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Einkommen von Frauen: Schwesig stellt Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit vor

Manuela Schwesig: Tabuthema Gehalt auf die Agenda gesetzt Zur Großansicht
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Manuela Schwesig: Tabuthema Gehalt auf die Agenda gesetzt

Frauen verdienen deutlich weniger als Männer: Familienministerin Schwesig will per Gesetz gegen die Einkommensunterschiede vorgehen. Der Arbeitgeberverband kritisiert den Gesetzentwurf.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will bis Ende 2016 ein "Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern" durchsetzen. "Derzeit ist die Frage des Gehalts in Deutschland eher ein Tabuthema, es ist eine Blackbox. Viele wissen gar nicht, ob sie eigentlich fair und gerecht bezahlt werden", sagte Schwesig am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung der Eckpunkte des Gesetzes.

Künftig soll deshalb für alle Beschäftigten und Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst des Bundes ein individueller Auskunftsanspruch festgelegt werden. Ziel ist mehr Transparenz in Sachen Bezahlung. Unternehmen ab 500 Beschäftigte sollen verpflichtet werden, ihre eigene Entgeltgleichheit zu prüfen, herzustellen und darüber zu berichten.

Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdienten Frauen im Jahr 2014 durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als Männer. Die IG Metall begrüßte den Entwurf. "Die Differenz zwischen den Einkommen von Frauen und Männern ist nach wie vor eklatant. Der Gesetzentwurf enthält handhabbare Verfahren und Rechte, diesen Missstand abzustellen", sagte die Zweite Vorsitzende Christiane Benner.

Scharfe Kritik kam von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). "Das geplante Gesetz muss gestoppt werden. Es schafft jede Menge neue Bürokratie", heißt es in einer Stellungnahme. Die Gesetzespläne gingen an den Ursachen der Entgeltunterschiede von Männern und Frauen vorbei. Diese beruhten nachweislich vor allem auf dem unterschiedlichen Erwerbsverhalten.

Zudem warf der BDA der Ministerin vor, dass der Entwurf weit über die Vereinbarungen mit der Union hinausgehe. Der Koalitionsvertrag sehe weder betriebliche Entgeltanalyseverfahren noch Verschiebungen der Beweislast zum Nachteil der Arbeitgeber oder eine Ausweitung der betrieblichen Mitbestimmungsrechte vor, erklärte der Verband. Auch eine Verpflichtung, in Stellenangeboten ein Mindestentgelt anzugeben, und das Verbot der Vertraulichkeit in Gehaltsfragen gingen über den Koalitionsvertrag hinaus.

Der Gesetzentwurf soll noch in diesem Jahr in die Abstimmung innerhalb der Bundesregierung gegeben werden. Schwesig hatte das Gesetz zum Aktionstag für Entgeltgleichheit (Equal Pay Day) im März angekündigt.

sun/dpa/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
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1. Wenn überhaupt schafft das mehr Ungerechtigkeit
fade0ff 09.12.2015
Die meisten Angestellten werden nach Tarif bezahlt. Unterschiede gibt es also nur durch verschiedene Qualifikation (Teamassistentin vs. Ingenieur) und verschiedene Leistungszulage (sieh Statistiken zu Magengeschwüren und Burnouts). Wenn deutlich weniger Frauen als Männer in Vollzeit arbeiten und dazu noch statistisch gesehen in niedriger qualifizierten Berufen, dann kann es nicht verwundern, daß ihr Durchschnittsverdienst geringer ist. Daraus abzuleiten, daß Frauen benachteiligt werden, ist irrwitzig. Und zu verlangen, daß der Durchschnittsverdienst von Frauen unter unveränderten Rahmenbedingungen steigt, heißt nichts anderes als daß Männer bei gleicher Leistung und Qualifikation dramatisch schlechter bezahlt werden müssen. Reicht doch, daß wir kürzer leben und trotzdem nicht früher in Rente dürfen, obwohl wir auch noch mehr einzahlen.
2.
stefanmller800 09.12.2015
Schön, was in dem Artikel für Zahlen sind. 21%.. das sind nicht die Zahlen, wenn man die selben Stellen vergleicht. Alles andere ist nicht relevant. Dazu kommt, dass es ja bei dem Durchschnittsarbeiter keine Unterschiede gibt. Wenn man auf höheren stellen sitzt, muss man eben besser Verhandeln .Daher kommen die Unterschiede. Aber wenn sie schon dabei ist.. ich will auch, das Jungen im Schnitt die selben Noten haben wie Mädchen... oder wird in der Schule nicht diskriminiert?! Boah, wie mich diese Gleichmacherei nervt!
3.
oidahund 09.12.2015
Die 21% sind doch Humbug! - Es gibt Tarifgehälter und eine Eingruppierung in den Tarif - das ist völlig unabhängig vom Geschlecht! Wer mit der Eingruppierung der eigenen Tätigkeit nicht einverstanden ist, kann diese sogar vom Betriebsrat überprüfen lassen. Es ist aber ein Gehaltsunterschied, ob jemand in der Kantine arbeitet, oder eine Spezialistentätigkeit hat. - Eine Teilzeit-MA verdient halt weniger als eine Vollzeit-MA. Die Mehrheit der Teilzeitkräfte sind Frauen - und das auf eingenen Antrag hin. Das Gesetz bringt außer Bürokratie und Aktivismus nichts!
4. Sinnlose Neiddebatte
kpkuenkele 09.12.2015
Frau Schwesig nutzt mal wieder das alte Spiel von "Teile und herrsche". Diesmal wird nach Geschlecht geteilt und die eine Hälfte der Bevölkerung gegen die andere gehetzt, in der Hoffnung, den eigenen Stimmanteil in Richtung auf die 50% Marke zu schieben. "Frauen verdienen im Schnitt 21% weniger". Ich halte dagegen mit: "Kinder verdienen im Schnitt 99% weniger als ihre Eltern". Skandal! Wenn sinnlose Statistik marktschreierisch verwendet wird, bleibt die Sachpolitik auf der Strecke.
5. Wurde auch Zeit
alen123 09.12.2015
Vielen Kommentare hier stellen den Sinn des Gesetzes infrage, mit der Begruendung dass sich die angegebenen Lohnunterschiede auch auf Maenner und Frauen in unterschiedlichen Positionen beziehen. Dabei beachten sie aber nicht, dass es fuer Frauen in Deutschland, bei gleicher Kompetenz, immernoch nachweislich schwieriger als fuer Maenner ist, in hoehere Positionen zu gelangen (z.B. keine Einstellung oder Befoerderung aufgrund von moeglicher Schwangerschaft oder schon vorhandenen Kindern). Dadurch entgeht Frauen aber auch Bezahlung - wenn sie Maenner waeren waeren sie naemlich in der gleichen Position, mit der gleichen Bezahlung. Es ist also sehr richtig, dass nicht nur Personen in gleichen Positionen miteinander verglichen werden.
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