Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Machtkampf mit Amerika: Chinas Präsident redet den Dollar klein

Chinas Staatschef Hu geht auf Konfrontationskurs zu den USA - ausgerechnet kurz vor dem Staatsbesuch in Washington. Er kritisiert die Strategie der US-Notenbank Fed und erklärt das vom Dollar dominierte globale Währungssystem für überholt.

Chinas Präsident Hu: "Produkt der Vergangenheit" Zur Großansicht
REUTERS

Chinas Präsident Hu: "Produkt der Vergangenheit"

Washington - Der Zeitpunkt und die Art und Weise, wie sich Chinas Präsident zu den USA äußert, lassen tief blicken, auch wenn Hu Jintao rein inhaltlich keine neue Position bezieht. Hu kritisiert Amerika in zwei der renommiertesten US-Medien: dem "Wall Street Journal" und der "Washington Post". Und er tut es unmittelbar vor seinem Staatsbesuch in Washington.

Es ist eine klare Ansage: China begegnet den USA als starker Verhandlungspartner, China gehört die Zukunft, China wird die Supermacht USA bald überholen.

Besonders explizit äußert sich der Präsident zum Weltwährungssystem. Der Dollar habe als Leitwährung irgendwann ausgedient, sagte Hu; das Dollar-dominierte internationale Währungssystem sei ein "Produkt der Vergangenheit". Selbst wenn die US-Währung noch längere Zeit als globale Referenz diene - die Zeit des Yuan werde kommen.

Die chinesische Zentralbank hatte schon in der Vergangenheit immer wieder auf eine Neuordnung des Währungssystems gepocht. Jetzt aber ist es der Präsident selbst, der die Dollar-Schwäche thematisiert - unmittelbar vor einer US-Reise, auf der die beiden Länder zahlreiche Wirtschaftsvereinbarungen besiegeln wollen. Hu wird am Mittwoch zu einem bis Freitag dauernden Besuch erwartet.

Der Dollar habe großen Einfluss auf die "globale Liquidität und Kapitalströme", teilte Chinas Präsident mit. Deshalb müsse die Liquidität des Dollars auf einem "vernünftigen und stabilen Niveau" gehalten werden.

Kritik an der US-Notenbank

Indirekt übte Hu damit Kritik an der amerikanischen Währungspolitik. Die US-Notenbank Fed hatte im November bekanntgegeben, bis Ende des zweiten Quartals 2011 US-Staatsanleihen im Umfang von 600 Milliarden Dollar kaufen zu wollen. US-Notenbankchef Ben Bernanke will dadurch die Konjunktur ankurbeln. Gleichzeitig vergrößert die Fed am Devisenmarkt die Menge der zirkulierenden Dollar. Sie erhöht das Angebot - bei gleichbleibender Nachfrage. Das führt dazu, dass der Dollarkurs sinkt.

Da die US-Währung im Vergleich zu anderen Währungen weniger wert ist, kosten die im Land gefertigten Produkte in anderen Staaten weniger. Im Preiskampf mit den Produkten anderer Länder ist das ein Vorteil für die USA - und ein Nachteil für China.

Während er die US-Währungspolitik kritisierte, wies Hu Kritik an der eigenen Geldpolitik zurück. Gegen eine Aufwertung des Yuan verwehrt er sich explizit. Die USA und die EU schätzen, dass der Yuan um bis zu 40 Prozent unterbewertet ist. Chinesischen Exportwaren haben dadurch einen permanenten Wettbewerbsvorteil.

Neue Milliardengeschäfte in Aussicht

Aus Sicht der USA würde eine Aufwertung des Yuan auch China helfen - beim Bekämpfen der Inflation. Nach Angaben der Regierung in Peking lag die Teuerungsrate im November offiziell bei mehr als fünf Prozent. Experten gehen davon aus, dass die inoffizielle Inflationsrate bis zu doppelt so hoch sein könnte. Hu teilt diese Meinung offenbar nicht. Die Annahme, mit einer Aufwertung des Yuan lasse sich die Inflation in den Griff bekommen, sei zu einfach, sagte er. Für Änderungen im Wechselkurs gebe es stets zahlreiche Gründe - nicht nur einen.

Die Atmosphäre zwischen Amerika und China ist gespannt. Laut einer am Montag von der Zeitung "China Daily" veröffentlichten Umfrage sind mehr als 50 Prozent der Chinesen der Ansicht, dass sich die Beziehungen zwischen China und den USA im Jahr 2010 verschlechtert haben. Viele machen die Regierung von US-Präsident Barack Obama dafür verantwortlich.

Trotz Dissens stellte Hu neue Kooperationen mit den USA in Aussicht. Dies könne in Bereichen wie der Energie, Infrastrukturentwicklung, dem Luft- und Raumverkehr geschehen, teilte er in den Interviews mit dem "Wall Street Journal" und der "Washington Post" mit.

ssu/AFP/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 99 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. wir Europäer...
Olias, 17.01.2011
... sollten das als gute Gelegenheit verstehen, den Euro als Leitwährung zu etablieren. Jedenfalls ist nicht einzusehen, daß die US-Amis sich selbst seit Jahrzehnten auf Kosten des Restes der Welt entschulden. Sofern wir Europäer uns nicht im 'Klein-in-Klein' erschöpfen, H4-Bashing und Klientelpolitik beispielsweise, könnte das sogar gelingen (€ als Leitwährung).
2. Von den Chinesen...
Baikal 17.01.2011
Zitat von sysopChinas Staatschef Hu geht auf Konfrontationskurs zu den USA - ausgerechnet kurz vor dem Staatsbesuch in Washington. Er kritisiert die Strategie der US-Notenbank Fed und*erklärt das*vom Dollar dominierte globale Währungssystem für überholt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,739851,00.html
[QUOTE=sysop;6978195]Chinas Staatschef Hu geht auf Konfrontationskurs zu den USA - ausgerechnet kurz vor dem Staatsbesuch in Washington. Er kritisiert die Strategie der US-Notenbank Fed und*erklärt das*vom Dollar dominierte globale Währungssystem für überholt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,739851,00.html[/QUOTE .. lernen, heißt eben siegen zu lernen: daran werden sich sowohl die Amis als auch die Brüsseler Großmachtträumer gewöhnen müssen. Der Dollar ist tatsächlich eine kranke Krakenwährung, ein neues System ist überfällig und bei dessen Aufbau können die euroamerikanischen Bankerganster gleich mit entsorgt werden.
3. ...
vogelsteller 17.01.2011
er redet nicht den dollar klein. er redet vom werteverfall des dollars, wie "klein" er geworden ist- und da hat er wohl recht. auch dann hat er recht, wenn ihm sein kommentar zum dollar heimlich freude bereitet. der dollar ist nicht nur die bekannte ekelhafte "grüne krätze", er mutiert sogar rasend zum wert von klosettpapier.
4. Dollar-Crash noch vor dem Euro-Crash?
wolfgangbier 17.01.2011
Langsam aber sicher versuchen die Chinesen immer mehr ihrer inflationären Dollar-Bestände abzubauen: Investitionen weltweit, die mit Dollar bezahlt werden und sogar der Kauf europäischer Staatsanleihen deuten daraufhin, daß den Chinesen die hohen Dollar-Devisenreserven Kopfschmerzen bereiten.
5. Irgendwann...
Realo, 17.01.2011
...musste es ja dazu kommen. China kann vor Kraft kaum laufen, aber ganz würde ich die USA und den Dollar nicht abschreiben - Totgesagte leben länger als man denkt.....
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fläche: 9.572.900 km²

Bevölkerung: 1367,820 Mio.

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

Regierungschef: Li Keqiang

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia| China-Reiseseite

Vier Risiken für Chinas Wirtschaft


SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: