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Lohn zu gering: Polnische Leiharbeiter ignorieren deutsche Grenzöffnung

Die Billiglöhnerschwemme bleibt aus: Laut Branchenkennern hat die Öffnung der deutschen Grenzen für osteuropäische Leiharbeiter bislang kaum Wirkung gezeigt. Für Geringverdiener aus Polen zum Beispiel sei die Bezahlung in der Bundesrepublik einfach zu schlecht.

Polnischer Saisonarbeiter bei Spargelernte: Grenzöffnung nur bedingt wirksam Zur Großansicht
DPA

Polnischer Saisonarbeiter bei Spargelernte: Grenzöffnung nur bedingt wirksam

Berlin - Was gab es doch für einen Aufschrei, als am 1. Mai die deutschen Grenzen für osteuropäische Leiharbeiter geöffnet wurden. Politiker warnten vor einer Billiglöhnerschwemme. Die Regierung kündigte an, stärker nach Schwarzarbeitern fahnden zu wollen. Forderungen nach einem branchenübergreifenden Mindestlohn wurden laut.

Jetzt sind die Grenzen seit zwei Monaten offen - und passiert ist offenbar herzlich wenig. Zumindest laut der Zeitarbeitsfirma Manpower hat die Grenzöffnung bisher kaum Wirkung gezeigt. "Deutschland ist nicht attraktiv für Geringverdiener aus Polen. Sieben Euro pro Stunde verdienen sie auch zu Hause", sagte Vera Calasan, Chefin von Manpower Deutschland, der "WAZ". Wie in 81 weiteren Ländern ist Manpower auch in Polen tätig.

"Leiharbeiter aus dem Niedriglohnbereich vermitteln wir gar nicht nach Deutschland, dafür gibt es keine Nachfrage", sagte Calasan. Wenn, dann spreche man in Polen Ingenieure an, ob sie nach Deutschland kommen wollen. Denn die würden hierzulande händeringend gesucht und könnten entsprechend gut verdienen. Die Manpower-Chefin glaubt, dass Zeitarbeiter in Deutschland über kurz oder lang genauso viel verdienen würden wie Stammkräfte.

ssu/dapd/Reuters

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insgesamt 145 Beiträge
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1. Ach was?
fridericus1 05.07.2011
Na, das ist ja eine Überraschung. Wollen die faulen Polen etwa nicht für miese deutsche Löhne arbeiten? Unglaublich! Da fahren die einfach weiter in Länder, wo es einen Mindestlohn gibt!!! Dieses Problem wird uns solange begleiten, wie es deutschen Arbeitgebern gestattet ist, Menschen zu Hungerlöhnen schuften zu lassen. Und anscheinend ist die Versuchung dafür besonders groß, wenn es sich um Menschen handelt, denen man eine gewisse Bedürftigkeit unterstellt. Leider, leider kann man keine Volkswirtschaft nur mit Juristen, Ingenieuren und Betriebswirten betreiben. Es muss auch noch Menschen geben, die wirklich arbeiten. Und irgendwann lassen sich diese Menschen nicht mehr mit Almosen abspeisen.
2. Billoglohnland
anderton 05.07.2011
Genau das ist auch Deutschland geworden. Ein einziges Billiglohnland! Es dauert nicht mehr lange, dann gehören wir zur dritten Welt. Danke!
3. Ich arbeite viel mit Polen (NICHT Erntehelfern)
chrome_koran 05.07.2011
sondern im Bereich der internationalen Projekte. Dass polnische Arbeiter keine Lust auf Deutschland haben, hat weniger mit Löhnen zu tun, sondern mit der Art und Weise, auf die allzu viele Deutsche die östlichen Nachbarn nach wie vor sehen und behandeln: als Menschen zweiten Kategorie, etwas blöde, jedenfalls minderwertige Schlitzohre, die zwar vordergründig fleißig und zuverlässig arbeiten, aber nur, um hinterher die heiligen doitschen Autos zu klauen und abzuhauen. Außerdem fahren die alle rostigen Polski Fiat, haben keine Autobahn™ und ein Doitscher im Hotel Centralny kann für 50 Mark einen auf den King machen. Ahnee, das war vor 30 Jahren…*ja denn… Oder so ähnlich. (Wer Sarkasmus findet, darf ihn behalten.) Ausnahmen sind löblich und bestätigen die traurige Regel. Deswegen gehen die meisten Polen, die im Ausland aktiv werden wollen, nach England oder nach Frankreich, wo sie auf Augenhöhe auftreten, als Menschen gesehen werden und ihre Ausbildung anerkannt bekommen.
4. Wer hätte das gedacht?
pragmat 05.07.2011
Zitat von sysopDie Billiglöhnerschwemme bleibt aus:*Laut einer Erhebung*hat die Öffnung der deutschen Grenzen für osteuropäische Leiharbeiter bislang kaum Wirkung gezeigt. Die Bezahlung in der Bundesrepublik sei für Geringverdiener aus Polen einfach zu schlecht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,772389,00.html
Wer hat sich denn da verrechnet? Nun, nicht alle sind so dumm, auf die Lohnsenkungen der Schröders und Clements mit einem bescheidenen Jawohl zu antworten. Irgendwo hat die Arbeitswut auch Grenzen. Bleibt dann nur noch die griechische Lösung, eine Staatskrise auszulösen, um Lohn- und Gehaltssenkungen schmackhaft zu machen. Zusammen mit den Grenzkontrollen Dänemarks, die die Reisefreiheit in Europa beschränken, warten noch weitere Demontagen des vereinten Europa. Besser hätten es Europas Feinde auch nicht gekonnt!
5. Selber schuld ihr Polen!
Igga, 05.07.2011
Es waren genau solche Billiglöhner aus dem Ausland, die die Lohnspirale nach unten in Deutschland losgetreten haben. Viele der Deutschen, denen sie dadurch die Arbeit weggenommen haben sind durch Hartz-IV inzwischen dafür bereit für ähnlich niedrige Löhne wie polnische Gast- oder Zeitarbeiter zu arbeiten. So ändern sich die Zeiten. Außerdem führte die Abschaffung der Grenzen und der Euro-Einheitsbrei zu einer Anpassung der Lohnniveaus der einzelnen Länder. Ursprünglich wollte man Deutschland durch die EU noch mehr ausbeuten. Das ist gelungen. Jetzt ist nichts mehr da, was man noch holen könnte! Deutschland hat bisher für die gesamte EU den Zahlmeister gespielt und sich dadurch eine Rekordverschuldung aufgehalst. Polen sollte sich nicht nur an ein geringes Lohnniveau in Deutschland gewöhnen, sondern auch daran, einmal an Deutschland Rettungsmilliarden zu zahlen, so wie Deutschland das jetzt für Griechenland tut.
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