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Steuervermeidung: Luxemburg will keine Tricksereien mehr dulden

Asselborn (l.) und Juncker im September 2010: Komplizierte Strukturen genehmigt Zur Großansicht
REUTERS

Asselborn (l.) und Juncker im September 2010: Komplizierte Strukturen genehmigt

Jahrelang lockte Luxemburg internationale Konzerne mit steuerlichen Anreizen ins Land. Damit soll nun Schluss sein. Das kündigt Außenminister Jean Asselborn im SPIEGEL an.

Hamburg - Luxemburg kämpft nach den jüngsten Steuerenthüllungen um seinen Ruf in Europa. Die Regierung will jetzt nicht mehr mit Unternehmen kooperieren, die Steuern vermeiden wollen. Das kündigte Außenminister Jean Asselborn im SPIEGEL an. "Luxemburg darf kein Ort sein, der Firmen willkommen heißt, die keine Steuern zahlen wollen", so der Außenminister. "Für solche Tricksereien stehen wir nicht mehr zur Verfügung." (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Die jüngsten Enthüllungen über die Steuersparmodelle für ausländische Unternehmen nannte Asselborn einen "Schlag, der den Ruf Luxemburgs hart trifft".

In der vergangenen Woche hatten mehrere Medien, darunter die "Süddeutsche Zeitung", so anschaulich und detailliert wie nie enthüllt, mit welchen Tricks, mit wie viel Bereitwilligkeit Regierung und Behörden in Luxemburg steuerscheuen Konzernen zu Diensten waren.

Die Berichte berufen sich auf die Auswertung von 28.000 Seiten geheimer Dokumente durch das Internationale Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ). Diese belegen demnach, dass die Luxemburger Behörden zum Teil äußerst komplizierte Finanzstrukturen genehmigten, die das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) im Auftrag der Firmen entwickelt habe. Manche Firmen hätten aufgrund dieser Steuergestaltungen auf Gewinne teilweise weniger als ein Prozent Steuern gezahlt.

Demnach sind deutsche und internationale Konzerne involviert. Profitiert haben den Berichten zufolge auch die deutschen Dax-Konzerne Deutsche Bank, E.on und Fresenius Medical Care (FMC) . Zudem werden Unternehmen wie PepsiCo, FedEx, Procter & Gamble, Amazon und Ikea genannt.

Die Berichte setzen insbesondere EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker unter Druck, weil in seiner Zeit als langjähriger Finanzminister und Premier Luxemburgs das dort verwaltete Kapital massiv anwuchs. Die Linke wirft Juncker gar Beihilfe zur Steuerhinterziehung vor. Der Politiker reagierte nach Angaben eines Sprechers "sehr gelassen" auf die Vorwürfe.

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insgesamt 147 Beiträge
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1. Bock zum Gärtner
diefetteberta 09.11.2014
Mit Herrn Juncker hat man den Bock zum Gärtner gemacht und erwartet nun, dass dieser gegen sich selbst ermittelt. Völlig absurd und ein weiterer Schritt in Richtung Ende der EU in ihrer jetzigen Form. Ferner ist das wieder mal Wasser auf die Mühlen von allen europafeindlichen Parteien.
2.
someoneunreal 09.11.2014
und der kleine Mann mit seinem Satz von 20 bis 35 Prozent (mal grob gesagt - alles was drüber liegt lassen wir mal außer acht) kann sich nicht der erbarmungslosen Hand des Staates erwehren. nun ja - auf nach Dubai. Sonne satt, keine steuern, fürstliches Gehalt. angestellt bei ausländischen Unternehmen bekommt man fette Zuschläge oben drauf, in der Hinsicht sollten einem bedenkliche Rechtspraktiken einfach Mal für 2, vielleicht 3 Jahre egal sein. kommt man zurück, hat mein eine aussetzte Ausgangsbasis für was auch immer im spröden DE.
3. Thomas von Aquin bekommt wieder Recht.
Coemgen2 09.11.2014
Staaten, die sich nicht an das eigene Recht halten (tricksen) sind bei genauem Hinsehen auch nur Räuberbanden. Luxemburg: das ist ein Mikrokosmos der EU. An diesem Ländchen ist zu sehnen, warum es in der EU so schief läuft. Eigennutz geht vor Gemeinnutz. So kann man keine Gemeinschaft führen. Den luxemburger Bock hat die EU dann sogar noch zum Gärtner gemacht.
4.
Traudhild 09.11.2014
Hm, die wollen tatsaechlich den ast absaegen auf dem sie sitzen? Das ewg- gruendungsmitglied will sich der hauptwertschoepfung seiner volkswirtschaft entledigen?..womit sie ueberhaupt die voraussetzung fuer den beitritt zur waehrungsunion geschafft haben?..
5. Luxemburg will keine Tricksereien mehr dulden
Helga-B- 09.11.2014
Wer das glaubt, glaubt auch ans Christkind.
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Fläche: 2586 km²

Bevölkerung: 562.958 Einwohner

Hauptstadt: Luxemburg

Staatsoberhaupt:
Großherzog Henri

Regierungschef: Xavier Bettel

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