neue Erdgasquellen. Durch spezielle Bohrmethoden lässt sich der wertvolle Rohstoff selbst dann bergen, wenn er in kleinen, abgeschotteten Zwischenräumen verstreut ist. SPIEGEL ONLINE zeigt Chancen und Risiken des Booms im Überblick.
Weltweite Vorräte
Die Internationale Energieagentur schätzt, dass weltweit rund 921 Billionen Kubikmeter unkonventionellen Gases im Erdreich verborgen sind - fünfmal so viel wie in konventionellen Vorkommen. Andere Expertern gehen von noch größeren Mengen aus. Bislang gibt es für viele Länder aber nur Schätzungen über prinzipiell vorhandene Mengen (in-situ Mengen). Wie viel davon tatsächlich technisch (Ressourcen) und wirtschaftlich (Reserven) gefördert werden kann, ist noch nicht bekannt.
Die Reservoirs
Im Gegensatz zu konventionellen Vorkommen befindet sich unkonventionelle nicht in durchlässigen Gesteinsschichten, sondern in kleinsten Poren und Bruchzonen im Gestein. Die größten Vorkommen sind in Schiefergestein eingeschlossen. Aber auch in Tonschichten und Tundraböden finden sich Vorräte.
Die Fördermethode
Steuerbare Bohrer dringen nicht nur tief ins Erdreich vor, sondern wühlen sich auch horizontal ins Gestein. So kann die gashaltige Gesteinsschicht über eine Strecke von mehreren Kilometern durchbohrt werden. Damit das Gas entweichen kann, wird das Gestein durch eine Mischung aus Wasser, Chemikalien und Quarzkügelchen in Tausende Stückchen gesprengt. Die Sprengungen bezeichnet man als "hydraulic fracturing" oder "fracing" (sprich: "Fräcking"). Fracing wird sehr selten auch bei konventionellen Bohrungen eingesetzt - bei unkonventionellen ist es Standard.
Die Chemikalien
Der Anteil der eingesetzten Chemikalien an der Gesamtflüssigkeit beträgt nach Angaben der Industrie gut ein Prozent. Angesichts der Tatsache, dass beim Fracing einer Bohrung teils mehrere Millionen Liter Wasser eingesetzt werden, ist das allerdings immer noch eine Menge. Über die genaue Zusammensetzung der Chemikalien gibt die Industrie nur sehr zögernd Auskunft.
Folgen der Technologie
In den USA hat der Abbau von unkonventionellem Erdgas bereits in großem Stil begonnen und den Energiemarkt so umgekrempelt, dass der Rohstoffexperte und Pulitzerpreis-Gewinner Daniel Yergin von einer "American Gas Revolution" spricht.
Folgen für die Umwelt
In den USA gibt es Beschwerden von Anwohnern, die sagen, ihre Lebensbedingungen hätten sich verschlechtert - unmittelbar, nachdem in Nähe ihrer Wohnungen Fracing-Bohrungen vorgenommen wurden. US-Behörden haben zudem Luft- und Grundwasserverschmutzungen nachgewiesen. Inwieweit es sich um Einzelfälle handelt oder um ein flächendeckendes Problem - und inwieweit all die aufgetretenen Umweltschäden tatsächlich mit der unkonventionellen Gasförderung zusammenhängen, ist kaum untersucht. Die US-Regierung hat es bislang versäumt, die Umweltrisiken genau zu untersuchen.ssu


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