Malta und Luxemburg: Bankenparadiese fürchten Radikalkur

Von

Maltas Hauptstadt Valletta: Standort für internationale Banken Zur Großansicht
REUTERS

Maltas Hauptstadt Valletta: Standort für internationale Banken

Der Euro-Gruppen-Chef hat Zypern zum Präzedenzfall in der Euro-Krise erklärt. Nun zittern auch andere Kleinstaaten der Euro-Zone mit überdimensionierten Bankensektoren. Vor allem in Malta geht die Angst um vor einer drohenden Radikalkur, doch auch das reiche Luxemburg fühlt sich angesprochen.

Hamburg - Kleines Land, aufgeblähter Bankensektor - die Kombination dieser beiden Merkmale wurde Zypern zum Verhängnis. Nur deshalb wurde dem Land nicht so einfach geholfen wie so vielen anderen Euro-Staaten zuvor. Nur deshalb mussten in Zypern die Gläubiger und Kunden für die Banken mithaften. Für einige andere Länder in der Euro-Zone muss das ein Alarmsignal sein. Denn Zypern ist längst nicht der einzige Kleinstaat mit überdimensionierter Finanzbranche.

Die Bilanzsumme aller zyprischen Banken ist mehr als siebenmal so groß wie die jährliche Wirtschaftsleistung des Landes. Neben dem Tourismus war der Finanzsektor über Jahre der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes.

Dass dieses Modell riskant ist, war Experten schon lange klar. Gerät ein solch überdimensionierter Bankensektor erst einmal ins Wanken, kann der Staat ihn nicht mehr auffangen. Schlimmer noch: Die Schulden der Geldhäuser reißen ihn mit in die Pleite. Nicht mal internationale Rettungsgelder können da noch helfen - zumindest nicht, wenn sie als Kredit gewährt werden.

Hätte Zypern die nötigen 17 Milliarden Euro aus dem Rettungsfonds ESM erhalten, wären die Staatsschulden auf rund 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. Ein untragbarer Wert, meinten die anderen Euro-Staaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) und beharrten auf einem Eigenbeitrag des Landes. Sieben Milliarden Euro muss Zypern nun stemmen - den Großteil davon durch die Beteiligung von Bankengläubigern und Sparern. Das Land steckt mittendrin in einem Horrorszenario.

Bankensektor in ausgewählten Ländern: Groß, größer Luxemburg Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Bankensektor in ausgewählten Ländern: Groß, größer Luxemburg

Maltas Politiker sind eingeschüchtert

Das Beispiel Zypern dürfte nun all jene Staaten aufschrecken, die ähnliche Merkmale aufweisen. Malta etwa teilt mit Zypern nicht nur den Status als Mittelmeerinsel, sondern auch den als Steueroase. Der Finanzsektor ist hier im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sogar noch größer. Die Bilanzsummen der Banken machen zusammengenommen rund das Achtfache der Wirtschaftsleistung aus (siehe Grafik). Den Großteil davon stellen internationale Institute, die Malta als günstigen Standort nutzen. Laut "Handelsblatt" werben internationale Kanzleien bei den Kunden zyprischer Banken schon für eine Umschichtung der Konten nach Malta.

Doch die dortige Politik ist eingeschüchtert. Der maltesische Finanzminister Edward Scicluna konnte in Brüssel gerade erst erleben, welchen Druck die europäischen Institutionen auf Länder in Finanzschwierigkeiten ausüben. "Es gibt nichts Würdeloseres als den Anblick eines bankrotten Menschen, der um Hilfe bettelt", schrieb Scicluna nach dem ersten Rettungsgipfel der Euro-Finanzminister am vorletzten Wochenende in der "Times of Malta". Zypern sei eine "Fallstudie dafür, welche Behandlung eine kleine Mittelmeerinsel erwarten darf, wenn sie jemals Hilfe von den anderen Mitgliedstaaten braucht".

Er habe bei der entscheidenden Sitzung direkt neben Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gesessen, berichtete Scicluna. Nach zehn Stunden Verhandlungen habe Zyperns Finanzminister Michalis Sarris mit der "Pistole am Kopf" den Bedingungen der Retter zugestimmt. Niemals im Leben wolle er in eine solche Situation geraten, schreibt Scicluna.

Dabei steht gerade sein Land im Visier derjenigen, die den Fall Zypern nun als Modell für künftige Rettungsaktionen in der Euro-Zone sehen. So wie der niederländische Finanzminister und Euro-Gruppen-Chef. Der drohte am Dienstag in mehreren Interviews, Bankgläubiger und Kunden in pleitebedrohten Staaten künftig zur Verantwortung zu ziehen. Länder wie Luxemburg, Malta oder Slowenien sollten deshalb besser prüfen, ob sie den Sektor nicht verkleinern.

"Andere Länder werden erwürgt"

Gerade für Luxemburg ist das ein Affront. Das Land ist das reichste in der Euro-Zone und stellte mit Jean-Claude Juncker bis vor wenigen Wochen selbst den Euro-Gruppen-Chef. Doch sein Bankensektor ist fast 22-mal so groß wie die Wirtschaftsleistung - der mit Abstand höchste Wert in Europa. Sollten Luxemburgs Banken aus irgendwelchen Gründen einmal in Schwierigkeiten kommen, der Staat könnte sie niemals auffangen.

Entsprechend gereizt reagiert das Land auf die Drohrhetorik, die nun aus Ländern wie den Niederlanden, aber auch aus Deutschland kommt.

"Luxemburg ist besorgt über jüngste Äußerungen und Erklärungen, die seit der Zypern-Krise verbreitet wurden", teilte die Regierung des Großherzogtums am Mittwoch mit. Das Verhältnis von Bilanzsumme zu Bruttoinlandsprodukt (BIP) tauge nicht als Kriterium für die "Verhältnismäßigkeit eines Finanzsektors".

Außenminister Jean Asselborn war am Vortag noch deutlicher geworden: "Deutschland hat nicht das Recht, die Geschäftsmodelle für andere Länder in der EU zu fixieren", hatte er gesagt. "Es darf nicht soweit kommen, dass unter dem Deckmantel von finanztechnischen Fragen andere Länder erwürgt werden."

Die Bundesregierung bemühte sich am Mittwoch um diplomatische Entspannung. "Zypern ist ein singulärer Fall", betonte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Aus der zyprischen Lösung sind keine Rückschlüsse auf andere Länder zu ziehen."

Das hofft auch Slowenien. Das Land könnte das nächste sein, das Hilfe beantragen muss. Dort ist der Finanzsektor zwar längst nicht so überdimensioniert wie anderswo (siehe Grafik). Doch die maroden Banken machen dem Staat trotzdem zu schaffen. Allein die faulen Kredite belaufen sich laut IWF auf 20 Prozent des BIP. Regierungschefin Alenka Bratusek versuchte am Mittwoch, die Situation zu beruhigen. "Slowenien ist in der Lage, die Dinge in Ordnung zu bringen", sagte sie. "Panik ist nicht notwendig."

Mit Material von Reuters und dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 284 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
miauwww 27.03.2013
Na, sollte dieses Uebel der Schleus- und Spartricks endlich mal eine Ende finden? Schoen waers.
2.
BlakesWort 27.03.2013
Gut so! Diese Korrektur kommt wenigstens zehn Jahr zu spät.
3. Zitat:
westpfälzer 27.03.2013
"So wie der niederländische Finanzminister und Euro-Gruppen-Chef. Der drohte am Dienstag in mehreren Interviews, Bankgläubiger und Kunden in pleitebedrohten Staaten künftig zur Verantwortung zu ziehen. Länder wie Luxemburg, Malta oder Slowenien sollten deshalb besser prüfen, ob sie den Sektor nicht verkleinern." Und wen greift der luxemburgische Außenminister an? Zitat: "Außenminister Jean Asselborn war am Vortag noch deutlicher geworden: "Deutschland hat nicht das Recht, die Geschäftsmodelle für andere Länder in der EU zu fixieren", hatte er gesagt." Ist ja viel einfacher, weil, wir sind auf ewige Zeiten schuldig!
4. ja, alle sind in der Lage, das zu regeln
brokerbundfuture1 27.03.2013
Ein Lacher, denn selbst wir in Deutschland wären nicht in der Lage, einen Kollaps des Bankensektors aufzufangen.Und man bedenke immer, wir zahlen nicht alleine in die EU ein, sondern viele andere auch. IN EIN FASS OHNE BODEN.
5. Unfug
lemmy01 27.03.2013
Das ist doch alles Unfug. Vereinfacht: In Zypern haben ausländische Investoren bei den Banken viel Geld angelegt. Davon wurden viele hochverzinsliche griechische Anleihen gekauft. Mehr Zins - mehr Risiko. Und manchmal geht die Rechnung eben nicht auf. Warum sollten aber europäische Steuerzahler die riskanten Investments zyprischer Banken und von deren ausländischen Kunden decken und quasi das Risiko im negativen Fall übernehmen? Das kann es einfach nicht sein. In Luxemburg oder Malta ist das hoffentlich etwas anders. Die haben zwar auch einen großen Bankensektor, die Banken dort haben aber die Kundengelder hoffentlich etwas seriöser angelegt. Wenn nicht ist das aber auch deren Sache!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Schuldenkrise in Zypern
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 284 Kommentare

Fotostrecke
Demonstration vor Parlament: Zypern Jugend im Zorn