Lohn-Untergrenze Kabinett beschließt Mindestlohn für Zeitarbeiter

Die 900.000 Leiharbeiter in Deutschland bekommen ab Januar einen verbindlichen Mindestlohn - es ist die elfte Branche mit einer Lohnuntergrenze. Die Gewerkschaften begrüßten die Einführung, es gibt aber auch Kritik.

Demonstration vor dem Kanzleramt: Für Mindestlohn und gleiche Bezahlung von Zeitarbeitern
DPA

Demonstration vor dem Kanzleramt: Für Mindestlohn und gleiche Bezahlung von Zeitarbeitern


Berlin - Von Januar an gilt für alle Beschäftigten der Leiharbeitsbranche eine gemeinsame Lohnuntergrenze - sie liegt bei 7,01 Euro in den fünf ostdeutschen Bundesländern und Berlin sowie 7,89 Euro in den übrigen Bundesländern. Das Bundeskabinett billigte am Dienstag eine entsprechende Verordnung von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Gewerkschaften und Arbeitgebervertreter der Zeitarbeitsbranche hatten sich auf den Mindestlohn geeinigt. Er gilt für alle in Deutschland eingesetzten Leiharbeiter, unabhängig davon, ob deren Arbeitgeber im Ausland oder Inland sitzt.

Von der Leyen äußerte sich zufrieden, forderte aber, ebenso wie die Gewerkschaften, in einem nächsten Schritt müssten Leiharbeiter den gleichen Lohn erhalten wie Festangestellte. Sollte es darüber im ersten Quartal 2012 keine Einigung geben, werde die Regierung eine Expertenkommission einsetzen.

Claus Matecki, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), bezeichnete das Inkrafttreten des Mindestlohns in der Zeitarbeitsbranche als "überfälligen ersten Schritt". Der DGB rücke aber nicht ab von seinem Ziel "gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Hubertus Heil, betonte, nun müsse der Grundsatz des Equal Pay durchgesetzt werden. Heil bekräftigte zudem die Forderung nach einem allgemeinen, gesetzlichen Mindestlohn.

Lohnerhöhungen für Dachdecker und Gebäudereiniger

Der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) forderte ebenfalls einen allgemein verbindlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro. Die vereinbarten Mindestlöhne seien viel zu niedrig. "Wer von Zeitarbeit leben muss, bleibt arm dran", erklärte der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler. Wegen der schlechten Bezahlung bekämen viele, die lange als Leiharbeiter tätig waren, später keine ausreichende Rente.

In der gleichen Sitzung billigte das Kabinett die Erhöhung der Mindestlöhne für rund 900.000 Gebäudereiniger und rund 90.000 Dachdecker. In der Lohngruppe 1 der Gebäudereiniger wird der Mindestlohn im Westen von Januar 2012 an auf 8,82 Euro und ein Jahr später auf 9,00 Euro angehoben, im Osten steigt er von Januar 2012 an von 7,00 Euro auf 7,33 Euro, ein Jahr später auf 7,56 Euro. Dachdecker bekommen von Januar an bundesweit mindestens einen Stundenlohn von 11,00 Euro und ein Jahr später 11,20 Euro.

nck/dpa/dapd



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insgesamt 18 Beiträge
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Oliver Gnutz 20.12.2011
1. Lach....
Zitat von sysopDie 900.000 Leiharbeiter in Deutschland bekommen von Januar an einen verbindlichen Mindestlohn - es ist die elfte Branche mit einer Lohnuntergrenze. Die Gewerkschaften begrüßten die Einführung, es gibtaber auch Kritik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,804979,00.html
Ein Witz - in DK sind es über 15 EUR. Aber da gibt es auch eine echte Sozialpartnerschaft zwischen Gewerkschaften, Arbeitnehmern und Arbeitgebern.
CA-Fire 20.12.2011
2. Macht sich irgendein "Bonze" Gedanken?
Zitat von sysopDie 900.000 Leiharbeiter in Deutschland bekommen von Januar an einen verbindlichen Mindestlohn - es ist die elfte Branche mit einer Lohnuntergrenze. Die Gewerkschaften begrüßten die Einführung, es gibtaber auch Kritik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,804979,00.html
Es ist lächerlich, wie mit diesen Arbeitern umgegangen wird. Hat sich schon jemals einer dieser Politiker oder übersättigten Gewerkschaftsbonzen darüber Gedanken gemacht, wie man mit diesem Hungerlohn über die Runden kommen soll???? Das sind 316 € netto in der Woche. Das ist menschenunwürdig und menschenverachtend. Da kann ich nachvollziehen, dass immer mehr Menschen zu der Auffassung gelangen, das sich Arbeit nicht lohnt.
CA-Fire 20.12.2011
3. Noch eine "dumme" Frage
Zitat von sysopDie 900.000 Leiharbeiter in Deutschland bekommen von Januar an einen verbindlichen Mindestlohn - es ist die elfte Branche mit einer Lohnuntergrenze. Die Gewerkschaften begrüßten die Einführung, es gibtaber auch Kritik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,804979,00.html
1. wann endlich wird aufgehört in Deutschland nach Ost- und West zu bemessen? Und 2. Warauf oder womit ist Fr. von der Leyen zufrieden??? Schämen muss sie sich deratige Sklaven"löhne" als Fortschritt zu betrachten.
pkeszler 20.12.2011
4. Mindestlöhne als Abschiedsgeschenk?
Was da die schwarz-gelbe Regierung wieder einmal beschlossen hat, ist doch lächerlich. Welcher Arbeitnehmer kann denn von 7,01 Euro Brutto leben? Und warum wird bei so geringen Stundenlöhnen immer noch zwischen Ost und West unterschieden? Das soll Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erst einmal vormachen. Mit solchen Beschlüssen kann sich die jetzige Regierung ohnehin nicht über das Jahr 2013 retten. Dann soll sie wenigstens noch ein ordentliches Abschiedsgeschenk für die Arbeitnehmer machen.
warndtbewohner 20.12.2011
5. Blendwerk
Zitat von sysopDie 900.000 Leiharbeiter in Deutschland bekommen von Januar an einen verbindlichen Mindestlohn - es ist die elfte Branche mit einer Lohnuntergrenze. Die Gewerkschaften begrüßten die Einführung, es gibtaber auch Kritik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,804979,00.html
hier werden wieder Nebelgranaten geworfen. Der Mindestlohn reicht hinten und vorne nicht um über die Runden zu kommen geschweige davon eine Familie durchzubringen. Also weiterhin aufstocken wie bisher. Und warum nicht endlich gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Es geht hier nur um Propaganda. Faktisch werden sich die Leiharbeiter nur wenig besser stellen....
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