Löhne im Überblick So viel verdienen die Deutschen

Wieso bekommt nur jeder Dritte mehr als den Durchschnittslohn? Und wie hoch muss das Gehalt sein, um zum obersten Prozent zu gehören? Fakten zur Lohngerechtigkeit auf einen Blick - in der Infografik.

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Ein Beitrag zur Themenwoche "Soziale Gerechtigkeit" von und


Wo steht Deutschland: bei der Integration von Flüchtlingen, dem Umweltschutz, der sozialen Gerechtigkeit? Wir wollen es herausfinden - und berichten in sieben Themenwochen über Deutschland im Wahljahr 2017.
Einen Überblick finden Sie hier.

Es gibt in Deutschland kaum ein größeres Tabuthema als das eigene Einkommen - selbst viele Ehepartner wissen voneinander so ziemlich alles, nur nicht die Höhe des Bruttogehalts. Umso schwerer fällt es vielen, ihren Verdienst richtig einordnen zu können. Die Grafik kann dabei helfen: Sie zeigt die Bruttomonatslöhne im April 2014, aktuellere Daten gibt es in dieser Detailtiefe noch nicht.

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Heft 31/2017
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Allerdings sind ausschließlich Vollzeitarbeitnehmer berücksichtigt, was die Werte tendenziell etwas höher erscheinen lässt, als sie im Schnitt aller Arbeitnehmer tatsächlich sind - denn dazu gehören auch Teilzeitbeschäftigte und hier vor allem die Minijobber. Andererseits sind auch keinerlei Sonderzahlungen enthalten, wie etwa das 13. Gehalt oder das Urlaubsgeld.

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Eines wird schnell deutlich: Jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland verdient zwischen 2100 und 3700 Euro brutto. Weniger bekommen knapp 20 Prozent, rund 30 Prozent haben hingegen ein höheres Monatsgehalt. Um zu dem oberen einen Prozent der Arbeitnehmer-Verdiener zu gehören, reichte vor drei Jahren ein reguläres Bruttogehalt von 10.505 Euro. Wie stark die Verdiensthöhe bei den oberen Einkommensklassen jedoch steigt, macht die Grafik ebenfalls deutlich.

Das ist auch der Grund, weshalb die Unterschiede zwischen dem Durchschnitts- und dem Medianlohn recht groß sind: Der Medianlohn (oder der "mittlere Lohn") ist der Lohn genau in der Mitte - 50 Prozent der Arbeitnehmer verdienen weniger, 50 Prozent verdienen mehr. Im April 2014 lag er bei 2990 Euro. Um den Durchschnittslohn zu berechnen, werden hingegen alle einzelnen Löhne addiert und dann durch die Anzahl der Arbeitnehmer geteilt - die hohen Verdienstsprünge bei den oberen Einkommensklassen sorgen dafür, dass der Durchschnittslohn mit 3441 Euro wesentlich höher lag als der Medianlohn. Wer also den Durchschnittslohn bekommt, verdient mehr als 65 Prozent aller anderen Arbeitnehmer.

Übrigens: Die berühmte "Standardrente" wird auf Grundlage des Durchschnittslohns und nicht des Medianlohns berechnet - weist also, anders als ihr Name vermuten lässt, die gesetzliche Rente eines Arbeitnehmers aus, der 45 Jahre lang durchweg zu den Gutverdienern gehörte.

Die Lohnspreizung seit Mitte der Neunzigerjahre gibt einen Hinweis darauf, woher die höchst unterschiedlichen Bewertungen über die Entwicklung der Lebenssituation in Deutschland rühren könnten: Zwischen 1995 und 2015 sanken die Reallöhne des untersten Einkommenszehntels jedes Jahr im Schnitt um 0,6 Prozent. Anders ausgedrückt: Jahr für Jahr konnten sich Arbeitnehmer in dieser Gruppe 0,6 Prozent weniger leisten. Auf der anderen Seite der Einkommensskala wuchs die Kaufkraft jedoch immer weiter. Bei den oberen 30 Einkommensprozent Jahr für Jahr um rund ein halbes Prozent.

Wahr ist allerdings auch: Dieser langfristige Trend scheint sich seit Kurzem zu ändern. Seit 2012 haben alle Einkommensklassen an Kaufkraft zugelegt, die untersten 30 Prozent recht deutlich, allerdings immer noch weit weniger als die obersten 40 Prozent. Am wenigsten legten die Einkommen in der Mitte zu.



insgesamt 228 Beiträge
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Seite 1
giostamm11 31.07.2017
1. 18.000 Netto Median Lohn pro Jahr
es ist natürlich klar, dass selbst im billigen Deutschland dies nicht reicht. Es ist peinlich für die deutsche Regierung, dass dieser Niedriglohnsektor missbraucht wird um die eigene Konkurrenzfähigkeit aufrecht zu erhalten. Das ist eine innere ABWERTUNG. Die Löhne sind auf Italienischem Niveau. Früher gab es diese Unterschiede im Vergleich zur Schweiz nicht in diesem Ausmass. Heute entspricht der deutsche Durchschnittslohn exakt 50% des Schweizer Durchschnittslohns und das bei doppelter Abgabenlast in Deutschland. Kein Wunder sind grosse Teile der Bevölkerung unzufrieden. Was erstaunt ist allerdings das Wahlverhalten der Deutschen. In jedem anderen Land hätten solche Bedingungen Regierungswechsel zur Folge. Oder reicht es dem deutschen Wähler dass man ihm sagt er sei Exportweltmeister und schon ist er zufrieden?
n.wemhoener 31.07.2017
2.
Die Darstellung der Lohnentwicklung von 1995 bis 2015 zeigt deutlich, dass die Hälfte der Beschäftigten in den letzten 20 Jahren um die Früchte ihrer Arbeit gebracht wurden. Im Exportweltmeisterland kommt das Wachstum schon lange nicht mehr bei der arbeitenden Bevölkerung an. Der Reichtum verschwindet woanders. Was unsere Kanzlerin gern mit ihrem Lieblingssatz "Deutschland geht es gut" vertuscht.
cabarrus 31.07.2017
3. Ein anderer Blickwinkel
könnte sein, diese Menschen nicht um die Früchte ihrer Arbeit gebracht wurden, sondern nur aus diesem Grund überhaupt noch einen Job haben. Wir können natürlich höhere Löhne für alle herbeiwünschen, die Volksseele ist beruhigt und 2tage später haben wir ein ähnliches Thema mit Arbeitslosen wie im Rest Europas. Dann möchte ich gern mal wissen, wer den jetzigen Sozialstaat aufrecht erhält. Wichtig ist lediglich, das ein Beschäftigter von seinem Geld leben können muss. Alles darunter wäre wirklich ungerecht. Es gibt wohl kaum Einwand auf der Welt, in dem es eine staatliche Förderung auch für Menschen gibt die im Leben mehrfach falsch abgebogen sind. Mann sollte auch die Tatsache akzeptieren, das es immer Menschen geben wird die keine Steuern zahlen und immer welche, die egal was man ihnen als Unterstützung zukommen lässt, kein Bein auf die Erde bekommen werden. Das Leben hat auch etwas mit Eigenverantwortung zu tun.
Celestine 31.07.2017
4. Zwei Titel für Glück und Zufriedenheit
Zitat von giostamm11es ist natürlich klar, dass selbst im billigen Deutschland dies nicht reicht. Es ist peinlich für die deutsche Regierung, dass dieser Niedriglohnsektor missbraucht wird um die eigene Konkurrenzfähigkeit aufrecht zu erhalten. Das ist eine innere ABWERTUNG. Die Löhne sind auf Italienischem Niveau. Früher gab es diese Unterschiede im Vergleich zur Schweiz nicht in diesem Ausmass. Heute entspricht der deutsche Durchschnittslohn exakt 50% des Schweizer Durchschnittslohns und das bei doppelter Abgabenlast in Deutschland. Kein Wunder sind grosse Teile der Bevölkerung unzufrieden. Was erstaunt ist allerdings das Wahlverhalten der Deutschen. In jedem anderen Land hätten solche Bedingungen Regierungswechsel zur Folge. Oder reicht es dem deutschen Wähler dass man ihm sagt er sei Exportweltmeister und schon ist er zufrieden?
Seit einigen Jahren ist er das doch gar ncht mehr, sondern steht an dritter Stelle nach China und den USA. Ist Ihnen denn nicht aufgefallen, dass über entsprrechend Daten in den deutschen Medien seitdem kaum noch berichtet wird. So lange der deutsche Wähler das aber noch *glaubt*, ist alles in Butter, besonders, wenn Deutschland dann auch noch ein Fußball-Weltmeister ist. ;-)
Achmuth_I 31.07.2017
5. Verstehe ich nicht.
Zitat von n.wemhoenerDie Darstellung der Lohnentwicklung von 1995 bis 2015 zeigt deutlich, dass die Hälfte der Beschäftigten in den letzten 20 Jahren um die Früchte ihrer Arbeit gebracht wurden. Im Exportweltmeisterland kommt das Wachstum schon lange nicht mehr bei der arbeitenden Bevölkerung an. Der Reichtum verschwindet woanders. Was unsere Kanzlerin gern mit ihrem Lieblingssatz "Deutschland geht es gut" vertuscht.
Was hat der Artikel mit China zu tun?
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