Neues Internetportal zu Fluglärm Hier dröhnt es

Wie sehr stören Flugzeuge die Anwohner in Frankfurt, Berlin oder Weeze? Eine neue Internetseite der Luftfahrtindustrie verspricht Aufklärung. Doch Fluglärmgegner misstrauen den Werten. Sie messen auf eigene Faust.

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Hamburg - Wer im Norden von Hamburg eine Wohnung mieten oder im Süden von Frankfurt ein Haus kaufen will, für den ist es oft eine entscheidende Frage: Wie schlimm ist der Fluglärm? Seit Jahrzehnten protestieren Bürger in der Nähe von Flughäfen gegen die Belastung durch startende und landende Maschinen. Neuerdings können sie sich dabei verstärkt auf medizinische Studien und Gerichtsurteile berufen.

Nun versucht die deutsche Luftfahrtbranche, in der Debatte selbst mehr Bürgernähe zu demonstrieren. Am Dienstag startet der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) unter der Adresse www.fluglärm-portal.de eine Informationsseite. "In der Diskussion um Fluglärm klaffen öffentliche Meinung und Fakten häufig weit auseinander", sagt BDL-Chef Klaus-Dieter Siegloch. Der Verband wolle "zu einer sachlicheren Debatte über das Thema beitragen".

Die Motivation der im BDL zusammengeschlossenen Flughäfen und Airlines ist klar: Um weitere Einschränkungen wie das gerichtliche Nachtflugverbot in Frankfurt zu verhindern, beteuern sie ihren guten Willen. "Fluglärm ist bereits erfolgreich gemindert worden", sagt BDL-Chef Klaus-Peter Siegloch unter Berufung auf das Umweltbundesamt. Dessen Umfragen zufolge sei die Zahl der Bürger, die sich von Fluglärm belästigt fühlten, innerhalb von zwölf Jahren von fast 15 auf sechs Prozent gesunken.

Berücksichtigt man allerdings auch Bürger, die sich nur "etwas" belästigt fühlen, ist fast ein Viertel der Deutschen betroffen. "Die Zahlen sind immer noch hoch", sagt René Weinandy, Lärmexperte beim Umweltbundesamt. Beim Rückgang könne verbesserter Lärmschutz eine Rolle gespielt haben. "Es könnte aber auch andere Erklärungen geben, etwa Rückgänge des Luftverkehrsaufkommens." Besonders der Frachtverkehr war infolge der Finanzkrise zeitweise deutlich zurückgegangen.

Das Umweltbundesamt hat wiederholt darauf hingewiesen, dass Fluglärm gesundheitliche Risiken wie eine erhöhte Zahl von Herzinfarkten und Schlaganfällen mit sich bringt. Auch der Deutsche Ärztetag kritisierte erst im Juni, die Politik habe in den vergangenen zwei Jahren keine Verbesserungen im Schutz gegen Fluglärm bewirkt. Zwar gibt es auch auf dem Fluglärmportal einen Abschnitt zu gesundheitlichen Gefahren. Allerdings heißt es dort, die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus seien "unter Wissenschaftlern noch umstritten".

Starts und Landungen live am Computer

Hilfreich ist die Seite dennoch, vor allem die Rubrik "Wo geschieht was". Hier sind für 22 deutsche Flughäfen von Friedrichshafen bis München wichtige Informationen zum Fluglärm gebündelt: In welchen Zeiten darf geflogen werden? Wie entwickelt sich die Zahl der Flugbewegungen? Wer ist der örtliche Lärmschutzbeauftragte?

Wer über ein neues Heim in Flughafennähe nachdenkt, dürfte sich besonders für die Lärmkartierungen interessieren: Sie zeigen welche Dezibel-Belastungen im Umfeld eines Flughafens im Durchschnitt zu erwarten sind. Fluglärmgegner kritisieren allerdings, dass es sich dabei um errechnete Durchschnittswerte handelt. Der von Privatpersonen gegründete Deutsche Fluglärmdienst dokumentiert deshalb seit Langem über private Messstationen auch Spitzenwerte - schließlich sind gerade sie es, die Menschen aus dem Schlaf reißen. Auch Lärmexperte Weinandy sagt, Maximalpegel müssten stärker berücksichtigt werden.

Einen realistischeren Eindruck als die Lärmkarten bieten verschiedene Flugvisualisierungssysteme, die ebenfalls über das Portal erreichbar sind. Mit nur geringer Zeitverzögerung lassen sich hier alle Starts und Landungen an einem Flughafen interaktiv verfolgen. In Frankfurt, München und Hannover zeigen verschiedene Messstationen zudem, wie laut die vorbeifliegenden Maschinen gerade sind - nicht selten werden dabei "Fluglärmereignisse" jenseits der Grenzwerte registriert. Auch für die übrigen deutschen Airports zeigt die Visualisierung Stanly_Track der Deutschen Flugsicherung die Routenverläufe, allerdings ohne Lärmdaten.

Potenziellen Hauskäufer oder Neumietern könnte die Flugbeobachtung am Rechner bei der Entscheidung helfen. Was aber ist mit all jenen, die längst in der Nähe eines Flughafens leben und leiden? Sie könnten sich damit trösten, dass die erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Fluglärm laut Wienandy auch eine Frage des Zeitgeists ist: "Früher hat man Lärm als Musik des Wohlstands verstanden."

insgesamt 76 Beiträge
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sucram31 08.07.2014
1. Berlin Tegel
Wir wohnen westlich von Berlin in der Einflugschneise von Tegel (bei Ostwind), etwa 15 km entfernt. Flugzeuge sind bei Landung etwa zwischen 600 und 800m hoch. Stören mich gar nicht! Natürlich ist es manchmal etwas lauter, wenn man im Sommer draußen sitzt. Finde es aber immer wieder faszinierend, die Dinger über uns zu sehen. Kann den ganzen Trouble, vor allem von Menschen, die viel weiter vom Airport leben als wir, nicht nachvollziehen. Schade, dass Tegel irgendwann mal geschlossen wird.
joG 08.07.2014
2. Sollte sich herausstellen, dass das Mißtrauen. ...
...begründet ist und die veröffentlichten Werte der Lautstärke geringer sind als die tatsächlichen, sollte man das als organisierten Betrug behandeln und auch Vorstände sowie Aufsichtsräte gemeinschaftlich belangen.
Der_zu_spät_geborene 08.07.2014
3. Was ist mit all jenen...
Zitat von sysoppicture alliance / dpaWie sehr stören Flugzeuge die Anwohner in Frankfurt, Berlin oder Weeze? Eine neue Internetseite der Luftfahrtindustrie verspricht Aufklärung. Doch Fluglärmgegner misstrauen den Werten. Sie messen auf eigene Faust. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/luftfahrtindustrie-startet-internetportal-zum-fluglaerm-a-979510.html
... die sich GÜNSTIG Bauland kaufen in der Nähe eines Flughafens und dann klagen ? Wie die grüne Landtagsabgeordnete in Stetten auf den Fildern oder die "Analystin" die im Spiegel Propaganda Artikel von vor ca.2 Jahren erwähnt wurde, die vorher nicht analysieren konnte das ein Haus in wenigen Kilometern Entfernung vom meistbeflogenen deutschen Grossflughafen evtl. etwas lärmbelasteter ist als das Wirtshaus im Spessart ? Aber dieser Beitrag wird ja eh zensiert werden....
demokrat_de 08.07.2014
4. Schutz des Fluglärms vor der Bevölkerung...
Ich würde früh um sechs mehrere Rockwell B1 starten lassen... mit Nachbrenner.
herr wal 08.07.2014
5.
Zitat von sysoppicture alliance / dpaWie sehr stören Flugzeuge die Anwohner in Frankfurt, Berlin oder Weeze? Eine neue Internetseite der Luftfahrtindustrie verspricht Aufklärung. Doch Fluglärmgegner misstrauen den Werten. Sie messen auf eigene Faust. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/luftfahrtindustrie-startet-internetportal-zum-fluglaerm-a-979510.html
Bild 5 zeigt die Umgebung des Frankfurter Flughafens, nicht die des Müncheners. Man kann sehr schön sehen, wie der Main Richtung Rhein strömt und schließlich in Mainz in ihn mündet. Beim Betrachten der Karte dachte ich gleich: Nee, so was gibt es doch in München nicht.
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