Luis de Guindos Spaniens Wirtschaftsminister bewirbt sich als EZB-Vize

Spanien wünscht sich Wirtschaftsminister Luis de Guindos auf dem Posten des EZB-Vizes. Sollte er Erfolg haben, erhöht das die Chancen für Bundesbank-Chef Jens Weidmann auf die Nachfolge von Mario Draghi.

Luis de Guindos
DPA

Luis de Guindos


Luis de Guindos soll nach dem Willen Spaniens Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) werden. Ein entsprechendes Papier mit der Kandidatur des 58-jährigen Wirtschaftsministers sei Eurogruppen-Chef Mário Centeno überreicht worden, teilte das Ministerium in Madrid mit.

Die Position des Stellvertreters von EZB-Chef Mario Draghi muss neu besetzt werden, weil die Amtszeit des bisherigen Vizepräsidenten, dem Portugiesen Vítor Constâncio, Ende Mai nach acht Jahren zu Ende geht. Auch Irland hatte bereits einen Kandidaten für die Nachfolge benannt: Notenbank-Chef Philip Lane. Für die Insel wäre ein Sitz im EZB-Führungsgremium eine Premiere seit Errichtung der Währungsunion im Jahr 1999.

Die Nominierung de Guindos dürfte laut Experten Folgen haben für die 2019 anstehende Neubesetzung des EZB-Chefpostens. Sollte ein Südeuropäer Vize werden, könnte dies die Aussichten von Bundesbank-Chef Jens Weidmann erhöhen, Nachfolger von Draghi zu werden. Dieser tritt Ende Oktober 2019 ab.

Interessenausgleich zwischen den Ländern

Es wird erwartet, dass die Finanzminister der Eurozone am 19. Februar über die Constancio-Nachfolge entscheiden. Wie bei europäischen Spitzenpersonalien üblich muss dabei ein Ausgleich der Länderinteressen gefunden werden. Spanien ist seit 2012 nicht mehr im Führungsgremium der EZB vertreten.

De Guindos äußerte sich zuversichtlich, als Sieger aus dem Rennen hervorzugehen. Dabei warb der Politiker mit den jüngsten wirtschaftlichen Erfolgen seines Landes. So stellte er in Aussicht, Spanien werde 2018 die Wachstumsprognose der EU von 2,6 Prozent übertreffen.

Der 58-Jährige gehört der konservativen Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy an. Er ist seit 2011 Wirtschaftsminister des viertgrößten Landes im Währungsraum. Zu seinen Aufgaben gehörte es, die Wirtschaftskrise in Spanien zu überwinden. De Guindos kann sich zugute halten, dass er mitgeholfen hat, dass spanische Geldhäuser ihren Bestand an notleidenden Krediten um rund acht Prozent verringert haben.

Lane auch im Gespräch als EZB-Chefvolkswirt

Vor seinem Wechsel in die Regierung leitete de Guindos bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in Madrid die Finanzabteilung. Weitere Karrierestationen waren Leitungspositionen bei den Investmentbanken Nomura und Lehman Brothers in Spanien.

Sein Konkurrent, der Ire Lane hingegen machte zunächst als promovierter Ökonom eine akademische Karriere. Der 48-Jährige ist seit Oktober 2015 Gouverneur der irischen Notenbank. Zuvor hatte er unter anderem am Trinity College in Dublin und an der Columbia University in den USA gelehrt.

Lane war zudem als akademischer Berater für die Europäische Kommission, den Internationalen Währungsfonds und eine Reihe von Zentralbanken tätig. Er gilt auch als ein möglicher Kandidat für den Posten des EZB-Chefvolkswirts. Auch diese Position muss im kommenden Jahr neu besetzt werden, denn die Amtszeit des Belgiers Peter Praet läuft Mai 2019 aus.

brt/Reuters/dpa

insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
vorsicht.sarkasmus 07.02.2018
1. Merkels Tradition
Von Frau Merkel sind wir ja schon einige Fehlbesetzungen wichtiger Positionen gewohnt. Zweimal griff sie bei der Wahl des Bundespräsidenten daneben. Den größten Bock hat sie bislang mit EU-Kommissar Oetinger geschossen. Aber mit Herrn Weidmann würde sie einen noch größeren Bock schießen. Würde dieser Herr EZB-Präsident dann dürften die Hedge Funds massiv auf eine Ende des Euro wetten. Soros Milliarden Gewinn bei der Spekulation gegen das Pfund wäre leicht zu toppen. Bitcoins dürften bei Weidmann als Chef der EZB durch die Decke gehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.