Lokführer-Streik der GdL Deutschlands dümmste Gewerkschaft

Die Lokführer schmettern das neue Tarifangebot der Deutschen Bahn ab - sie wollen lieber streiken. Das ist ihr gutes Recht. Dumm nur, dass sie damit ihre eigene Entmachtung betreiben.

GdL-Chef Weselsky: Die Lokführer stärken nur die Macht des Vorsitzenden
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GdL-Chef Weselsky: Die Lokführer stärken nur die Macht des Vorsitzenden

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Schichtdienste, eng getaktete Zeitpläne, Monotonie pur auf kilometerlangen Gleisen: Der Beruf des Lokführers ist beileibe etwas anderes als das, was sich kleine Jungen mit leuchtenden Augen unter ihm vorstellen. Das gilt erst recht für das Gehalt. Rund 2000 Euro brutto plus Zulagen bekommt ein Lokführer in den ersten Berufsjahren. Reich wird man davon sicher nicht, auch nach Jahrzehnten im Dienst der Deutschen Bahn.

Statistisch ziemlich sicher ist dagegen, dass einem Lokführer in seiner Arbeitszeit mindestens ein lebensmüder Mensch vor den Zug springt. Viele Lokführer werden nach solch einem Schock depressiv oder sogar arbeitsunfähig.

Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GdL) hat schon deshalb jedes Recht, in der aktuellen Tarifrunde mit der Bahn ein ordentliches Plus auf dem Gehaltszettel für die Beschäftigten rauszuholen - und dafür auch zu streiken. Das hat sie nun für die kommenden Tage angekündigt.

Doch das, was der Vorsitzende der Gewerkschaft, Claus Weselsky, seit Monaten vorantreibt, hat nichts mehr mit einer normalen Tarifauseinandersetzung zu tun. Weselsky will die 1867 als Verein Deutscher Lokomotivführer gegründete Gewerkschaft auch auf das restliche Bahnpersonal ausdehnen, obwohl das zumeist schon in der größeren Gewerkschaft EVG organisiert ist. Das ist in etwa so, als würden die Ärztevertreter vom Marburger Bund nun auch die Interessen der Krankenpfleger oder der Rettungssanitäter wahrnehmen wollen.

Aufruf zum "Heiligen Krieg, nur um sein Ego zu stärken"

Weselskys legendärer Vorgänger Manfred Schell - nicht gerade für seine Sanftmütigkeit bekannt - brachte Weselskys Treiben kürzlich auf den Punkt: Weselsky rufe zum "Heiligen Krieg auf, nur um sein Ego zu stärken". Tatsächlich haben die Lokführer nichts durch den aggressiven Kurs Weselskys gewonnen: Seit Monaten bewegt sich nichts im Tarifstreit, die Gräben zwischen den Gewerkschaften innerhalb des Bahn-Konzerns sind tiefer denn je.

Derzeit bastelt die Bundesregierung zudem an einem Gesetz zur sogenannten Tarifeinheit. Im schwerwiegendsten Fall dürften sogenannte Spartengewerkschaften dann nicht mehr streiken, weil die größeren mit mehr Mitgliedern in einem Betrieb dann Vorrang hätten. Für die Lokführer, Piloten oder Ärzte würde dann die Friedenspflicht gelten. Anders gesagt: Sie wären ihr wirkungsvollstes Druckmittel los, ihre Spartengewerkschaften zur Bedeutungslosigkeit verdammt. Weselskys Egotrip ist die beste Werbung, die sich Arbeitgeberverbände für ihre Forderung nach einem Tarifeinheitsgesetz wünschen können.

Es ist also höchste Zeit, dass die GdL-Mitglieder aufwachen, um sich nicht den Titel der dümmsten Gewerkschaft der Welt zu verdienen. Zuletzt haben 91 Prozent von ihnen Weselsky ihre Zustimmung für unbefristete Streiks gegeben. Dass sie damit jetzt die Macht des Vorsitzenden stärken - und ihre eigene langfristig schwächen, haben sie dabei wohl nicht bedacht.

Die Lokführer und auch die Lufthansa-Piloten sollten sich bewusst sein, dass ihre Handlungen momentan genauestens von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und den Arbeitgebern beobachtet werden. Jede überzogene Forderung, wie die von Weselsky oder auch die Altersgeld-Wünsche der Piloten, spielt den Befürwortern der Tarifeinheit in die Hände. Wenn die Lokführer ihren Kurs nicht ändern, rechtfertigen sie ungewollt ihre eigene Entmachtung.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 303 Beiträge
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Seite 1
JuJo0209 06.10.2014
1. und was ist daran verkehrt?
Tatsächlich wäre ich dafür, dass der Marburger Bund sich auch für die Rechte des Pflegepersonals engagiert und zukünftig als Gewerkschaftliche Organisation der in der Patientenversorgung tätigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fungiert. Warum sollte man stattdessen in Verdi aufgehen??
merkur08 06.10.2014
2. Das wäre überfällig........
Sonst ist dazu nichts zu sagen, oder halt in Osteuropa neues Personal rekrutieren. Allerdings 2000 Euro brutto? Ist das komplett, oder kommen da noch Schichtzulagen? Obwohl. So habe ich auch angefangen. Allerdings noch 4000 Mark. Allerdings mit einer Menge sozialen Leistungen. Allerdings ist das schon ein paar Jahre her. Und Fliegerei ist doch was anderes wie Bahnfahren.
david_crocket 06.10.2014
3. Monotoner Streikwille - und kein Ende
Ihr Leben besteht aus "Monotonie pur auf kilometerlangen Gleisen", sie werden traumatisiert und depressiv durch 'Personenschäden'. Und so frönen ihrem Tunnelblick und leben mit diesem. Was ist eigentlich mit Auto- und Busfahrern, die in einen Unfall verwickelt werden? Gelten die auch als traumatisiert und depressiv? Werden die auch als arbeits- / dienstunfähig frühverrentet?
winkler00 06.10.2014
4. Der Wunsch ist Vater des Gedanken.
Der Artikel ist sehr populistisch gefärbt. Wenn die Spartengewerksvhaften sich das Streikrecht nehmen lassen, braucht es keine Gewerkschaften mehr. Wenn die Piloten sich an die Flugbegleiter anpassen oder die Lokführer sich an die Zugbegleiter halten nur weil es halt mehr davon Mitglieder gibt, braucht man in keiner Gewerkschaft mehr sich organisieren. Da wird es auch die Frau Ministerin ihre Probleme haben, ihr Gesetz gegen die Einzelgewerkschaften durchzusetzen.
hansgustor 06.10.2014
5. Jetzt ist mal gut
2000€ ist ein gutes Anfangsgehalt. Ich kenne viele die weniger verdienen. Insbesondere im Vergleich zu LKW-Fahrern geht es ihnen gut. Und die Belastung wurde schon bei dem letzten 3 Verhandlungen einbezogen. Jetzt muss langsam mal gut sein und man muss sich mit realistischen Erhöhungen wie bei anderen Berufen auch zufrieden geben.
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